Siegfried H. Schwenke:
Orientierung bei Währung und Verrechnung -
eine kurze Übersicht

1. Am Anfang war das Währungsgut - so könnte man auch auf die Bedeutung dieses Gutes hinweisen. Bei Geldfreiheit würde sich herausstellen, daß Sachwerte die besten Währungsgüter sind. Das Währungsgut ist dasjenige Wirtschaftsgut, in dem die Preise und Kurse aller anderen Güter ausgedrückt und gemessen werden. Wird weltweit in Gold gerechnet, kann man sich weltweit unter den Preisen der Güter etwas vorstellen. Es fällt dann sehr leicht, in Gramm Gold niedrige Preise von hohen Preisen für bestimmte Güter zu unterscheiden, und zwar Raum und Zeit übergreifend. Damit diese Preise aber "echt" sind, müssen Feingoldmünzen von allen, die in Gold rechnen, immer zum Nennwert angenommen werden. Eine Goldmünze von 10 Gramm Feingold bezahlt unter allen Umständen eine Rechnung über 10 Gramm Gold. Gold hat dann einen Festkurs, oder: Gold hat dann keinen Preis, wenn in Gold gerechnet wird.

2. Obwohl 100 % gedeckte Goldzertifikate und Depotguthaben bei Goldrechenwährung formal keinen Festkurs haben, werden sie in der Praxis unterschiedslos wie Feingoldmünzen angenommen werden. Vom Zirkulationsverhalten besteht also kein Unterschied zwischen Währungsgut und dem übrigen Währungsgeld innerhalb einer Währung.

3. Die bereits genannten Eigenschaften von Gold als Währungsgut gelten analog für die anderen Sachwährungsgüter. Ein Wertmaß muß möglichst einheitlich sein, um optimal seine Funktion erfüllen zu können: über Raum und Zeit hinweg Orientierung zu schaffen.

4. Die Hortbarkeit des Währungsgeldes ist daher unvermeidbar, um die Wertmessung über die Zeit hinweg optimal durchführen zu können. Die Möglichkeit, das Währungsgeld irgendwo im Währungsgebiet auszugeben, ist unvermeidbar, wenn man über den Raum hinweg Wertmessung optimal betreiben will. Beide Eigenschaften machen Währungsgeld sehr problematisch als Umsatzmittel und Schuldtilgungsmittel. Selbst wenn es an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit scheinbar umläuft, um die produzierten Produkte abzusetzen und bestehende Schulden zu tilgen -durch seine unvermeidbaren Eigenschaften kann es bereits am nächsten Tag zu einer ernsthaften Geldknappheit kommen. Für denjenigen, der Gold hat, ist es ein optimales Zahlungsmittel, denn es dürfte sich kaum ein Zahlungsempfänger beschweren, wenn er metallisches Gold bekommt. Wehe denen aber, die durch den Verkauf ihrer Produkte Goldmünzen einnehmen wollen!

5. Verrechnungsgeld ist immer Kreditgeld. Es setzt die Definition des Währungsgutes voraus, sein Nennwert wird in Einheiten des Währungsgutes ausgedrückt. Seit Kaiser Diokletian meinen nun schon die Gesetzgeber, wenn auf einem Schuldschein etwas von Gold steht, muß der Schuldner eben Goldmünzen auftreiben - ist ja sein Problem ... Richtiges Verrechnungsgeld verspricht nur, daß es der Schuldner (am besten Anbieter von Gütern und Leistungen des täglichen Bedarfs) WIE Währungsgut an seinen Kassen annimmt, wenn ihm jemand etwas abkauft. Das funktioniert aber nur, wenn Zahlungsempfänger (incl. Lohnarbeiter) nur einen Rechtsanspruch auf Zahlung in Verrechnungsgeld haben, d.h. sie können einzelne Verrechnungsscheine oder Guthaben ablehnen (zum Beispiel weil sie den Emittenten persönlich nicht leiden können), sie können dann aber vom Zahlungspflichtigen nur anderes Verrechnungsgeld fordern, nicht aber Währungsgeld. Erst unter Beachtung dieses elementaren und bisher unerkannten Menschenrechts ist es möglich, Verrechnungsgeld mit einer Laufzeitbegrenzung von etwa 3 Monaten und einem regional begrenzten Schuldner- und Akzeptantenkreis in Umlauf zu bringen. Innerhalb dieser Zeit und Region kann das Verrechnungsgeld bei richtiger Emissionstechnik parallel und wertgleich mit dem Währungsgeld umlaufen. An anderen Orten bekommt man vielleicht nur 99 Gramm metallisches Gold für einen Verrechnungsschein über 100 Gramm Gold, und die Ladengeschäfte nehmen es dort wahrscheinlich auch nur wie 99 Gramm - wenn überhaupt. Deshalb wird Verrechnungsgeld immer wieder in das wirtschaftliche Umfeld des emittierenden Schuldners zurückkehren, ihm helfen sein Produkt abzusetzen und sich wieder zu entschulden. Zusammenfassend: Währungsgeld und Verrechnungsgeld sind in gewissem Sinn das Gegenteil voneinander und sie erfüllen getrennt zwei sehr verschiedene Aufgaben so optimal, wie es ein einheitliches Geld nie könnte.

Siegfried H. Schwenke, Berlin, 1986

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