Übersetzung aus dem Amerikanischen: N.N., März 1989
Ein Blick auf die neuere Geschichte der Geldpolitik weckt jedoch Zweifel an der Notwendigkeit, Effizienz oder Unvermeidbarkeit zentralisierter Geldkontrolle. Die Leistungen des staatlichen Währungsmanagements sind in den letzten zwei Jahrzehnten stets jämmerlich gewesen. Die Devisenkurse haben wild fluktuiert, die Zentralbankpolitik hatte keine klare Richtung und die Inflation ist nicht verschwunden, wenn sie auch jetzt geringer als vor ein paar Jahren ist. Die Unvorhersagbarkeit staatlicher Geldpolitik hat eine enorme Expansion spekulativer Finanzmärkte bewirkt, z.B. bei Goldtermingeschäften, Fremdwährungen und internationalen Bankverleihungen (Eurodollars). Diese Märkte, welche neue Möglichkeiten finanzieller Risikoverteilung bieten, sind oft für staatliche Vorschriften unerreichbar. So müssen Zentralbanken dabei zusehen, wie sich ihre Kontrolle über die Geldpolitik schnell vermindert; Finanzmärkte besitzen so viel Wucht, daß es für Zentralbanken das beste sein könnte, ihnen aus dem Weg zu gehen.
Die Folge war, daß manche Ökonomen begannen, das erworbene Wissen über die angebliche Notwendigkeit staatlicher Geldkontrolle zu überprüfen. Dies führte zu dem gegenwärtig weltweiten Trend der Deregulierung von Finanzdienstleistungen. Die weitestgehende Annäherung an die Deregulierung des Geldwesens ist als Bankfreiheit (free banking) bekannt; diese behauptet, daß staatliche Kontrolle - alles andere als wünschenswert - ein ansonsten reibungslos funktionierendes Geldsystem destabilisiert. Die Befürworter der Bankfreiheit fordern die Abschaffung von Zentralbanken und die Zulassung konkurrierender privater Produzenten zur Geldemission. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit avancierte die Bankfreiheit von einem Begriff, der noch vor wenigen Jahren nicht einmal Geldtheorieexperten bekannt war, durch die Gutheißung zweier Nobelpreisökonomen zu einem Thema, dem schließlich auch die Wirtschaftspresse Aufmerksamkeit schenkte (siehe z.B. Peter Brimelow's exzellenten Artikel "Do you want to be paid in Rockefellers? In Wristons? Or How about a Hayek?" in Forbes vom 30. Mai 1988).
Trotz ihres radikal klingenden Charakters ist die Bankfreiheit kein unpraktisches und unerprobtes theoretisches Ideal. Viele Länder hatten früher Bankfreiheitssysteme. Tatsächlich hat das System der Bankfreiheit mit dem der Zentralbank viele Merkmale gemeinsam. In beiden Systemen vereinigen Banken kleine und oft sprunghafte Sparvorgänge von Individuen in große Massen, deren Gesamtsummen ziemlich vorherbestimmbar sind. Je größer die Anzahl der Sparer ist, welche Einlagen bei der Bank besitzen (bzw. Noten, falls die Bank eigene emittiert), desto kleiner ist statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, daß viele von ihnen gleichzeitig zu sparen aufhören. Das ermöglicht es der Bank, das meiste der ihr anvertrauten Ersparnisse zu verleihen und einen kleinen Betrag an Reserven abrufbereit zurückzubehalten - in manchen belegten Fällen weniger als ein Prozent -, der noch hoch genug für die Erfüllung der Forderungen von Einlegern ist, welche nicht mehr sparen wollen. Wenn Bankeinleger mehr Darlehen an Darlehensnehmer finanzieren, können die Banken das Verhältnis Reserven/Einlagen verringern. Wollen die Einleger ihren Sparbetrag senken, müssen die Banken die Darlehen beschränken, was sie gewöhnlich durch die Erhöhung der Darlehenszinsen erreichen. Dies treibt das "Reservenverhältnis" in die Höhe und stellt sicher, daß die Banken weiterhin den Einlösungsforderungen nachkommen können und ein Bankrott verhindert wird. Die Bankfreiheit unterscheidet sich vom Zentralbanksystem durch die Art, wie die Banken Reservehaltung betreiben. In einem System der Bankfreiheit hält jede Bank ihre eigenen Reserven, in der Vergangenheit meistens Gold. In einem Zentralbanksystem dagegen halten Geschäftsbanken wie z.B. die Chase Manhattan oder Wells Fargo von der vom Staat privilegierten Zentralbank emittierte Noten oder Einlagen, wobei die Zentralbank die Goldreserven für das ganze System hält (wenn das betreffende Land den Goldstandard hat) oder das alleinige Recht auf Schaffung neuer Reserven besitzt (wenn das betreffende Land einen "Papiergeldstandard" hat). Befürworter der Bankfreiheit glauben, daß die Zwangszentralisation der Reserven eine gesunde wettbewerbliche Kontrolle gegen die Inflation vermindert. Anhänger des Zentralbanksystems glauben, daß es die Macht des Staates vergrößert, seine wohlwollende Kontrolle über die Wirtschaft auszuüben.
Erst jetzt wird sichtbar, wie weit die Bankfreiheit schon verbreitet war und wie gut sie sich bewährte. Die verschiedensten Länder wie z.B. Schweden, China, Kanada, Australien und Südafrika hatten alle reibungslos funktionierende Bankfreiheitssysteme. Als man später Zentralbanken einrichtete, wurde die Bankfreiheit auf die Müllhalde antiquierter Ideen geworfen. Argumente aus der ökonomischen Theorie wurden später zur Rechtfertigung von Vorkehrungen erfunden, welche aus rein politischer Nützlichkeit getroffen wurden. Sobald aber das Zentralbanksystem Teil der orthodoxen Wirtschaftstheorie geworden war, interpretierten die Wirtschaftshistoriker die Geschichte der Banken im Licht jener Perspektive. Die geschichtlichen Fakten sind selten eindeutig genug, um nicht von Annahmen und Spekulationen der Historiker begleitet zu werden, so daß Episoden der Bankfreiheit als chaotische frühe Stufen einer natürlichen Evolution hin zum Zentralbanksystem angesehen wurden.
Über die Geschichte der Bankfreiheit wurde so wenig geforscht, daß die beste allgemeine Quelle immer noch Charles A. Conant's History of Modern Banks of Issue (6. Auflage, New York: Augustus M. Kelley, 1969 [Reprint von 1927]) ist. Conant ist bei der Unterscheidung der Funktionsweise von Bankfreiheits- und Zentralbanksystem ungenau, deswegen muß man häufig zwischen den Zeilen lesen, um die Fälle von Bankfreiheit zu entdecken.
Was einzelne Länder betrifft, so wurde die schottische Bankfreiheitsepoche am meisten bearbeitet; sie war die älteste und längste von allen. Interessanterweise war das schottische Bankwesen anfangs monopolisiert; Wettbewerb war eine spätere Entwicklung. Der 1695 gegründeten Bank of Scotland wurde vom britischen Parlament ein 21-jähriges Notenemissionsmonopol für Schottland verliehen. Zum Ende dieser Periode ließ das Parlament das Monopol verfallen, weil es die Bankdirektoren hochverräterischer politischer Tendenzen verdächtigte. Die Bank protestierte nicht viel, offensichtlich mit dem Gedanken, daß keine andere Firma ins Geschäft käme. Als die rivalisierende Royal Bank of Scotland 1727 gegründet wurde, versuchte die alte Bank zuerst, ihre parlamentarische Zulassung zu verhindern, dann, sie aus dem Geschäft zu drängen, und schließlich, mit ihr zu fusionieren, war aber jedesmal erfolglos. Bald tauchten andere Banken auf. Die meisten arbeiteten ohne Konzession, d.h., daß Aktienbesitzer im Fall des Mißerfolges eine unbeschränkte Haftung für die Schulden ihrer Bank hatten. Das System war so stabil, daß die unbeschränkte Haftung (welche zu dieser Zeit auch in den meisten anderen Wirtschaftsbereichen die Regel war) nicht nennenswert vom Aktienbesitz abschreckte. Um 1750 gab es 14 Banken, um 1800 etwa 20.
Während Schottland das erste Bankfreiheitssystem entwickelte, schuf England das paradigmatische Zentralbanksystem. Der kurz vor der Bank of Scotland gegründeten Bank of England wurden als Gegenleistung für ein Darlehen an den britischen Staat gewisse Monopol-Privilegien gegeben. Nachdem die Bank weitere Darlehen gegeben hatte, wurden die Privilegien in den späteren Jahren ausgeweitet. In einem Umkreis von 65 Meilen um London war die Bank of England die einzige Bank, welche Noten emittieren durfte und sie war die einzige notenemittierende Bank in ganz England und Wales, welche mehr als 6 Partner haben durfte. Die Bankenpanik von 1825, welche viele der kleinen notenemittierenden Banken pleite gehen ließ, legte die Erkenntnis nahe, die 6-Partner-Regel abzuschaffen, um die Bildung größerer, stärkerer Banken zu fördern.
Eine energische Debatte entstand aus der Frage, ob die Panik von der Bank of England, von den anderen Notenbanken (inkl. den schottischen) oder von beiden verursacht worden war. Diese Kontroverse, welche 20 Jahre lang dauerte, erhob Fragen, mit welchen die Geldtheoretiker seitdem ringen. Rückblickend können die Teilnehmer an der Debatte in 3 Gruppen eingeteilt werden, obwohl damals die Grenze zwischen ihnen nicht immer so klar war. Die Schule der Bankfreiheit bestand aus schottischen Bankiers, welche ihrem System mit Leidenschaft zugetan waren, sowie englischen Bankiers und Ökonomen, die Gegner der Monopolprivilegien für die Bank of England waren. Die Schuld für die Panik von 1825 und andere in späteren Jahrzehnten wies sie allein der Bank of England zu. Ihr Hauptgegner war die "Currency-Schule", die sich aus Beamten der Bank of England und einigen prominenten Ökonomen und Politikern zusammensetzte. Die Currency-Schule wies die Schuld an der Panik allen Banken zu, indem sie behauptete, eine nicht regulierte Notenemission wäre in sich zersetzend. Sie trachtete nach einer Regulation der Notenausgabe, wobei sie glaubte, sie am besten durch die Zentralisierung jeder britischen Notenausgabe bei der Bank of England erreichen zu können. Die dritte Gruppe, die "Banking-Schule", hauptsächlich aus Ökonomen bestehend, behauptete -wenig überzeugend-, keine Bank hätte die Schuld an der Panik, und kümmerte sich nicht viel darum, ob die Notenausgabe zentralisiert werden sollte oder nicht. Die wichtigsten Berichte über die britische monetäre Kontroverse finden sich in Lloyd Mints, A History of Banking Theory (Chicago: University of Chicago Press, 1945); Frank W. Fetter, Development of the British Monetary Orthodoxy, 1797-1875 (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1965); Vera C. Smith, The Rationale of Central Banking (London: P.S. King and Son, 1936); und Lawrence H. White, Free Banking in Britain: Theory, Experience and Debate. 1800-1845 (New York: Cambridge University Press, 1984).
Als Beleg für ihre Sache wies die Bankfreiheits-Schule auf die ausgezeichneten Leistungen des schottischen Systems hin. Die Zahl der Bankenzusammenbrüche belief sich auf ungefähr ein Viertel derjenigen in England. Die Verluste für Banknoteninhaber und Einleger betrugen 32.000 Pfund während der gesamten Bankfreiheits-Ära (1727 - 1844), verglichen mit etwa doppelt so viel oder mehr bei Banken allein in der Londoner Gegend während einiger weniger Jahre derselben Periode. Die Anzahl der Bankniederlassungen pro Kopf war in Schottland fast um 50 Prozent höher als in England. Nur schottische Banken zahlten Zinsen auf kleine Einlagen. Ihren Noten wurde solch starkes Vertrauen entgegengebracht, daß sie in Grenzgebieten Englands englischen Noten vorgezogen wurden (White, pp 26, 34, 41, 43, 48).
Obwohl die Bankfreiheitsschule die Geschichte auf ihrer Seite hatte, besaß die Currency Schule einen noch mächtigeren Alliierten: die Regierung von Sir Robert Peel, welche im Bankgesetz von 1844 und 1845 die Doktrin der Currency Schule zum Gesetz machte. Die Gesetze erweiterten das Notenemissionsmonopol der Bank of England auf das ganze Britische Reich und setzten ihrer Notenausgabe eine Höchstgrenze. Die Höchstgrenze mußte in späteren Paniken zeitweilig aufgehoben werden, um einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern. Obwohl in den 1870er Jahren erkannt wurde, daß die Rezepte der Currencyschule die Paniken eher verschlimmerten als verbesserten, wurde nicht einmal daran gedacht, zur Bankfreiheit zurückzukehren. Walter Bagehot, der Vater der Geldpolitik des Zentralbanksystems, meinte, die Bankfreiheit wäre das wünschenswertere System, glaubte aber, es sei politisch unmöglich, es wiederherzustellen und ersann seine politischen Empfehlungen als nur zweitbeste Lösung. In 'Lombard Street: A Description of the Money Market' (1873; New York: Arno Press, 1979, S. 328-329) betonte er,
"das natürliche Bankensystem ist dasjenige, in welchem viele Banken ihre eigene Barreserve halten mit der Strafe des Bankrotts vor Augen, wenn sie sie vernachlässigen. Ich habe gezeigt, daß unser System das einer einzigen Bank ist, welche die gesamten Reserven ohne die wirksame Strafe des Bankrotts hält. Und dennoch schlage ich vor, es beizubehalten, und nur zu versuchen, es auszubessern und zu lindern. Ich kann nur antworten, daß ich die Beibehaltung dieses Systems vorschlage, weil ich ziemlich sicher bin, daß der Vorschlag, es zu verändern, zwecklos ist... Genausogut oder noch besser könnte versucht werden, die englische Monarchie zu verändern und sie durch eine Republik zu ersetzen, als die gegenwärtige Verfassung des englischen Geldmarktes auf der Grundlage der Bank of England zu verändern..." Geldtheoretiker nach Bagehot ließen sich von ihm in ihren Empfehlungen für die Zentralbankpolitik anleiten, ignorierten aber die Implikation seiner Aussage, daß es Ländern ohne Zentralbank besser ginge.
Die Unabhängigkeit vom englischen Gesetz, welche das schottische Banksystem für einige Zeit genoß, charakterisierte auch die britischen Kolonien. Unabhängig gesinnte Kolonien erteilten ihre eigenen Bankverfassungen: Kanada, Australien, Südafrika und Neuseeland hatten allesamt Bankfreiheitssysteme, welche von lokalen Banken dominiert wurden. Andere Kolonien (außer Indien, wo es eine staatlich monopolisierte Notenemission gab) hatten Bankfreiheitssysteme auf der Grundlage von britischen "Überseebanken", welche mit britischem Kapital gegründet worden waren und in London Zentralen hatten, deren Zweigstellen sich aber alle im Ausland befanden. Die Leistungen dieser Systeme waren im allgemeinen recht gut. Viele der Angestellten und Manager der Banken in den Kolonien kamen aus Schottland.
Schließlich führte der Wunsch der Regierungen, ihre Ausgaben nach Belieben durch Gelddrucken zu finanzieren, zur staatlichen Kontrolle des Geldangebots und letztendlich zur Gründung der Zentralbanken. Kanada und Neuseeland, die letzten wichtigen Standhalter unter den Commonwealthnationen, griffen zu zentralbanksystemartigen Maßregeln, als sie in den I. Weltkrieg eintraten, obwohl sie formal bis Mitte der 1930er Jahre keine Zentralbanken einrichteten. Die Umwandlung dieser Systeme von der Bankfreiheit zur Zentralbank zeitigte keine großen Debatten, wie es etwa in England geschehen war; tatsächlich fanden in keinem Land, so weit wir im Moment wissen, irgendwelche wichtigen geldtheoretischen Diskussionen statt. Das Zentralbanksystem war zu dieser Zeit konventionelle Weisheit geworden.
Bankfreiheit war in Teilen des britischen Weltreichs am langlebigsten, unbeschränktesten und am weitesten fortgeschritten, kam für jeweils kürzere Zeit aber auch in anderen Ländern vor. Zu den Ökonomen, welche jetzt gerade diese Fälle untersuchen, gehören Lars Jonung (Schweden), George Selgin (Südchina), Philippe Nataf (Frankreich), Donald Wells (Kanada) und Karen Palasek (Nord-Ost-USA). Es gibt noch viel zu tun; Untersuchungen über Perioden im Fernen Osten und Lateinamerika wären besonders willkommen. Der logische Ausgangspunkt für die Forschung sind natürlich Geschichtswerke des Bankwesens, obwohl sie gewöhnlich der Bankfreiheit wenig Aufmerksamkeit widmen. Numismatische Kataloge (z.B. Albert Pick's Standard Catalog of World Paper Money [Iola, Wis.: Krause Publications, 1986]) und numismatische Journale enthalten oft Informationen über Notenemissionsbanken, die sonst nirgends gefunden werden können.
Von Anfang an waren die amerikanischen Banken durch Vorschriften behindert. Der First und Second Bank of the United States wurden Privilegien gegeben, welche garantierten, daß die Bundesregierung keine andere bundesweite Bank mehr zulassen werde. Nachdem die Anhänger Jacksons die antimonopolistische Stimmung zur Auflösung der Second Bank nutzten, fragmentierte das amerikanische System auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten. Manche von ihnen verboten das gesamte Bankwesen; andere erzwangen für eine Bankzulassung große Zahlungen. Am wenigsten beschwerliche Restriktionen und am wenigsten Bankrotte gab es in Neu-England und gewissen Südstaaten einschließlich Louisiana und Virginia (einen skeptischen Blick auf das Bankfreiheitssystem Neu-Englands bietet Donald J. Mullineaux, "Competitive Monies and the Suffolk Bank System: A Contractual Perspective", Southern Economic Journal, April 1987).
New York, Michigan und viele andere Bundesstaaten experimentierten mit einem Bond-Deposit Bankwesen, in welchem die den Banken erlaubte Notenemission von der Menge der Staatsobligationen abhing, die sie besaßen. Leider wurde diese restriktive Einrichtung unter dem Namen "Bankfreiheit" bekannt, weil sie freier war als das System spezieller Privilegien, welches in New York davor praktiziert worden war; dort war es für zukünftige Bankiers oft notwendig gewesen, Parlamentarier wegen einer Bankzulassung zu bestechen. Aber obwohl es viel leichter wurde, eine Zulassung zu bekommen, erzwang das Bond-Deposit-System Vorschriften, welche unter dem alten System nicht existiert hatten. Neben den Beschränkungen der Notenemission, welchen die Notenemissionsbanken unterlagen, war ihnen die Gründung von Filialen untersagt. Das beraubte sie der Gelegenheit zur breiten Streuung ihrer Darlehen und damit zur Verringerung des Risikos bei Zahlungsausfall größerer Schuldner. Die westlichen Bond-Deposit Banken hatten bei Autoren dieser Zeit einen schlechten Ruf, von daher stammt das Märchen vom "Wildcat" (d.h. Schwindelunternehmen)-Bankwesen. Kürzliche Untersuchungen der Bond-Deposit Banken deckten auf, daß dies zum großen Teil unberechtigt war. (Siehe The Free Banking Era: A Re-Examination by Hugh Rockoff [New York: Arno Press, 1975]; die folgenden Artikel von Arthur J. Rolnick und Warren E. Weber: "New Evidence on the Free Banking Era", American Economic Review, December 1983, "The Causes of Free Bank Failures: A Detailed Examination", Journal of Monetary Economics; November 1984, "Inherent Instability in Banking: The Free Banking Experience", Cato Journal, Winter 1986, und "On the Economics of Private Money" by Robert G. King, Journal of Monetary Economics, May 1983).
Das Bond-Deposit-Bankwesen stattete die Regierung mit einem großen Bondmarkt aus, und es funktionierte im Vergleich zu anderen, noch reglementierteren Systemen so gut, daß die Unionsregierung es während des Bürgerkriegs auf nationaler Ebene übernahm. Als das 19. Jahrhundert zu Ende ging, wurde es offensichtlich, daß die Bond-Deposit- Notenemissionsbeschränkungen Notenknappheit und finanzielle Instabilität verursachten. Als die Menschen bemerkten, daß Banknoten knapp wurden, horteten sie sie, was die Ursache für das gänzliche Verschwinden der Noten aus dem Umlauf war. Der Handel wäre vollständig zum Erliegen gekommen, wären nicht Privatbank-Clearing-House-Vereinigungen mit vorläufigem Behelfsgeld eingesprungen. Die Zahlungsmittelkrisen von 1893 und 1907 waren besonders schwer und führten zu dem Druck, das Bankensystem zu reformieren. (Das klassische Werk über die Zahlungsmittelkrisen ist Oliver M. W. Sprague's History of Crises under the National Bank Banking System [1910; Fairfield, N.J.: Augustus M. Kelley, 1977]; über Clearinghouses siehe Richard Timberlake, "The Central Banking Role of Clearing House Associations", Journal of Money, Credit and Banking, May 1984, und Gary Gorton, "Clearinghouses and the Origin of Central Banking in the United States", Journal of Economic History, June 1985).
Kanadas Bankfreiheitssystem erlebte nicht die Notenknappheiten, unter denen die USA litten. Obwohl einige Autoren eine Deregulierung des amerikanischen Systems nach kanadischem Muster befürworteten, gewann dennoch das Zentralbanksystem die Oberhand, weil es in wichtigen Bankierskreisen weit mehr Unterstützung fand. Handelsbanken wurden der Federal Reserve unterstellt, welche ab 1914 der alleinige Notenemittent wurde. Die Fed eliminierte Notenknappheitsprobleme, aber erzeugte auch das vorher nicht existente Problem der Inflation. Darüber hinaus war die Gründung außerbundesstaatlicher Filialen immer noch verboten; das resultierende Netzwerk kleiner, schwacher Banken war unfähig, dem Streß der großen Depression standzuhalten. Im Gegensatz dazu machte in Kanada keine Bank pleite; dort war die landesweite Gründung von Filialen gang und gäbe. Eugene Nelson White's "Regulation and Reform of the American Banking System, 1900-1929" (Princeton: Princeton University Press, 1983) und "A Reinterpretation of the Banking Crisis of 1930", Journal of Economic History, March 1984 analysieren die Mängel des amerikanischen Systems.
Die amerikanischen Diskussionen über Bankfreiheit in der Mitte des 19. Jh. waren denen in England, Frankreich und Deutschland weit unterlegen. Gegen Ende des Jahrhunderts produzierten die Ökonomen des Sound Currency Comittee des New Yorker Reformclubs einige wertvolle Schriften im "Sound Currency"-Magazin (veröffentlicht zwischen 1891 und 1905 und in vielen alten großen Universitätsbibliotheken erhältlich). Horace White, Charles Conant und L. Carroll Root waren die herausragenden Mitglieder der Gruppe. Wie die theoretischen Debatten des 19. Jh. in anderen Ländern sind die in den USA geführten heute hauptsächlich wegen ihres Platzes in der Geschichte wirtschaftlichen Denkens interessant. Mit dem Wiederaufleben des Interesses an der Bankfreiheit in den 1980er Jahren sind ihre wichtigsten Einsichten neu formuliert und mit den großen Fortschritten in anderen Gebieten ökonomischer Theorie, welche es in der Zwischenzeit gab, vereinigt worden.
Das einzige Werk von Bedeutung, das zwischen der Jahrhundertwende und den 1970er Jahren erschien und die Verdienste der Bankfreiheit untersuchte, war "The Rationale of Central Banking" von Vera C. Smith (London: P.S. King and Son, 1936). Smith war eine Schülerin von Friedrich A. Hayek, und dieses wunderbare Buch war ihre Dissertation. (Später heiratete sie auch einen von Hayeks Schülern, Friedrich Lutz, der wie sie ein engagierter Geldtheoretiker war.) Bedauerlicherweise ist es in seiner Gesamtheit nie wieder aufgelegt worden und sehr schwer zu finden.
Smith untersucht die theoretischen Debatten und die Geschichte der Bankfreiheit in England, Frankreich, Deutschland und den USA. Sie zeigt, daß bei der Entwicklung zur Zentralbank "in den meisten Ländern eine Kombination aus politischen Motiven und historischem Zufall eine viel wichtigere Rolle als irgendwelche gut überlegten ökonomischen Prinzipien spielten" (Seite 2). Aber ihr größtes Verdienst ist die Analyse des Unterschieds der Kreditexpansion unter den beiden Systemen. Die Erfahrungen des I. Weltkriegs und die Nachkriegszeit hatten es offensichtlich gemacht, daß das Zentralbanksystem zu einer Form des legalisierten Staatsbankrotts führen konnte, weil Zentralbanken bereit waren, ihre Macht der Inflation zur Finanzierung der Staatsdefizite zu gebrauchen.
Neben solchen in der Öffentlichkeit anerkannten Argumenten bringt Smith auch Knut Wicksells Theorie des natürlichen Zinses vor. Um die Jahrhundertwende hatte Wicksell argumentiert, daß es einen natürlichen Zins gebe, welcher vom Ausmaß der Vorliebe der Konsumenten für gegenwärtige Güter über zukünftige Güter bestimmt werde. Versuche, den Marktzins vom natürlichen Zins abweichen zu lassen, könnten nicht von Dauer sein, weil Gewinn- und Verlustsignale die zwei Zinsraten auf eine Höhe zurückbringen würden. Die Idee eines natürlichen Zinses fand schnell Verbreitung und dominierte schon in den 1920er Jahren die geldtheoretische Diskussion. Hayek behauptete, daß die Inflation den Marktzins unter den natürlichen Zins fallen ließe, und so zum Investieren in Projekte ansporne, welche liquidiert werden müssen, weil sie, wenn der Marktzins wieder auf die "natürliche" Höhe ansteigt, keinen Gewinn abwerfen. Das, so argumentierte er, ist die Ursache der Konjunkturzyklen. (Siehe F. A. Hayek, Monetary Theory and the Trade Cycles [1937; Clifton N. J.: Augustus M. Kelley, 1975]). Smith benutzt Hayeks Theorie in ihrer Diskussion von Auswirkungen der Reservenzentralisierung. Sie weist darauf hin, daß eine erzwungene Zentralisierung das Band zwischen Reserven und Verbindlichkeiten lockerer macht als in einem Bankfreiheitssystem und sich die Zentralbank viel größere Spielräume leistet, um die Zinsen unter den natürlichen Stand zu senken, welcher von der Sparbereitschaft des Volkes bestimmt wird. Daher können Zentralbanken Konjunktur-schwankungen erzeugen oder zumindest verschlimmern.
Smiths Buch erhielt wenig Aufmerksamkeit, weil es zu einer Zeit erschien, in welcher Laisser-Faire in Mißkredit stand. Obwohl sie sich mit dem inflationären Potential des Zentralbanksystems beschäftigte, schwieg sie über dessen ebenso schädliches deflationäres Potential. Während der Großen Depression schien die Inflation kaum ein dringendes Problem zu sein: geldliche Expansion war die Devise des Tages, und es schien, die "Sound Money"-Sache, Teil der Bankfreiheitsposition, würde Deflation verursachen. Genauso wie andere Ökonomen, die von Wicksells Hypothese des natürlichen Zinses beeinflußt waren, widmete sie ihre Aufmerksamkeit ausschließlich der Inflation, anstatt sie lediglich als nur eine von mehreren monetären Erkrankungen zu betrachten, welche unter dem Zentralbankregime möglich sind.
Erwähnt werden sollte auch Ludwig von Mises Abhandlung der Bankfreiheit in "Human Action" (3. rev. Ausgabe, Chicago: Henry Regnery, 1966; die erste Ausgabe erschien 1949). Mises berührt das Thema nur kurz (S. 444 - 448) und seine Position ist zweideutig. Obwohl er offenen Zugang zum Bankengeschäft und ein uneingeschränktes Notenemissionsrecht befürwortet, glaubt er, alle Banken, außer jenen, welche ihre Noten zu 100 % mit Reserven abdeckten (er hat Gold oder Silber im Sinn), würden durch die Forderungen der Notenbesitzer auf Noteneinlösung aus dem Geschäft gedrängt. Es gibt jedoch keinen historischen Anhaltspunkt, der Mises' Behauptung unterstützen würde; die oben erwähnten Bankfreiheitssysteme hatten geringe Reservequoten im Bereich von ein paar Prozent der gesamten Verbindlichkeiten, und dennoch erfüllten sie ihre rechtlichen Verpflichtungen, Einlagen und Banknoten auf Verlangen einzulösen. Wenn das "fractional reserve" (fraktionierte Reserven-) Bankwesen so gefährlich wäre, könnten Banken keine zinsbringenden Sichteinlagen anbieten, weil Einlagen nach demselben Prinzip wie früher wettbewerbsmäßige Notenemission funktionieren: Banken können gewöhnlich darauf zählen, daß die Gesamtheit ihrer Kunden einen großen und ziemlich konstanten Betrag als Einlagen beläßt, was den Banken ermöglicht, sie an Kreditnehmer weiterzuverleihen, und nur einen kleinen Teil Reserven für den Fall der Abhebung bereitzuhalten. Mises' Schüler Murray Rothbard hat zu dem ökonomischen Argument der hundertprozentigen Reservehaltung der Banken ein moralisches hinzugefügt, welches behauptet, eine nur fraktionelle Reservehaltung sei betrügerisch (siehe "The Case for a 100 Percent Gold Dollar" in Leland B. Yeager, ed., In Search of a Monetary Constitution [Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1962] und "The Myth of Free Banking in Scotland in the Review of Austrian Economics", (2)[Lexington, Mass.: Lexington Books, 1988]).
Das Verdienst, die Debatte über die Notwendigkeit eines Zentralbanksystems wiedereröffnet zu haben, gebührt Benjamin Klein und Friedrich A. Hayek. Kleins Artikel "The Competitive Supply of Money" (Journal of Money Credit and Banking, November 1974) entwickelte eine Analyse des Geldes als ein Gut, welches den Ruf eines Markennamens trägt. Genauso wie die Leute eine bestimmte Zahnpasta kaufen, weil der Produzent ihr Vertrauen gewonnen hat, würden sie das Geld derjenigen Bank benutzen, welche einen Ruf erlangte, dem sie trauten. Klein schloß, daß Argumente, welche versichern, daß der Staat billiger Vertrauen produzieren könne als private Emittenten, oder daß die Geldemission ein natürliches Monopol sei, ein Verbot privater Geldemission nicht rechtfertigen. Jedoch ließ er die Möglichkeit offen, daß eine staatliche Geldkontrolle vom Standpunkt makroökonomischer Stabilität aus gesehen vielleicht wünschenswert sei.
Hayek hatte die Möglichkeit einer wettbewerblichen Geldemission in seinem 1948 erschienenen Buch "Individualism and Economic Order" (Chicago: University of Chicago Press) erwähnt. Mehr darüber veröffentlichte er 1976 in einem Pamphlet, "Choice in Currency: A Way to Stop Inflation", welches später erweitert und umbenannt wurde in "Denationalisation of Money - The Argument Refined" (London: Institute of Economic Affairs, 1978). Während Klein in einer Veröffentlichung für Spezialisten schrieb, zielte Hayek auf ein weites Publikum ab; sein Status als kürzlicher Nobelpreisträger half ihm, dieses zu erreichen. Hayeks Vorschlag, welcher großes Aufsehen erregte, war, daß das Staatsmonopol auf Geldemission abgeschafft werden sollte. Er stellte sich vor, daß private Emittenten dann das Gebiet im Wettbewerb miteinander betreten und das Gewinnstreben sie dazu führen würde, Wertstabilität als ein wichtiges Charakteristikum ihres Produkts anzubieten. Der Staat müßte dann die Inflation stoppen oder aber zusehen, wie die Leute in Privatwährungen flüchten (letztlich wollte Hayek das Staatsgeld gänzlich eliminieren, weil die Versuchung immer gegenwärtig wäre, es mit Zwangskurs zu versehen). Er behauptete auch, daß wettbewerbliche Geldemission auch eine Deflation verhindern und vom Geld verursachte Konjunkturzyklen eliminieren würde. Und, um einen Punkt zu wiederholen, den er während seiner ganzen Karriere hervorgehoben hat: er betonte die Natur des Geldes als eine soziale Institution, welche sich in einer Weise entwickelt, die weder befriedigend vorhergesagt noch von einer zentralen Autorität kontrolliert werden kann. Geld ist fundamental eine Erschaffung der Märkte und wird am besten von den Märkten verwaltet.
Hayek stellte sich ein System konkurrierender Papierwährungen vor, welche in Relation zum Wert von Großhandelswarenpreisen konstant gehalten werden. Zu den Problemen eines solchen Systems zählt, daß es nie erprobt worden ist. Lawrence H. White veröffentlichte in "Free Banking in Britain: Theory, Experience and Debate", 1800-1845 (Cambridge: Cambridge University Press, 1984) eine alternative, mehr historisch fundierte Vision, wie ein System der Bankfreiheit funktionieren könnte. White erklärte, was das schottische System so gut funktionieren ließ; besonders wichtig war seine Beschreibung, wie Clearing Systeme für Noten und Schecks Bankverbindlichkeiten nahe an dem Betrag hielten, welchen das Publikum zu halten wünschte. Das System der Zentralbank, so behauptete er, schwächt die Disziplin des Clearing-Systems, weil eine Monopolbank, die die Reserven eines ganzen Systems hält, nur Verluste (oder Gewinne) erzielt, indem sie viel länger inflationiert (oder deflationiert), als freie Banken mit unabhängiger Reservehaltung es sich leisten können.
White stieß an drei Fronten in neue Gebiete vor. Er war der erste, der die historischen Daten eines wirklichen Bankfreiheitssystems untersuchte. Wesentlich ausführlicher als Vera Smith prüfte er erneut die britischen Gelddebatten, faßte sie zusammen, und extrahierte das meiste dessen, was für die heutige Geldtheorie relevant ist. Schließlich brachte er vor, daß Bankfreiheit nicht unbedingt bedeuten würde, ein unerprobtes System zu erproben, wie bei Hayeks Vorschlag, sondern daß es eine Rückkehr mit kleinen Modifikationen zu einem System sein könnte, welches sich schon als praktisch, sicher und effizient erwiesen hatte. White schlug neue Wege der Forschung vor, von denen einige in einer demnächst erscheinenden Sammlung seiner Aufsätze, "Competition and Currency" (New York: New York University Press), behandelt werden.
An diesem Punkt fand ein erstaunlicher Sinneswandel statt. Milton Friedman, der trotz seiner starken Laisser-Faire-Ansichten bei anderen Themen an die Notwendigkeit einer Zentralbank geglaubt hatte (jedoch einer mit eng an feste Regeln gebundenem Handlungsspielraum), sprach sich für die Bankfreiheit aus. Anscheinend haben die Werke von Vera Smith und White, welche er zitiert und diskutiert, viel mit seinem Sinneswandel zu tun. Friedman befürwortet jetzt ein radikales Programm: "Schafft die Geldschöpfungsmacht der Federal Reserve ab, friert die Qualität des mit hohem Machtpotential ausgestatteten Geldes ein, und dereguliert das Finanzsystem!" ("Monetary Policy: Tactics versus Strategy", in James A. Dorn und Anna J. Schwartz, eds., "The Search for Stable Money" [Chicago: University of Chicago Press, 1987], p. 381; siehe auch "Has Government Any Role in Money?" Journal of Monetary Economics, Jan. 1986 [cowritten with Anna Schwartz]; und "The Ressource Cost of Irredeemable Paper Money", [Journal of Political Economy, June 1986]). Friedman bewirkt bei anderen Monetaristen ein Überdenken ihrer Position und, so glaube ich, wird schließlich viele aus dieser Schule dazu führen, Befürworter der Bankfreiheit zu werden.
Whites Erfolg, die Einsichten der lange übersehenen Geldautoren bei heutigen Themen zum Tragen zu bringen, hat den Weg für eine Neuerforschung eines anderen bisher vernachlässigten Teils der Geldtheorie vorbereitet. Whites Schüler, George A. Selgin, jetzt Professor an der Universität von Hongkong, nimmt sich der Aufgabe in "The Theory of Free Banking: Money Supply under Competitive Note Issue" (Totowa, N. J.: Rowman and Littlefield, 1988) an. Selgin belebt einige Schlüsselideen wieder, welche von Autoren der 1920er und frühen 1930er Jahre wie Hayek, Mises, Dennis Robertson und John G. Koopmans entwickelt wurden, die wiederum als gemeinsame Grundlage Knut Wicksells Theorie des natürlichen Zinses benutzten. Selgin weitet diese Ideen auf die Bankfreiheit aus und verbindet sie in zusammenhängender und kraftvoller Weise. In vieler Hinsicht hat die Mainstreamtheorie Rückschritte gemacht, seit die keynesianische Ökonomie die "Wicksellsche Tradition" überwältigt hat; und daher ist Selgins Werk so niveauvoll wie jedes seriöse Buch.
Der Kern des Buches enthält ein erleuchtendes Verständnis des Verhältnisses zwischen den Reserven einer Bank und ihren Verpflichtungen. Selgin zeigt zuerst, daß die Geldnachfrage eine Nachfrage nach Forderungen an die Bank (Einlagen, und in einem Bankfreiheitssystem mit Emission die Banknoten) ist, so daß die Banken einfach Vermittler des Kredits zwischen Verleihern und Entleihern sind, solange sie "anständig" handeln. Dann stößt er den langegehegten Glauben um, daß die Bankkreditvermittlung in mechanischer Weise an Reserven gebunden ist. Die vorherrschende Theorie behauptet, daß, falls das Reservenverhältnis z.B. 5% der Verbindlichkeiten beträgt, der einzige Weg, wie Bankverbindlichkeiten als Antwort auf größere Nachfrage des Publikums mehr werden können, der Eingang neuer Reservenachschübe ist, und daß dasselbe 5%-Verhältnis irgendwie das Sinken von Bankverbindlichkeiten auf unter das Zwanzigfache der Reserven verhindert. In Wirklichkeit ist das Verhältnis unter einem System ohne vorgeschriebene Reservenerfordernisse höchst variabel und paßt sich harmonisch der Nachfrage nach Geldbesitz an. Also beeinflussen die Reserven die Verbindlichkeiten doch nicht, wenn die Reserven konstant sind.
Indem er diese Erkenntnisse auf eine Analyse des Clearingsystems anwendet, beantwortet Selgin eine Frage, die schon lange die Bankfreiheitstheoretiker beschäftigt hat: können im Einklang handelnde Banken ein Zentralbankensystem imitieren und Inflation betreiben? Er zeigt, daß sie es nicht können, weil für alle eine größere Wahrscheinlichkeit bestünde, Reserven zu verlieren und bankrott zu gehen, selbst wenn das System als Ganzes keine Reserven verliert. Unter dem Zentralbankregime jedoch kontrolliert eine einzige Einheit die gesamten Systemreserven, also arbeitet diese Kontrolle auf einem Level, der von den Einlagen der Konsumenten noch weiter entfernt ist. Diffuses Eigentum an Reserven in der Bankfreiheit gestattet dem Clearingsystem die Erzeugung von Preissignalen (nämlich Reservenverluste oder -gewinne), welche die Banken darüber informieren, ob der Wunsch des Publikums, ihre Verbindlichkeiten zu halten, steigt oder fällt. Zentralbanken, wie anderen Zentralplanungsarten, fehlen solche Informationen; sie begehen daher oft große Fehler und nicht nur kleine, wie sie Unternehmern in einem freien Markt unterlaufen (siehe zu einem ähnlichen Thema Selgins Artikel "Accommodating Change in the Relative Demand for Money: Free Banking versus Central Banking", Cato Journal, Winter 1988). Folglich funktioniert das Zentralbankregime in etwa so gut wie die sowjetische Landwirtschaftsplanung. Diese These wendet das Argument der österreichischen Schule über die inhärenten Schwierigkeiten sozialistischer Wirtschaftsrechnung auf das Bankwesen an. Interessanterweise brachten Mises und Hayek das Argument der sozialistischen Kalkulation zur Blütezeit der Wicksellschen Tradition der Geldtheorie vor, sie verknüpften beides jedoch nie ausdrücklich. Die beste Verteidigung des Zentralbanksystems gegen solche Angriffe wie die von White und Selgin ist Charles A. E. Goodhart's Central Banking: A Natural Development? (London: London School of Economics, 1985).
David Glasner geht in seinem Buch Tomorrow's Money (Cambridge University Press, New York) praxisorientierter an die Bankfreiheit heran und konzentriert sich auf den Einfluß, den die ökonomische Theorie und das tägliche Funktionieren der verschiedenen Geldsysteme aufeinander hatten. Er interpretiert die Geldtheorie seit Adam Smith neu, und zwar im Bezug darauf, wie sie mit der Frage Wettbewerb oder Monopol im Geldwesen umgehen. Da unsere Interpretation früherer Autoren unsere heutigen Gedanken in großem Maße prägt, ist dieser Aspekt von Glasners Buch eine genauso große Provokation der Zentralbanktheorie wie sein anderes Hauptthema, die Erosion der Macht der Zentralbanken durch neuere Entwicklungen im Bankwesen. Er weist auf das Wachstum des Eurodollarmarkts hin, welcher Kredite von über einer Billion Dollar pro Jahr vollkommen außerhalb der USA und jenseits des Einflusses der Federal Reserve bewegt. Ähnliche Märkte sind auch für andere führende Währungen entstanden. Glasner diskutiert auch technologische Fortschritte, welche die Finanzmärkte näher zueinandergebracht haben und die Geschwindigkeit der Kapitalflucht rapide steigern, wenn staatliche Maßnahmen als schädlich angesehen werden.
Die neuen Technologien lockern ohne Zweifel den Zugriff, den die Zentralbanken einmal über die Geldmenge hatten und erschweren ihnen, als Instrumente der Staatsfinanzierung zu dienen, die sie ja sein sollten. Aber die Technologie alleine wird keinen freien Wettbewerb zustandebringen; sie wird nur die Wahlmöglichkeiten zwischen mehr oder weniger minderwertigen Staatswährungen verbessern. Das ist an den Devisenmärkten sichtbar. Versuche von den Zentralbanken, dort die Kurse zu stabilisieren, sind durch das Handelsvolumen zu Fall gebracht worden, so daß in einem begrenzten Maß der freie Markt vorherrscht; aber es ist nicht klar, ob die daraus resultierende Flüchtigkeit den Geschäften zuträglich war, die damit rechnen mußten, daß die Kurse sich jede Woche änderten. Glasner hat einen Anfang gemacht, die gegenwärtigen Veränderungen im internationalen Geldsystem zu verstehen, aber das Gebiet ist immens und entwickelt sich rapide. Es wird für unser Verständnis eine dauerhafte Herausforderung sein.
Ein gerade erschienenes Buch, Kevin Dowd's "The State and the Monetary System" (Philip Allan, Oxford) ist eine Art zusammenfassende Darstellung der Bankfreiheit. Es ist kurz gehalten, aber gut geschrieben, was es zu einer idealen Einführung in dieses Gebiet macht (in dieser Hinsicht verdrängt es Pamela Brown's Artikel "Constitution or Competition? Alternative Views on Monetary Reform", Literature of Liberty, Herbst 1982, der wegen seiner Bibliographie wertvoll bleibt). Dowd, der in England an der University of Sheffield lehrt, entwickelt originelle Gedankengänge über "bankruns" und den Umgang freier Banken damit. Er bestreitet, daß Banken einen "Letzten Verleiher" ("lender of last resort") brauchen, welcher sie in Krisenzeiten freikauft. Da die Notwendigkeit eines "Letzten Verleihers" von der orthodoxen Theorie über ein Jahrhundert lang anerkannt war, wird Dowd's These sicherlich hitzige Reaktionen provozieren, vielleicht mit dem Grundtenor, den Richard Cothren schon vorgegeben hat; er behauptet, daß deregulierte Banken die Tendenz haben werden, unzureichende Reserven zu halten ("Asymmetric Information and Optimal Bank Reserves", Journal of Money, Credit and Banking, Feb. 1987). Dowd nimmt einige Einwände gegen seine Ideen vorweg und beantwortet sie in seinem Artikel "Automatic Stabilizing Mechanism under Free Banking", (Cato Journal, Winter 1988).
Fast jeder der hier vorgestellten Autoren hat fortgeschrittene Ausarbeitungen für eine Geldreform. Alle bevorzugen die Erlaubnis zur privaten Geldemission; sie sind sich uneinig über die wahrscheinlichen Folgen, obwohl sie darin übereinstimmen, daß Marktkräfte den Richter abgeben sollen. Hayek, Glasner und Dowd stellen sich einen Warenkorb-Standard vor; Friedman und Selgin einen eingefrorenen Papiergeld-Standard; White einen Gold-Standard. Örtliche und zeitliche Besonderheiten, an die noch niemand dachte, können sich in allen dreien oder in anderen Standards ergeben. Eine vergleichende Analyse von Standards und eine detaillierte Erklärung, wie der Übergang vom Zentralbanksystem zu jedem einzelnen vonstatten gehen soll, wird dringend gebraucht. Damit sie einen größeren Realitätsbezug erhält, sollte sie an vergangene Erfahrungen mit der Geldreform anknüpfen. Das würde auch die Irrtümer vermeiden helfen, die in früheren Reformen oft begangen wurden. Wenn die Gelegenheit für die Geldreform kommt, wird sie flüchtig sein, und wenn die Bankfreiheitstheoretiker keine gutdurchdachten Vorschläge vorweisen können, hinter denen sie gemeinsam stehen, wird diese Gelegenheit an ihnen vorbeigehen.
Ein anderes Gebiet, welches scharfes Nachdenken erfordert, sind die von der "legal-restrictions" Theorie erhobenen Behauptungen. Diese Sichtweise, welche aus der "rational expectations"-Wirtschaftsschule stammt, behauptet, daß das Geld, so wie wir es kennen, in so hohem Ausmaß eine Erschaffung der Zwangsverwaltung sei, daß eine Abschaffung der Beschränkungen für die Notenemission zu einer Trennung der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel von der Funktion als Recheneinheit führen würde. Banknoten würden dann effektiv niedrig-gestückelte zinstragende Anleihen sein. Die erwähnten Bankfreiheitstheoretiker stimmen mit der Theorie der "legal restrictions" nicht überein, viele andere Ökonomen aber wurden von ihr überzeugt; deswegen wird diese Theorie für das zukünftige Denken über monetäre Deregulation wichtig sein. Die beste Zusammenfassung der Theorie ist ein Artikel einer ihrer Begründer, Neil Wallace, "A Legal Restrictions Theory of the Demand for "Money" and the Role of Monetary Policy", Federal Reserve Bank of Minneapolis Quartery Review, Winter 1983. Zwei Arbeiten, welche die Verbindung zwischen der Theorie und monetärer Deregulation diskutieren, sind Y.C. Jao, "A Libertarian Approach to Monetary Theory and Policy", Hong Kong Economic Papers, 1984 sowie Tyler Cowen und Randall Kroszner, "The Development of the New Monetary Economics", Journal of Political Economy, Juni 1987.
Die Bankfreiheitstheorie in ihrer modernen Inkarnation ist ein junges und weit offenes Gebiet der Forschung. Nahezu alles in ihr bleibt noch zu tun oder zumindest noch besser zu tun. Eine kleine Liste der dringendsten Fragen in dem Gebiet illustriert den weiten Bereich offener Themen:
Sollen die Reserven eines Bankfreiheitssystems als Antwort auf Geldbedarfsänderungen, welche aus dem Bevölkerungswachstum entstehen, wachsen? Wie können die Clearing-Funktionen der Federal Reserve privatisiert werden? Wie sieht die Geschichte vielfältiger Notenemissionssysteme in Italien, Spanien, der Schweiz, Australien, Neuseeland, Argentinien, Bolivien, Honduras, Jamaika, Südafrika oder Korea aus (um nur einige wenig erforschte Beispiele zu nennen)? Wie frei waren solche Systeme im Verlauf ihrer Existenz? Ist es möglich, institutionelle Strukturen zu entwickeln, welche einem Bankfreiheitssystem die beste geldliche "Anpassungsfähigkeit" geben, die als Vorteil von Zentralbanken in Krisenzeiten angeführt wird, ohne deren kapriziöses Inflations- und Deflationspotential? Hatten die ursprünglichen Befürworter des Zentralbankregimes in den verschiedenen Ländern überhaupt auch nur eine leise Ahnung seiner Gefahren?
Wenn die Idee der Bankfreiheit ständig an Ausstrahlungskraft gewinnt, wird sie eine der drei oder vier am breitesten diskutierten Themen der Ökonomie werden. Die Gelehrten, welche jetzt ihre Forschungen darüber beginnen, können daraus Nutzen ziehen und anerkannte Pioniere dieses vielversprechenden Gedankengutes werden, das ein großes Potential für den Fortschritt der Freiheit darstellt.
Kurt Schuler, Dept. of Economics, George Mason University, 4400 University Dr., Fairfax, VA 22030, USA.
Der Autor ist Graduate Student der George Mason University.