BthBriefeZusammenstellung
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Einiges von diesen
Briefen koennte vielleicht auch in “espero” oder “eigentuemlich frei” passen.
Ich besitze das
copyrights und wuerde Abdruck und Kommentare willkommen heissen.
PIOT, John.
Ulrich von
Beckerath 23. 13. 1960
Herrn stud. Phil. Walter
Meyer,
Bremer Strasse 76
Sehr geehrter Herr Meyer,
die Idee der
autonomen Rechtsgemeinschaft ist vielleicht die revolutionaerste,
politisch-soziale Idee, die jemals Menschen gefasst haben.
“Idee” ist hier
eigentlich kein passender Ausdruck, denn sehr viele Jahrtausende lang war die
autonome Rechtsgemeinschaft die politisch-soziale Organisationsform der
Menschheit. Das war, als die Menschheit noch in “Staemmen” organisiert war,
also bevor der Staat die Rolle spielte, die er jetzt spielt.
Dass die alte Organisationsform
nicht etwa eine unvollkommene Vorstufe des Etatismus war, sondern im Gegenteil,
die der menschlichen Natur am meisten angemessene Form, betont Friedrich Engels
in seinem hoechst lesenswerten (aber kaum noch gelesenen) Buch: “Der Ursprung
der Familie, des Privateigentums und des Staates”.
(Von mir zu
haben.) Am Schluss des Buches steht der Satz:
“Die seit Anbruch der Zivilisation
verflossene Zeit is nur ein kleiner Bruchteil der verflossenen Lebenszeit der
Menschheit; nur ein kleiner Bruch der ihr noch bevorstehenden. Die Aufloesung
der Gesellschaft steht drohend vor uns als Abschluss einer geschichtlichen
Laufbahn, deren einziges Endziel der Reichtum ist, denn eine solche Laufbahn
enthaelt die Elemente ihrer eignen Vernichtung. Demokratie in der Verwaltung,
Bruederlichkeit in der Gesellschaft, Gleichheit der Recht, allgemeine Erziehung
werden die naechste hoehere Stufe der Gesellschaft einweihen, zu der Erfahrung,
Vernunft und Wissenschaft stetig hinarbeiten. Sie wird eine Wiederbelebung
sein - - aber in hoeherer Form - - der Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit
der alten Gentes.” (Von Engels gesperrt.)
Fuer Engels und Marx war der Staat, nachdem das Proletariat
ihn erobert hatte, nur ein Mittel, um binnen ganz kurzer Zeit die
Productionsmittel in den Besitz der neu gebildeten Associationen
ueberzuleiten. Das steht mit deutlichen Worten im Kommunistischen Manifest.
(Von mir gleichfalls - - leihweise - - zu haben.)
Noch im Mittelalter war die autonome
Rechtsgemeinschaft keine Phantasiegebilde sondern eine jedermann bekannte
Wirklichkeit. Die Kirche war mehrere Jahrhunderte lang maechtiger als
der Staat, hatte ihre eigenen Gesetze (“Kanonisches Recht”), so dass z.B. die
Priester nicht von den Gerichten des Landesherren verurteilt werden durften.
(Erst jetzt werden
einige von ihnen wegen Sexualverbrechen gegen Kinder zur Rechenschaft gezogen!
– J.Z., 10.9.03.)
Die Ritterorden
waren autonome Rechtsgemeinschaften, und in Frankreich waren lange Zeit die
Tempelherren maechtiger als der Koenig. Erst Philipp IV. Gewann Macht ueber den
Orden. (I. J. 1310 verbrannte er 54 Ritter lebendig.)
In Arabien sind heute noch viele
Beduinenstaemme dem Koenig zwar tributpflichtig, seiner Gesetzgebung aber nicht
unterworfen.
Ich koennte noch viele Beispiele an
fuehren.
Missbraucht werden kann alles, sogar
die autonome Rechtsgemeinschaft. Die Missbraeuche koennen sogar so weit
gehen, dass der Staat als das kleinere Uebel erscheint. Bemerkenswert ist aber,
dass gerade in Deutschland, als das Volk im Mittelalter das Vertrauen zur
Kirche (als Rechtsgemeinschaft), zum Staat und - - nach den vielen Seuchen - -
anscheinend auch zu den uebersinnlichen Maechten verloren hatte, von sich aus
Gruppen von autonomen Rechtsgemeinschaften organisierte, die Vehmegerichte.
Goethe’s Darstellung im “Goetz von Berlichingen” ist so sehr uebertrieben
nicht. Fast gleichzeitig organisierten die Spanier die “Heilige Hermandad”. Die
stellte in kurzer Zeit die Sicherheit auf den Landstrassen her, nachdem die
koenigliche Polizei sich als unfaehig dazu erwiesen hatte.
(Ich vermute, dass
sie von den Strassenraeubern Prozente kriegte, wie noch im 20-sten Jahrhundert
oefters die kaiserliche chinesische Polizei.)
(Verbrecherische
Taten einiger Polizisten und ihre Zusammenarbeit mit Berufsverbrechern kommen
auch heute noch allzuoft vor, auch in Demokratien. – J.Z., 10.9.03.)
In
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Die Aufgabe der Juristen, der
Oekonomisten und anderer Theoretiker wird es sein, waehrend der naechsten
Jahrzehnte Organisationsplaene der autonomen Rechtsgemeinschaften
auszuarbeiten. Bis jetzt hat nur ein Jurist eine solche Arbeit geleistet
und zwar schon vor dem ersten Weltkrieg: Internoscia, ein kanadischer,
in Italien geborener Rechtsanwalt. Er veroeffentlichte ein sofort zu
uebernehmendes BGB in drei Sprachen: Englisch, Franzoesisch, Italienisch. Es
ist ein dicker Band in Grossfolio geworden. Zube besitzt noch ein Expl. Mir ist
eines verbrannt.
(Ich habe es auf
mehreren Mikrofiche verfilmt, bin aber noch nicht dazu gekommen, es auf viel
weniger Mikrofiche noch einmal zu verfilmen. – J.Z., 10.9.03.)
Internoscia dachte
anscheinened hauptsaechlich an den Fall, der jetzt in Afrika eingetreten ist:
Eine Kolonie macht sich unabhaengig und braucht nun von heute auf morgen ein
System guter Gesetze.
(Anderswo hat B.
vorgeschlagen dass Abweichungen von diesem Gesetzwerk erlaubt sein sollten,
vorausgesetzt, dass sie oeffentlich und ganz ausreichend begruendet wuerden. –
J.Z., 10.9.03.)
- - - - - - -
Die autonome Rechtsgemeinschaft ist die einzige
Waffe gegen Kriegshetzerei, Imperialismus, und Aehnliches.
Angenommen, eine Gruppe in der Bundesrepublik fordert:
Sollten totalitaere Staaten einen Krieg anfangen und werden besiegt, so muss
eine Friedensbedingung sein:
Der besiegte Staat
erlaubt den Austritt aus dem Staat, ohne dass die Ausgetretenen gezwungen
werden,
Die Ausgetretenen
aber organisieren sich zu autonomen Rechtsgemeinschaften.
Diese
Gemeinschaften haben in erster Lienie den Zweck, die Menschenrechte aktiv
zu schuetzen und die Regierungen, die etwa eine Mobilmachung zum Zweck eines
Angriffskrieges vorbereiten, sofort mit geeigneten Mitteln unschaedlich zu
machen.
Die Aechtung,
ein uraltes, jetzt vergessenes, aber waehrend der Franzoesichen Revolution
wieder aufgegriffenes Rechtsmittel, wird wieder angewendet werden.
(Am 27. Juli 1794 aechtete
der Nationalkonvent den Robespierre und seinen Anhang. Tausende von Soldaten
und Gendarmen, die bisher zu den Jakobinern gehalten hatten, gingen zum Konvent
ueber, nur auf die Nachricht hin, dass Robespierre und sein Anhang geaechtet
waren. Die Geaechteten wurden aus dem von Verteidigern verlassenen Rathaus
herausgeholt und am naechsten Tage ohne Prozess guillotiniert.
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Man stelle sich vor, dass im November 1918 die
Alliierten proklaemiert haettten: Die deutsche Regierung muss von heute
an den Austritt aus dem Staat erlauben und die Organisierung von autonomen
Rechtsgemeinschaften durch die Ausgetretenen. Die Rechtsgemeinschaften werden
nicht mit Reparationen belasted. Die Alliierten sind auch bereit, mit solchen
Rechtsgemeinschaften, die es wuenschen, Buendnisvertraege abzuschliessen.
Sollten die Gemeinschaften von reaktionaeren Gruppen, z.B. Pan-Germanisten,
angegriffen werden, oder sollten sie gar von der neuen Regierung angegriffen
werden, so werden ihnen die Alliierten auf Wunsch zu Hilfe kommen.
Gewiss ist, weder die Moerderklubs, die z.B.
Liebknecht und Rosa Luxemburg umgebracht haben, den Hauptmann Beerfelde, den
Kapitaen Persius und so viele andere (z.B. Rathenau), haetten sich bilden
koennen ohne gleich ausgerottet zu werden, noch haette ein Nazismus entstehen
koennen.
Einwendung: Die damals bei den Alliierten massgebenden
Leute waren in bezug auf wirklich konstruktives Voelkerrecht so dumm und so
unwissend, dass sie ein Programm, wie es jetzt Zube vertritt, nicht verstanden
haetten. Ohne voraufgegangene Aufklaerung kann das System auch nicht realisiert
werden. Heute muss ess heissen: Die Aufklaerung ist sofort zu
beginnen.
Die Aufklaerung muss ein detailliertes
Friedensprogramm enthalten. (Siehe: www.butterbach.net/exterritorial.net
- J.Z., 10.9.03.)
Was geschieht mit
den Kolchosen? Mit den Sowchosen, mit den sich Produktionsgenossenschaften
nennenden Zwangsarbeits-Organisationen?
Antwort: Alles das
wird nach den Grundsaetzen des Genossenschafts-Sozialismus umgewandelt, die
“Produktionsgenossenschaften” z.B. werden in wirkliche
Produktionsgenossenschaften umgewandelt, bei denen also zunaechst mal das Soll abgeschafft wird.
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Einwand:
Und wenn nun die Feinde ein gleiches Programm fuer Deutschland aufstellen?
Antwort: Wenn die Feinde wirklich
Deutschland besiegen sollten und dann das Programm anwenden, so werden sie nur
erreichen, was die deutsche Regierung laengst versucht hat, zu erreichen, es
aber wegen der bekannten Widerstaende nicht durchgesetzt hat. Wenn dann die
Feinde eine neue (totalitaere) Regierung einsetzen und gleichzeitig die Bildung
autonomer Rechtsgemeinschaften ermoeglichen: Nun - - so saegen sie den Ast ab,
auf dem sie sitzen! Das braucht hier nicht dargelegt zu werden.
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Was die Kriegfuehrung gegen
totalitaere Staaten anlangt, so haben amerikanische Publizisten schon vor
Jahren vorgeschlagen:
Anstatt Bomben auf die Staedte des
Feindes zu werfen, werden die Deutchen die Staedte aus der Luft mit
Lebensmitteln versehen, mit Kleidern, Schuhen und Naegeln, und werden ausserdem
eine Organisation vorbereiten die alles, was bisher auf die Waffenfabrikation
verwendet wurde, auf den Wohnungsbau verwendet.
Flugblaetter mit
Angaben ueber die zu bildenden Baugenossenschaften, werden ueberall verteilt.
Ferner:
Deutschland proklamiert: Gefangene
werden nicht gemacht!! Jeder Gefangene wird mit Reisegeld und Lebensmitteln
etc. versehen, damit er zu seiner Familie zurueckkehren kann.
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Von besonderer Wichtigkeit waere die
Vereidigung der Armeen der freien Welt auf die Menschenrechte, bzw. Auf
denjenigen Teil davon, der anzuwenden waere, wenn z.B. deutsche Truppen
russisches Gebiet besetzten.
Es haette also der
einzelne Soldat zu schwoeren, dass er keinen Befehl vollziehen werde, der gegen
die Menschenrechte gerichtet ist. Er wird sich also weigern, Kriegsgefangene
auf Befehl zu erschiessen, wie es durch Hitler und seine Helfer so oft befohlen
worden ist.
Befehle, welchen
das Prinzip der kollektiven, nationalen Verantwortung oder der “Sippenhaftung”
oder aehnlicher Prinzipien zum Grunde liegt, wird der Soldat ebenfalls nicht
vollziehen; er wird anstatt dessen den Vorgesetzten - - und wenn es der
hoechste waere - - auf die Rechtswidrigkeit aufmerksam machen, und wenn
Kameraden anwesend sind, so werden sie ihn unterstuetzen. Besteht der
Vorgesetzte trotzdem auf seinem Befehl, oder versucht er gar taetlich zu
werden, so verliert er dadurch alle Rechte als deutscher Soldat und ist sofort
von den anwesenden deutschen Soldaten zu verhaften.
In den Instruktionsbuechern werden
moeglichst viel solcher Faelle ausfuehrlichst dargestellt werden.
Wenn ein Soldat die Menschenrechte
der Einwohner besetzten Gebietes verletzt, etwa pluendert, Vergewaltigungen versucht
oder begeht, mutwillige oder
ueberfluessige Zerstoerungen unternimmt, sich Schikanen erlaubt, so ist er
durch Vorgesetzte und Kameraden ebenfalls unschaedlich zu machen.
(In den
Felddienstordnungen aller Armeen der Welt sind seit Jahrhunderten solche
Handlungen verboten; die Menschenrechte schaffen also in dieser Rechtssphaehre
nichts Neues.)
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An jedem ersten Mai ist eine
militaerische Feier zu veranstalten, waehrend welcher die Soldaten und die
Vorgesetzten an ihren Eid erinnert werden. Der im Rang hoechste der anwesenden
Vorgesetzten erklaert den Anwesenden, dass die deutsche Armee die
Menschenrechte sowohl schuetzt wie auch beansprucht.
Dieser Anspruch
tritt an die Stelle des frueheren Anspruchs auf Eroberungen nach erklaerten
Kriegen und das sogenannte Kriegsrecht gegenueber den Einwohnern besetzter
Gebiete.
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In ganz Deutschland werden
Ortsgruppen des
Supranationalen Gemeinwesens
Gebildet, von
denen jede auf die obigen Grundsaetze dieser Vereinigung in jeder ihrer woechentlichen,
oeffentlichen Zusammenkuenfte hinweist.
Ich behalte mir vor, eine
Vervollstaendigung dieser Grundsaetze zur Diskussion zu stellen. Ich kann dabei
an eine hoechst gruendliche und ausfuehrliche Arbeit des Ehepaars Zube
anschliessen. Eine bessere Arbeit auf diesem Gebiet ist meines Wissens noch nie
geliefert worden.
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Ich will jetzt schliessen, sonst
wird dieser Brief zu lang. Ich hoffe, ihn demnaechst fortsetzen zu koennen.
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Meine Gesundheit hat sich zwar ein
wenig gebessert, aber ich werde von haeufigen Muedigkeitsanfaellen geplagt, so
dass ich waehrend einer Diskussion keine gute Rolle spielen wuerde. Ich moechte
daher auch den kommenden Freitag (340. 12. 60) ganz meiner Wiederherstellung
widmen. (Ich verbringe fast meine ganze freie Zeit entweder im Bett oder auf
dem Liegestuhl.)
- - - - --
Einen Durchschlag dieses Briefes
uebersende ich Herrn Elsoffer.
- - - - - -
Mit bestem Gruss
U.
v. Beckerath.
Gez. Bth.
Ulrich von Beckerath
30. 12. 1960
Ihr Brief vom 28.12.60.
Herrn stud. phil. Walter Meyer,
Bremer StraBe 76.
Sehr geehrter Herr Meyer,
vielen Dank fuer die mir freundlichst uebersandten
Broschueren von Lassalle. Ich hoffe, sie Ihnen am Dienstag, den 3. I. 61. zurueckgeben
zu koennen.
Was Lassalle u.a. fehlte, war
1.) die Einsicht,
dass in einer Gesellschaft, in welcher der Absatz das primaere Problem ist,
der Reformer nicht damit beginnen darf, neue Betriebe zu schaffen. Gelingt
die Schaffung neuer Betriebe, so wird damit zunnaechst einmal die Abzatznot vergroessert;
2.) die Einsicht,
dass die Ausschaltung der Unternehmer-Herren-Klasse, die ihre Unfaehigkeit, die
Produktion volkswirtschaftlich zu fuehren, bei jeder Wirtschaftskrise aufs neue
beweist, nur durch Ankauf der Betriebe durch die Belegschaften geschehen kann;
3.) die Einsicht,
das Belegschaften als Zahlungsmittel kein Bargeld verwenden koennen, sondern sie
verfahren
muessen, wie das Unternehmertum verfaehrt, wenn as groessere Betriebe ankauft, es benutzt
naemlich
Obligationen
als Zahlumgsmittel;
4.) die Einsicht,
das das “Einloesungsprinzip” (in Edelmetall, durch den Ausgeber! – J.Z.) ein
durch und durch
falsches unmoralisches und zum wenigstens bei
Wirtschaftkrisen unmoegliches Prinzip ist. Das Bargeld hat
naemlich die Tendenz sich aus dem Verkehr
zurueckzuziehen und gehortet zu werden, wenn die allgemeine
Lage droht, unsicher zu werden und erst
recht, wenn sie wirklich unsicher geworden ist. Dann koennen
Banknoten night mehr in bar eingeloest werden,
Zinsscheine und Obligationen koennen nicht mehr in bar
eingeloest werden
und Wechsel und dergleichen Verpflichtungsscheine auch nicht.
Das Einloesungsprinzip
muss daher in einer kuenftigen Gesellschaft durch das "Gutschein-Prinzip” ersetzt
werden;
(Einloesung in Gueter, Dienstleistungen oder durch Schuldzahlung oder
Verrechnung. – J.Z.)
5.) die allerdings
erst durch Theodor Hertzka (nicht zu verwechseln mit Theodor Herzl) eroeffnete Einsicht,
dass kein
Betrieb, ob Privatbetrieb oder Genossenschaft oder Staatsbetrieb, die Befugnis
haben darf, sich
gegen die Aufnahme
von Arbeitskraeften zu straeuben, so lange noch eine technische Moeglichkeit
besteht,
sie zu beschaeftigen.
(Spaeter schraenkte B. diesen Vorschlag auf Betriebe mit einem natuerlichen
Monopol
ein und
solche Genossenschaften, die das Prinzip der “offenen Genossenschaft”
freiwillig annehmen. – J.Z.)
Louis
Blanc, in seiner "Organisation du travail” hat allerdings schon i. J. 1840
darauf hingewiesen, dass ein
solcher Rechtszustand
eigentlich das volkswirtschaftlich richtige waere, hat aber die volle Bedeutung
des
Prinzips nicht
erkannt und ist daher nicht weiter darauf eingegangen. (Hertzka,
"Freiland" und 'Eine Reise
nach Freiland.").
(An anderer Stelle wies B. darauf hin, dass P. Buchez, wahrscheinlich, die
“offene
Genossenschaft zuerst verlangt hatte. – J.Z.)
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Lassalle starb zur rechten Zeit.
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Das “Arbeiterlesebuch", 4.Aufl., gedruckt 1871, war
noch nicht aufgeschnitten, war also seit 90 Jahren totes Kapital.
Die Seiten 42 bis 47 sind der Finanzierung der
Genossenschafts-Ideen Lassalles’s gewidmet. Ich will keinen langen Kommentar dazu
liefern, aber dass L., obwohl Sohn eines Grosshaendlers und das Wirtschaftsleben
wahrscheinlich kennend, so unrichtige Ideen ueber die moegliche Finanzierung
von Produktivgenossenschaften hatte, das glaubt man erst, wenn man's schwarz auf
weiss vor sich hat.
Von der Arbeit einer Notenbank seiner Zeit verstand er nichts.
(Unter “Bank” verstand man damals immer eine Notenbank.)
Er hielt es fuer ein volkswirtschaftliches “Gesetz”, dass eine
Notenbank mit 100 Millionen Talern Barkapital Noten im Betrage von 400 Mill.
Talern ausgeben
2.
kann. L. wusste nicht, dass es eine willkuerliche Vorschrift
der Regierungen war, zu bestimmen: Ein Viertel der des Betrages der ausstehenden
Noten muss immer durch ein Bar-Kapital (was damals so viel wie “Edelmetall-Muenzen"
besagte) gedeckt sein, damit jeder, der eine Note gegen Edelmetall umtauschen
will, es sofort tun kann. Begruendung: Nur durch diese Moeglichkeit des
sofortigen Umtausches gegen Metallgeld erhalten die Noten im Verkehr ilhren
Wert. Die "Erfahrung" beweist
das; die “Erfahrung" beweist aber auch, dass “nie” mehr als 1/4 des
umlaufenden Notenbetrages zur Einloesung" angefordert wird.
Die wirkliche Erfahrung bewies etwas ganz anderes, kam
aber gegenueber den Vorurteilen von Ministern, Geheimraeten und - - ganz wie
bei uns heute - - von Professoren nicht auf.
Dabei hatten amerikanische und franzoesische Autoren laengst
gezeigt, dass z.B. eine Ladengemeinschaft
von 500 Laeden den Arbeitgebern Lohn-Vorschuesse in Noten der Ladengemeinschaft
geben kann. Hat jeder Laden Gegenstaende taeglichen Bedarfs im Betrage von 1000
Talern da (Hier koennten einige Buchstaben fehlen! – J.Z.) liegen, so kann die
Gemeinschaft Lohnvorschuesse bis zu 500 000 Talern geben. Die Arbeitnehmer muessen
nur verpflichtet werden, alles in den Laeden der Gemeinschaft zu kaufen. Die Arbeitgeber
muessen sich verpflichten die Noten gleichfalls zu pari bis zum Betrage des ungetilgten
Vorschusses anzunehmen. Geschehen die Vorschuesse nur auf kurzeZeit, z.B. 6 Wochen,
so sind alle an dieser Zahlungsgemeinschaft Beteiligten voellig unabhaengig davon,
ob Bargeld umlaeuft oder nicht. Das System funktioniert auch in Wirtschaftskrisen
und zwar um so besser, je toller die Krisis tobt.
Lassalle haette das alles wissen koennen, hat aber die betr.
Literatur offenbar nicht gekannt.
In wie geringem Ausmass L. sozialreformatorisch dachte, das ergibt
sich aus Seite 35, die letzten 5 Zeilen. Da will also L. die Arbeiter-Genossenschaften
konkurrenzfaehig machen gegenueber den Betrieben der Bourgeoisie!! Ja er
will, dass sie oekonomisch ueberlegen sind, d.h., das Geschaeft der Bourgeoisie
an sich reissen. In der Praxis haette das bedeutet: Die Bourgeoisie muss ihre
Arbeitnehmer entlassen!!! Arbeitslosigkeit!!
(Wenn die Genossenschaften wirklich konkurrenzfaehig waeren,
dann waeren die Arbeiter auf sie uebergegangen. Unter voller Geld- und
Finanzfreiheit waere keine Arbeitslosigkeit zu befuerchten gewesen. Aber L.
wollte seinen Genossenschaften Staatsvorteile gewaehren. Die waeren,
natuerlich, abzulehnen. – J.Z., 11.9.03.)
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Wann wollen Sie das Buch von Prof. Friedenthal zurueckhabeon?
(“Die Sonderstellung des Menschen in der Natur.” 11)
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Kant's Kategorienlehre.
Ich bekam vor dem Kriege sehr viel Antiquariatokataloge
zugesandt, darunter auch solche von ganz grossen Antiquariaten, die es heute
nicht mehr gibt. Dicke Kataloge waren ausschliesslich der Philosophie gewidmet.
Da war zu ersehen, dass die Literatur ueber die Kantischen Kategorien so umfangreich
war, dass schwerlich jemals ein einzelner Mensch alles hat lesen koennen. Dazu
kommt noch die Zeitschriften-Literatur, insbesondere die Publikationen der
Kant-Gesellschaft, und die vielen Doktor-Dissertationen.
(Ich las, vor vielen Jahren, irgendwo, dass schon zu
Lebzeiten von Kant ueber 5,000 Schriften ueber Kant und seine Philosophie
erschienen sind. Mehr als 20,000 Buecher kann aber fast keiner lesen, in einem
langen Leben, mit viel Zeit zum Lesen. – J.Z., 11.9.03.)
Ich halte es fuer sehr wahrscheinlich, dass mein Hinweis, Kant’s
Urteilstafel muesse am Sprachgut z.B. asiatischer und afrikanischer Sprachen geprueft
werden, schon von mehreren Autoren gemacht worden ist, die aber entweder
vergessen sind, oder deren Schriften durch den Krieg vernichtet worder sind. Ich
halte meinen "Tip" naemlich fuer naheliegend, so dass leicht mehrere
unabhaengig voneinander darauf kommen koennen.
Ihre, fuer unseere Zeit wahrscheinlich neue Auffassung ist
vielleicht schon von einem heute vergessenen Autor vertreten worden. Versuchen
koennten Sie ja immerhin darueber etwas festzustellen. Wenn eine solche Feststellung
nicht moeglich ist, so sind Sie allerdings auch der Muehe enthoben, sich um die
aeltere Literatur zu bekummern.
3.)
Recht haben Sie wohl darin, dass Kant selbst mit der
Deduktion seiner 12 Kategorien nicht ganz zufrieden war. Es wird ihm nicht
ergangen sein, wie so vielen Autoren, die wenn sie mit der Ausarbeitung des Ergebnisses
ihres Nachdenkens beginnen, meinen alle Daten beisammen zu haben. Waehrend der
Ausarbeitung aber entdecken sie Luecken, die sie vorher nicht bemerkt hatten.
Schopenhauer weist im Band I seines Hauptwerkes, Seite 598,
unten, der Reclam’schen Ausgabe, auf Stellen in der Kr.d.r.V. hin, die wirklich
nicht zueinander passen. Schopenhauer in seiner haemischen Manier beschuldigt
daraufhin Kant der Windbeutelei (Seite 599, erste Zeile), aber meine vorstehend
dargelegte Erklaerung ist gewiss richtiger.
(Sch. beschuldigt Kant, den Satz "Koerper sind krafterfuellte
Raeume” vom Priestley gestohlen ( so sagt er ) zu haben. Ebemso beschuldigt
er Kant des literarischen Diebstahls an Maupertuis. (So drueckt er sich aus.
Vgl. Seinen Briefwechsel.) Was wuerde Sch. erst geredet haben, wenn er die
"Arithmetique morale" des Buffon gelesen haette, aus der uebrigens
wahrscheinlich Maupertuis geschoepft hat. Raum, Zeit und Zahlen erklaert Buffon
fuer Erkenntnisformen!!!!
(Auf B.’s wiederholte Empfehlung dieses Buches von Buffon
habe ich es auch verfilmt, obwohl ich sein Franzoesisch nicht verstehe. – J.Z.)
Aber, wie Kant sagt, zu jeder neuen Lehre kann man Vorlaeufer
finden, die das Neue ebenfalls erkannt hatten, es aber dann beiseite legten,
die Bedeutung ihrer Entdeckung verkennend und nicht weiter verfolgend.)
Da Sie den Band I (Reclam) besitzen, so verzichte ich auf
Zitate.
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Ich kann im Augenblick nicht auf alles eingehen, was Sie ueber
die Kategorien bemerken, weil ich z.Zt. nicht die rechte Konzentration dazu
habe. Ihre Bemerkung aber, dass man wenigstens versuchen sollte, die
Kategorien auch aus der
Einbildungskraft und deren Funktionen abzuleiten, scheint mir recht beachtlich.
Angenommen, es ergaebe sich, dass es nicht geht, uns (Hier hat B. zwei
oder drei Buchstaben eingefuegt, die ich nicht entziffern kann. Wollte er
meinen: “auch nicht”? – J.Z.) herauszufinden, weshalb es nicht geht, so waere
das ein Fortschritt in der Erkenntnistheorie, der aber bei Kant nicht zu finden
ist. Angenommen weiter, es gelaenge, die Kategorien (vielleicht nicht nur 12,
sondern mehr) aus den Funktionen der Einbildungskraft ebenfalls abzuleiten, so
waere auch dies ein wichtiger Fortschritt, der gleichfalls beil Kant nicht zu
finden ist. (Betr. Seite 1 Ihres Briefes, Zeile 9 von unten.)
Ich behalte mir vor, spaeter auf Ihre Ausfuehrungen zurueckzukommen.
(Ich besitze die meisten der Briefe von W. Meyer an B. Aber,
erstens besitze ich nicht das copyright fuer sie, zweitens sind sie meist
handschriftlich und drittens finde ich sie nicht so interessant und so reich an
Ideen und Reformvorschlaegen wie die Briefe von B. Ich ueberlasse es daher
anderen sie zu veroeffentlichen. – J.Z., 11.9.03.)
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Die Ursache, weshalb ich im Auganblick nicht die rechte Konzentration
fuer die Katogorienlehre habe, ist: ich habe einen Brief von Zube bekommen,
worin er eine Tafel der Menschenrechte aufstellt, die - -meiner Meinung nach -
- alles bisher auf diesem Gebiet Geleistete uebertrifft.
(Anm. von J.Z.: Die erste Zusammenstellung dieser Art geschah
durch meine damalige Frau, Erika Zube, mit Hilfe der Briefe und Notizen, die
wir damals von B. hatten, in denen ja viele solcher Anregungen stecken. Dieser
erste Entwurf wurde dann viele Male von mir umgearbeitet, wobei meiner Frau
damals darueber die Geduld ausging, insbesondere, weil sie mir schon am 10. 6.
60 meinen ersten Sohn gegeben hatte und viel mit ihm beschaeftigt war. Wer will
schon seine eigenen Arbeiten von anderen immer wieder ueberarbeitet sehen?
Darueber hinaus hat die “Natur” – die Praxis der Entwicklung der Menschen - dafuer
gesorgt, dass Kleinkinder fuer die Muetter vor allem Vorrang haben, auf Monate, wenn nicht sogar auf Jahre hinaus. Ich
arbeitete viele Ueberstunden und sie hatte, allein, mit schliesslich 3
Kleinkindern, alles Jungen, ihre Haende voll. Kam noch dazu, dass ich in dieser
Zeit mein erstes Buch schrieb, also ihr in meiner geringen Freizeit nicht so
viel half als ich haette tun sollen. Die Schwangerschaften und die Kleinkinder fuehren
zu einer Veraenderung der Interessen und vielleicht auch, wenigstens
voruebergehend, des Charakters der Muetter, fuer laengere Zeit, auf die die
Ehemaenner, so wie ich, oft nicht genuegend vorbereitet sind. Dann kamen noch
zwei andere Soehne, 1961 und 1963 und unsere Hauptinteressen gingen weit
auseinander. So kam es in 1964 zur Trennung kam, obwohl wir fuer Jahre
unzertrennlich zu sein schienen. Wenn sie und ich vorgewarnt gewesen waeren,
ueber diese natuerliche Entwicklung, dann waere unser Ehe vielleicht nicht
zerbrochen. Andererseits, die Trennung gab mir Zeit, Energie und auch mehr Geld
um
Zube bittet
(Was daran gut und neu war waren hauptsaechlich die
Beitraege von B. selbst, in seinen Briefen, Schriftsaetzen und Diskussionen mit
uns und anderen! Er hatte immer die Gewohnheit anderen Kredit zu geben fuer
seine eigenen Ideen und sah uns als seine Adoptivkinder an. Ueber die hat man
natuerlich auch immer guenstige Vorurteile. – J.Z., 11.9.03.)
- - - - - - - -
Mit bestem Gruss
U. v. Beckerath. Gez.: Bth.
Hanschriftliche Notiz von B.: “Brief nicht abgesandt.”
10.
II. 1961. Ihr Brief vom 9. cr.
Herrn Walter Meyer ...
Sehr geehrter Herr Meyer,
ich bin immer noch Rekonvaleszent und kann daher nicht viel
schreiben.
Das von Ihnen gesuchte Grundprinzip, das allen Menschenrechten
zum Grunde liegen koennte, ist:
Der Unterdrueckung der Menschen entgegenwirken!
Das gleiche Grundprinzip waere dann allen Menschenpflichten zugrunde
zu legen.
Der Satz ist sehr allgemein, und es laesst sich daher mit
ihm, so wie er dasteht, nicht viel anfangen. Der Satz ladet aber gewissermassen
von selbst ein, die einzelnen, in der Erfahrung vorkommenden Arten von Unterdrueckung
klarzustellen, gleich den Weg anzugeben, wie der Unterdrueckung entgegengewirkt
werden koennte und hinzuzufuegen:
So zu verfahren ist Menschen-Pflicht, es sei denn, es findet
jemand etwas Besseres.
Bei der Ausarbeitung ist das Schema des Aphtonios
anzuwenden. In meinem “Woerterbuch der philosophischen Grundbegriffe” von Kirchner-Michaelis
ist das Schema unter "Topik" angegeben. (Vielleicht fragen Sie Herrn Elsoffer,
ob das Schema auch in seinem Woerterbuch steht.)
A. forderte,
dass bei jedem Vorhaben folgendes beachtet werde:
1.)
Quis - - wer?
2.)
Quid - - was?
3.)
Ubi - - wo?
4.)
Quibus auziliis - -
wodurch?
5.)
Cur - - warum?
6.)
Quomodo - - wie?
7.)
Quando - - wann?
In den Memoiren des Professors Eberty las ich, dass in den ersten
Dezennien des 19-ten Jahrhunderts das Schema von den Philosophieprofessoren
vorgetragen wurde.
Wenn man versucht, die Arten der Unterdrueckung festzustellen,
so kommt man zunaechst und fast von selbst auf folgende Einteilung:
I.) Unterdrueckung der Person, z.B. durch Sklaverei, Leibeigenschaft,
willkuerliches Verbringen in Gefaengnisse, Folterung, etc. (Ist schon von den 30 Artikeln der UNO vom 10. Dezember 1948
dargelegt.)
II.) Unterdrueckung im Produktionsprozess. Hier sind viele Unterscheidungen
zu machen.
Schon, dass die Erlaubnis zu produzieren von dem Besitz von
Kapital, von Genehmigungen, vom Wohlwollen eines Arbeigebers, etc. abhaengt,
ist eine Unterdrueckung. Der Zugang zum Boden, zum Kapital, zur Moeglichkeit
eigner Kapitelbildumg und zur Moeglichkeit, sich dem Arbeitgebertum durch Bildung
von Produktivgenossenschaften zu entziehen, sollte so leicht sein, wie es
technisch moeglich ist.
Zube verlangt auch (zum ersten Male in der Geschichte der Menschenrechte)
(B. hatte das schon oft zuvor getan! – J.Z.), dass Personen, die mit dem Existenzminimum
zufrieden sind und daher nicht so lange arbeiten wollen, wie es der Normalarbeltstag vorsieht, die Moeglichkeit
dazu erhalten sollen. Personen, denen ihre freie Zeit wertvoll ist, sind nicht selten
sozial besonders wertvoll. Das koennte ein zusaetzliches
Motiv sein, diesens Menschenrecht zu bewilligen.
III.) Unterdrueckung im Verteilungsprozess.
Auch hier sind viele Unterteilungen zu machen. Monopolisierung des Umsatzmittels
(“Geldmonopol”), Monopolisierung der Transportmittel (Staatsbahnen mit
ausbeuterischen Tarifen)
u. dgl.
2.)
IV.) Unterdrueckung im Konsumprozess. HO- Laeden mit
Monopolcharakter, “Konsumlenkung”, von der Regierung auferlegte “austerity",
u. dgl., sind abzulehnen.
V.) Zwangsweise Fuersorge fuer alle Personen durch den
Staat, waehrend durchaus nicht alle dieser Fuersorge beduerfen. Beispiel: Der
Staat versorgt uns im Alter. Private Altersvorsorge ist durch die fortgesetzte
Geldverschlechterung praktisch unmoeglich. Die Versorgung ist auch darnach! (Oestliche
Rentnerversorgung!!!!)
VI.) Befugnis fuer jeden Muendigen, sich autonomen Rechtsgemeineschaften
anzuschliessen oder selbst welche zu gruenden. (Fichte, Herbert Spencer, De
Puydt.) Noch deutlicher ausgedrueckt: Das Recht aus dem Staate auszutreten, wie
man aus der Kirche austreten kann, d.h.: ohne
VII.) Das Recht, Milizen zur Verteidigung der Menschenrechte
zu bilden. Zube fordert in seimem Entwurf, dass die Milizen keine solche Waffen
fuehren, deren Anwendung unvermeidlich Unbeteiligte verletzt oder toetet, also
z.B. schwere Artillerie, Kampfflugzeuge, Atomwaffeng u.dgl.
Ich begnuege
Bei den Menschenpflichten sind diejenigen wegzulassen, die jedem
von uns als Privatmensch obliegen, und die von den Moralpredigern taeglich dargelegt
werden. Dabei verfahren einige so allgemein, dass man protestieren muss. "Verletze niemand”,
ist so eine allgemeine Moral-Regel. Aber, dass z.B. Rohheitsverbrecher, von denen
ja die Zeitungen taeglich berichten, ganz gehoerig verletzt werden muessen, so
dass sie unschaedlich sind, ist fuer
Ich verteidige auch den Tyrannenmord. (Harmodius, Aristogeiton,
Tell, Charlotte Corday, und viele unbekannt Gebliebene, die in neuerer Zeit bolschewistischen
Machthabern gezeigt haben, dass ihre Macht eine Grenze hat.)
Kant sagt in der Tugendlehre: Werdet nicht der Menschen
Knechte. - - Lasset euer Recht nicht ungahndet mit Fuessen treten.
Anspruechen gewisser Machthaber, unfehlbar zu sein, ist man als
Mensch verpflichtet, entgegenzuwirken.
( Papst, Kommunistische Partelpaepste, und dergleichen Leute.
)
Pflichten, die man als Mensch hat, sind von anderer Art als solche,
die einem als Privatperson obliegen. Jeder ist z.B. verpflichtet, ein guter Familienvater
zu sein, ein guter Kamerad, u. dgl. Aber, wenn die Regierung die Familie als Institut
verbietet, wie es anscheinend die chinesische tut, und sie durch "Kommunen"
ersetzt, so ist jeder als Mensch verpflichtet, dem entgegenzuwirken. Personen dagegen,
die freiwillig in “Kommunen” leben wollen, die sollten nicht daran gehindert werden,
auch daran nicht, Propaganda fuer ihre Kommunen zu machen.
Ein neuer Moralkodex muesste wohl geschaffen werden. Das ist
leichter gesagt wie getan, weil keinerlei Vorarbeiten bestehen.
Da besteht z.B. in fast allen Laendern des oestlichen Afrika
das Problem der Inder. In manchen Gegenden sind fast alle Laeden in der
Haenden der Inder. Die Neger behaupten, dass sie von den Indern uebervorteilt
werden. Die Inder sind noch verhasster als die Weissen. Bei Negerrevolten
werden die Inder zuerst angegriffen und ihre Haeuser werden zuerst angezuendet.
Niemand sagt den Negern: Leute - - das Abmurksen der Inder hat keinen Wert. Nicht
einer von euch kriegt einen Radio-Apparat auch nur um eine Rupie billiger, wenn
ihr die Indier umbringt. (Indier wurden gepluendert und herausgetrieben! –
J.Z.) Ihr muesst Konsumvereine schaffen, die euch gehoeren. Die Mitglieder
der Konsumvereine muessen taeglich Kontrollen in den Laeden ausueben, die Einkaufspreise
mit dern Verkaufspreisen vergleichen, und bei Teilzahlungen die Bedingungen
pruefen und ihre Durchfuehrung. Die Ergebnisse der Kontrollen sind wenigstens einmal
woechentlich in einer von Negern gelesenen Zeitung zu veroeffentlichen.
3.)
Ihr Neger sagt: Aber wir koennen nicht lesen und schreiben, verstehen nichts von Buchhaltung und
kennen nicht einmal den Kalender! Sehr schlimm, aber diese auch fehlenden Kenntnisse
erwerbt ihr nicht dadurch, dass ihr Inder
oder Weisse totschlagt! Aber, recht habt ihr darin, dass euch ein schweres
Unrecht dadurch zugefuegt wird, dass man euch hindert oder gar offiziell verbietet,
euch die Kenntnisse anzueignen. Hier liegt das euch zugefuegte Unrecht. Hoert auf,
personal zu denken, da wo ausschliesslich kausal gedacht werden muss.
Laesst sich ein Satz wie der vorige, in irgend einer Negersprache
ausdruecken? Ich weiss es nicht. Aber, dass die “personale” Denkweise die
eigentliche Ursache ( causa occasionalis ) der an den Negern veruebten Unterdrueckung
ist, das ist gewiss. In irgend einer Form muss der Satz in den neuen Moralkodex
hinein.
Meiner Meinung nach waere es moeglich, den in
Einem Bericht der Neuen Zuercher Zeitung aus Sued-Rhodesien
entnehme ich, dass die Neger Bankkredite fordern, um sich Eigenheime bauen zu
koennen, wie die Weissen, und sich kleine Gemuesegaerten anlegen zu koennen. Es
handelt sich hier offenbar um Tilgungehypotheken, wiesie die in ganz Suedafrika
fuer die Weissen in grosser Anzahl vorhandenen "Building Societies”
( reine Finanzierungs-Institute ) liefern. Fuer die Neger gibt es keine. Was
Zube fordert in seinem Entwurf fuer jede Gruppe von Menschen
das Recht, Finanzierungs-Institute auf Gegenseitigkeit schaffen zu duerfen, als
Menschenrecht. Noch nie ist diese Forderung als Menschenrecht
erhoben werden. (B. anderswo, wie darauf hin, dass das “right of banking”
wenigstens zeitweise in den
Zube hat recht! Die Kenntnisse unter Unwissenden zu
verbreiten, damit sie die Forderung mit Bewusstsein stellen koennen, das ist
eine Menschenpflicht, die zwar nur wenige ausueben koennen, die aber trotzdem besteht.
Die Pflicht muss - - passend formuliert
- - in den neuen Moralkodex hinein.
(Vielleicht um
( Sued-Rhodesien: 200 000 Weisse, 2 1/2 Millionen Farbige.
Behandlung der Farbigen ungefaehr wie in Kapland, aber doch etwas
besser. Zu hungern braucht niemand.)
(Auch hier haetten das Austrittsrecht und exterritorial
autonome Rechtsgemeinschaften aus Freiwilligen [verbunden mit dem Ankauf von
Land durch wertbestaendige Obligationen und Sicherung des Absatzes von
landwirtschaftlichen Produkten und Rueckzahlung der Obligationen und ihrer
Zinsen durch das Gutscheinsystem der Geldfreiheit] zu einer besseren Loesung
gefuehrt als die aufgezwungene territoriale, zentralisierte, “nationale” und
“rassische” “Loesung”, die jetzt immer noch versucht wird und gewoehnlich nur
zur Diktatur fuehrt und ihren Gewalttaten und Gewalttaten von Rebellen.
Darueber war wenigstens ein kurzer Beitrag von mir in den fruehen PEACE PLANS
Ausgaben. – J.Z., 12.9.03.)
In einem Kommentar zu den Menschenrechten der UNO ( den ich
leider verlegt habe ) legt der Autor dar, dass die Zivilisierung der Neger und
anderer unterentwickelter Voelker damit zu beginnen habe, dass man aufhoere sie
auszubeuten. Wenn die betr. Voelker in Lebensbedingungen versetzt werden, unter
denen sie ihren vollen Arbeitsertrag erhalten, dann werden sie zunaechst einmal
untereinander darueber sprechen: was ist voller Arbeitsertrag? Erhalten
wir ihn? Warum koennen wir nicht mehr erhalten? Vokabeln, um solche Besprechungen
durchzufuehren, werden sich bilden. Interessen, deren Vorhandensein bei einer
Hoeherentwicklung voraugesetzt werden muss, die werden entstehen.
Herr Elsoffor warf bei der letzten Besprechung die Frage auf:
Was ist gerechter Anteil am Produkt? Die Frago war
gut gestellt; sie betraf zunaechst die Verhaeltnisse in einer Produktivgenossenschaft.
Hoffentlich kommen wir darauf zurueck.
Ein von Ausbeutung freies Dasein koennen die Neger nur durch
Mitgliedschaft bei einer Produktivgenossenschaft erreichen.
Mit bestem Gruss gez.: U. v.
Beckerath.
“Die Relativitaetstheorie, widerlegt durch das Widerspruchsprinzip,
etc.”, von Dr. E. Ruckhaber, 1928.
(Diese Besprechung von
B. enthaelt auch, auf den Seiten 2 & 3 etwas ueber Panarchie. – J.Z.)
Nur wenige Kritiken der Relativitaetstheorie gehen aus von
I.) der Tatsache,
dass Einstein bei der Eroerterung des Begriffes Zeit diesen Begriff im
Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs genommen hat.
(Microsoft ist auch despotisch und
schreibt mir vor, wie ich zu schreiben und abzuschreiben habe – und
laesst sich nicht leicht darueber reden
oder sich seine Einmischung ausreden. – J.Z., 12.9.03.)
Dieser Sprachgebrauch unterscheidet nicht zwischen
“Zeit im allgemeinen”,
“Zeitpunkt”,
“Zeitraum”
und anderen mit “Zeit” zusammenhaengenden Begriffen.
Wuerde Einstein seine “Relativierung der Zeit” philosophisch
exakt ausgedrueckt haben, so wuerde vielleicht jeder gesagt haben: Nun -
- darueber laesst sich reden. Ein exakte Formulierung waere z.B. gewesen:
Angenommen, es seien zwei Koerper relativ zueinander bewegt,
und auf einen der beiden Koerper wird ein Zeitraum physikalisch
gemessen, z.B. durch eine genau gehende Uhr, und die Messung wird von dem
andern Koerper aus beobachtet, so haengt das Beobachtungsergebnis von der
Richtung der Relativbewebung ab und von ihre Geschwindigkeit. Entfernen sich
die beiden Koerper voneinander, so erscheint der beobachtete Zeitraum als
laenger wie wenn beide Koerper sich einander naehern. Naehern sie sich
einander, so erscheint der Zeitraum als verkuerzt. Das Ausmass der
Verlaengerung bzw. Der Verkuerzung des Zeitraumes haengt von der
Geschwindigkeit der Relativbewebung ab.
Es sprechen allerlei Gruende dafuer, dass dieser Satz
richtig ist.
II.) Von der Erwaegung: Gibt es eine Grenzgeschwindigkeit?
M.a.W., darf man sagen, dass es im Weltall keine unendlich
grossen Geschwindigkeiten gibt? Wenn ja: welches ist die Grenzgeschwindigkeit?
Angenommen, es sei die Lichtgeschwindigkeit oder diese Geschwindigkeit mal der
Quadratwurzel aus 2 (Wilhelm Weber) oder irgend eine andere Geschwindigkeit,
addieren sich dann die beiden Geschwindigkeiten a und b zu der Summe (a + b)
oder ist die Summe kleiner? Nimmt man z.B. 300 000 km/sec als
Grenzgeschwindigkeit an, ist dann die Summe der beiden Geschwindigkeiten 100
000 und 250 000 gleich 300 000?
Wirkt sich der vorlaeufig unbekannte Einfluss, welcher die
Ueberschreitung der Grenzgeschwindigkeit verhindert, vielleicht so aus, dass
auch kleine Geschwindigkeiten sich nicht zum vollen Betrage (a + b) addieren?
(Der erste, welcher diese Frage aufwarf, war Kant und zwar
in den “Metaphysischen Anfangsgruenden der Naturwissenschaft”, Abteilung
“Phoronomie”, Anmerkung 2, Zeile 9, der Ausgabe der Phil. Bibl.)
- - - - - - - - -
Nun stimmen heute wohl
alle Physiker darin ueberein, dass es im Komos keine unendlichen Gschwindigkeiten
geben kann. Gibt es also eine Grenzgeschwindigkeit, so folgt daraus allerlei,
was auch Einstein behauptet, wenn auch aus andern Gruenden. Sollte es gelingen,
diese Gruende als zweifelhaft oder gar als unlogisch nachzuweisen, so folgt daraus noch nicht, dass die
Behauptung Einsteins zweifelhaft oder unlogisch ist. Aus der Widerlegung wuerde
aber folgen, dass Einstein ein phaenomenaler Kopf war, der manche Wahrheiten intuitiv
erkante, sie aber ungeschickt begruendete. Vielleicht koennte man deraus sogar schliessen,
dass Einstein besser argumentiert haben wuerde, wenn er wenigstens die philosophische
Terminologie beherrscht haette, z.B. diejenige, die zur philosophischen Eroerterung
des Begriffes “Zeit” gehoert.
(Ich tippe, wie Bth. - -
- - - - oder, schneller: ------ und das
verdammte MS Programm ersetzt es durch die folgende Linie, die sich nicht jetzt
von mir ausstreichen laesst! Einmischung sogar ins private Briefschreiben. Und
fuer solche “Hilfe” muss man immer noch viel blechen! – J.Z., 12.9.03.)2.)
Einstein behauptet, dass Schwere und Traegheit
Ein-und-dasselbe seien. Gegen seine Begruendung
waere einiges einzuwenden. Unbekannt war Einstein anscheinend, dass der Jesuit Ludwig
Dressel in seinem sehr guten Werk “Elementares Lehrbuch der
Physik", Kap. 28, die Gleichheit von Traegheit und Schwere glaubhaft
gemacht hat. Dressel sagt:
“Die Menge des Schweren ist gleich
der Menge des Traegen.”
Dieser Satz enthaelt ein sehr
wichtiges und auffallendes Naturgesetz. Denn dass zwei scheinbar so wenig
verwandte Dinge wie Traegheit und Anziehung, in allen Koerpern uebereinstimmen,
also auf dieselbe Grundeigenschaft der Materie hinweisen, das konnte kein Mensch
ahnen."
Ich entnehme diese Aeusserung der dritten Auflage, die i.J.
1905 erschien. Aber erst in diesem Jahre veroeffentlichte Einstein sein grundlegendes
Werk “Zur Elektrodynamik bewegter Koerper". Die Prioritaet gebuehrt also
Dressell, um so mehr, als er sich auf von ihm angestellte Experimente stuetzte.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- - - - - -
Nachstehend einige Bemerkungen zur Schrift von Ruckhaber.
Seite 2, Nr. 1. Anatole
Seite 3, Nr. 1. Die klassische
Mechanik operierte noch nicht mit dem Begriff der Grenzgeschwindigkeit.
Daraus kann man ihr keinen Vorwurf machen. Leute wie Galilei, Newton, Laplace und
Gauss wuerden die Einfuehrung dieses Begriffes als eine begrifflich wertvolle Erweiterung
der klassischen Mechanik angesehen haben, nicht als ihren Umsturz; sie wuerden darauf hingewiesen
haben, dass die Erweiterung erst dann praktischen Wert haben wuerde, wenn
die Genauigkeit der Instruments die doch sehr kleinen in Frage kommenden Unterschiede
zu messen erlaubte.
Nr. 2. Gut! Erinnert
an die Bemerkung von Mark Twain in seinem "Geheimnisvollen Fremden".
Die schlimmsten Missstaende
und der greulichste Despotismus koennen sich nicht halten, wenn die Menschen
anfangen darueber zu lachen.
Seite 4, Nr. 1. Es
ist oft bemerkt worden: Irrtuemer grosser Geister (zu denen ich Einstein doch
rechnen moechte) richten manchmal grosses Unheil an, nachdem der grosse Geist
Autoritaet gewonnen hat. Von Schopenhauer hervorgehobenes Beispiel: Aristoteles
lehnte das heliozentrische System ab und bewirkte dadurch, dass eine bereits
gewonnene und in weiten Kreisen anerkannte, hoechst wichtige Wahrheit der Menschheit
auf fast 2 000 Jahre wieder verloren ging.
Seite 4, Nr. 2. In jedem
Menschen steckt eine Anlage zum Fanatismus und damit zu aeusserster Intoleranz.
Eine neue Religions-philosophy, deren ethisches Zentrum die Toleranz
ist, sollte versucht werden. Der philosophische Teil
dieser Religion haette Darlegungen ueber die Grenze des Toleranzprinzips
zu enthalten. Beispiele: Es waere darzulegen, dass in der Politik das zuerst
von Fichte erklaerte Prinzip einer Moeglichkeit des Austritts aus dem Staate
(wie man aus der Kirche austritt ), und der Zusammenfassung der Ausgetretenen
zu autonomen Rechtsgemeinschaften, aber auch die Moeglichkeit des jederzeitigen
Austritts aus diesen
Rechtsgemeinschaften,
Toleranzmoeglichkeiten eroeffnet, die man frueher nicht einmal
geahnt hatte. Die Erweiterung dieses Prinzips auf die Sphaere des Sozialen laesst
erkennen, dass durch die Bildung von Produktivgenossenschaften mit Befugnissen
autonomer Rechtsgemeinschaften das Bestehen voellig verschiedener
Wirtschaftssysteme auf einem und demselben Territorium moeglich
ist.
Auch hier ergeben sich frueher
3.)
nicht geahnte Moeglichkeiten der Toleranz. Staatskapitalismus
und Privatkapitalismus, beide auf Monopolen beruhend und damit auf einer
besonders abscheulichen Art von Intoleranz, koennen sich gegenueber der neuen
Religionsphilosophie nicht halten. Der verlogene Liberalismus, der aber z.B. das
Geldmonopol bestehen laesst und den
unteren Volksklassen dessen Ersetzung durch eine Arwendung des Clearing
auf Arbeiterverhaeltnisse verbietet, erscheint
nach dem Auftreten der neuen Religionsphilosophie als intolerant.
(Wo, ausser bei Kant und B., trat die neue
Religionsphilosophie auf? – J.Z., 12.9.03.)
Erst recht erscheint - - selbstverstaendlich - - der Staatskapitalismus
als intolerant und damit als unberechtigt und die Rechte des Menschen und Buergers
verletzend.
Die Frage entsteht, ob die Duldung von Religionen
stattfinden kann, welche lehren: Die von uns angebeteten Gottheiten und
deren von uns geglaubten Offenbarungen verlangen, dass Ketzer von obrigkeitswegen,
evtl. durch Volksaktionen, umzubringen sind.
Aus den Offerbarungen ergibt sich, das beim Ausbleiben von Aktionen
gegen die Ketzer die passiv gebliebenen Obrigkeiten mitsamt ihren passiv
gebliebenen Untertanen von den himmlischen Maechten mit Krieg, Seuchen, Misswachs
und andern Uebeln nach dem Prinzip der kollektivenVerantwortung gestraft
werden. Beispiel einer solchen Religion: Die mosaische, die ja auch ins Christentum
uebergegangen ist, und z.B. von den Inquisitoren, van Calvin, vom roemischen
Kaiser Theodosius, etc. gebilligt und betaetigt wurde.
Die Toleranz hat Grenzen, im Gegensatz zur Intoleranz, die keine
Grenzen hat, ausser der Moeglichkeit, dass die von der Intoleranz Bedrohten
sich zur Wehr setzen.
Zum Wesen der Toleranz-Religion gehoert, dass sie als das
fundamentalste Recht des Menschen und Buergers das Recht ansieht: keine
angemasste oder auch in gutem Glauben behauptete Unfehlbarkeit anzuerkennten, nicht die
Unfehlbarkeit des Papstes, der kommunistischen Parteien (oder Parteihaeupter
), irgendwelcher heiliger Schriften (Bibel,
Koran, Upanishaden, etc.).
Seite 5, Nr. 1. Beispiele?????
Nr. 2.
Wir stellten schon frueher fest, dass die Kantische Formulierung verbesserungsfaehig
ist.
Seite 6. Formulierung des Widerspruchs-
Prinzips.
Das Wort "Zeit" waere zu
ersetzen durch "Zeitpunkt".
Zur groesseren Deutlichkeit koennte hinzugefuegt werden: “unter
denselben Umstaenden”.
Die Roemer, im Zeitalter der Republik, verabscheuten z.B.
aufrichtig allen Despotismus. (Auch den ueber die Sklaven? – J.Z., 12.9.03.)
Das hinderte sie aber nicht, unter gewissen Umstaenden auf 6 Monate einen Diktator
zu ernennen. Nach roemischem Recht durfte der Diktator fuer keine Amtshandlung
verantwortlich gemacht werden. Ein Moerder ist strafwuerdig. Ein Tyrannenmoerder
(Toeter oder Exekutioner – waere hier besser. – J.Z., 12.9.03.) aber ist zu loben,
sogar wenn er den Tyrannen aus privaten Motiven umgebracht hat. ( Wilhelm Tell.)
Seite 8, Nr. 1. “ ... nur durch den Tastsinn …”.
Bin nicht einverstanden. “… nur durch Mitwirkung des
Tastsinnes wuerde mir besser gefallen haben. Bei historischen Wahrheiten kann der
Tastsinn nichts helfen. Aber die richtigen Methoden zur Erkenntnis historischer
Wahrheiten sind durch Mitwirkung des Tastsinnes zustande gekommen.
Nr. 2. Richtig ! Einstein verwechselt
eben "gemessene Zeitabstaende" (und von anderswo beobachtete! – J.Z.,
12.9.03) mit dem allgemeinen Begriff der Zeit ( der “kantischen" Zeit.).
Seite 9, Nr. 1. Moszkowski haette sagen sollen: "Im Kampf
gegen herrschende Vorurteile.”
4.)
Nr. 2. Ja.
Seite 10, Nr. 1. Immerhin
ist Moszkowski so vorsichtig, keine Beispiele anzugeben.
Seite 15, Nr. 1. Es sollte heissen: Genuegend
starre Koerper. Ganz starr ist kein Haus. Wenn z.B. an meinem Haus ein schwer beladenes Auto mit einiger Geschwindigkeit
vorbeifaehrt, dann faengt mein ( nicht gut aufgestellter ) Gasherd an zu
vibrieren.
Seite 17, Nr. 1. Es gibt keine absolut ruhenden Bezugssysteme.
Vgl. Kant, “Neuer Lehrbegriff der Bewegung und der Ruhe”, 1758.
Seite 17, Nr. 2. Mir scheint, dass R. hier das Wort “Urteil”in
einem zu weiten Sinne gebraucht. Beim Eichmann-Prozess hatte der Vorsitzende wiederholt
Gelegenheit (zu? – J.Z.) den Zeugen zu bemerken: Sie haben nur ihre Aussage
zu machen; sie zu beurteilen ist Sache des Gerichts. Unthalten Sie
sich gefaelligst aller Urteile.
(Anhaenger von autonomen Juries stimmen nicht mit dem
Rechtsprechungsmonopol von Richtern und staatlichen oder auch internationalen
Gerichtshoefen ueberein. Das Recht auf das eigene Urteil, besonders ueber Menschenrechtsverletzungen, ist auch ein
allgemeines Menschenrecht fuer alle Menschen die vernuenftig genug sind die
Menschenrechte zu kennen und zu respektieren. – J.Z., 12.9.03.)
Seite 18, Nr. 1. “Man
soll auch den Teufel nicht verleumden.” Eine solche Behauptung stellt
Einstein denn doch nicht auf. Dass die beiden System gleichberechtigt sind,
wenn man alle Dynamik ausschaltet und von der Groesse der Himmelskoerper
absieht, das kann man doch zugeben. (Aristarch kam sofort auf das heliozentrische
System, als er berechnet hatte: Die Sonne ist wenigstens 20 mal groesser als die Erde.)
Nr. 2. Nehmen wir an, der Punkt kreist sehr
langsam
um den andern, dann koennen die Bewohner des Punktes ( Koerpergroesse sind Differentiale
zweiter Ordnung) sich sehr wohl darueber taeuschen, was sich da bewegt.
Seite 19, Nr. 1.
"Absolutum der Zeit". Seitdem
die Anatomen Nervenknoten entdeckt haben, in welchen der Zeitsinn lokalisiert
ist, ist manchem denkenden Anatomen klar geworden, dass die Zeit irgend
einen subjektiven Bestandteil enthaelt.
Dass die Zeit ganz und gar subjektiv sei, hat auch wohl Kant
nicht gemeint. In der Kr.d. r.V., Ausgabe B, S. 160, Anmerkung ( Kehrbach-Reclam
S. 678 ) hat Kant dargelegt, dass Raumgebilde nicht nur subjektive Erscheinungen
sind. Das ist ein Zusatz zur 2-ten Auflage. Kant hat offenbar vergessen, beim Kapitel
ueber die Zeit einen analogen Zusatz zu machen, wonach gemessene
oder geschaetzte Zeitabstaende oder Zeitpunkte nichts rein subjektives sind.
Seite 21, Nr. 1. Wenn
ein Object, z.B. ein bewegtes Flugzeug, von 1000 Beobachtern in bezug auf seine
Geschwindigkeit beobachtet wird und zwar mit sehr genauen Instrumenten, so kann
es geschehen, dass sich 1000 verschiedene Beobachtungen ergeben. Man nimmt einfach
das arithmetische Mittel, und in besonderen Faellen verwendet man die Methode der
kleinsten Quadrate, die ja nur eine verfeinerte Methode ist, das richtige
Mittel zu schaetzen. Kant war es wahrscheinlich schon bekannt, dass Zeitmessungen
durch mehrere Beobachter meistens verschiedene Ergebnisse liefern. Es koennte sehr
wohl sein, dass Kant hierdurch darauf gefuehrt
wurde, dass die Zeit ein subjektives Element enthaelt.
Seite 22, Nr. 1. Schopenhauer behauptet genau das Gegenteil.
Seite 25, Nr 1. Richtig !
Nr. 2. Aber sogar Chinesen, doch Kulturmenschen,
wenn sie zum ersten Male eine Photographie etwa einer Menschenmenge sehen oder
ein Gemaelde, das perspektivisch richtig ist, und auf dem ein Haus im Hintergrund
kleiner ist als ein Kind im Vordergrund, so lachen sie darueber und erklaeren: Alles
falsch gezeichnet. Die aelteren, chine-
5.)
sischen Gemaelde sind alle ohne Perspektive gezeichnet und
gerade dadurch erscheinen sie uns laecherlich, obwohl wir die Kunst, alle Details abzubilden, bewundern.
Seite 26, Nr. 2. (Oder 1!
Uebertippt! – J.Z.) Ein allzuhartes Urteil !
Seito 29, Nr. 1. Von einem Punkt aus lassen sich allerdings
unendlich viele Linien ziehen. Das sind aber keine Dimensionen! (Vgl. ein
beliebiges Lehrbuch der Elementargeometrie zum Begriff “Dimensionen”.)
Nr. 2. Den Weltenraum fuer gekruemmt zu halten, ist
ein Irrtum. Ein “Widersinn” ist es gerade nicht. Die geduldige Mathematik liefert
auch gekruemmte Raeume, gewissermassen als Spielzeug. Die moderne Physik schreibt
dem Raum Eigenschaften zu, welche der Materie zukommen
Seite 30. Schon die
Theorie Wilhelm Weber’s, dass die "Grenzgeschwindigkeit nicht be 300 000
km/sec liegt sondern bei 300 000 mal √2, erklaert den Michelson‘schen
Versuch.
Bth. 8. 6. 61.
( In mancher
Beziehung ist vielleicht die “moderne” und “wissenschaftliche” Physik immer
noch in demselben Zustand wie die moderne und vorherrschende Politik und
Volkswirtschaftslehren es sind, d.h., sie sind immer noch weit davon entfernt, eine
wirkliche Wissenschaften zu sein. – Ich amuesiere mich immer wieder ueber die
verschiedenen Spekulationen und Interpretationen der Atomphysiker und der
Astronomen. Alle paar Monate eine neue “Theorie”. So sehr ueberlegen scheinen
sie von den Metaphysikern doch nicht zu sein. – J.Z., 12.9.03.)
=================================================================================
“Die
Umgestaltung der Welt als Zweck des Lebens”, von Dr. H. Janke, 1913.
Seite 9. “Optimismus" und “Pessimismus” sind veraltete
und viel zu allgemeine Begriffe.
“Optimismus” ist vertretbar in bezug auf das relativ wenige aus
dem Erbe der Vergangenheit, woran der Fortschritt anknuepfen kann, die moralischen,
sozialen und politischen Missstaende aber mitsamt ihren offenbaren und ihren
versteckten Ursachen sollten in keiner Weise beschoenigt werden; von Bierphilistern
"Pessimist” beschimpft (zu? – J.Z.) werden ist eine Ehre.
Seite 18. Vgl. Kant, Kritik der Urteilskraft, § 83, Anmerkung
am Schluss.
Seite 21. Ausnahmen gibt Schopenhauer an, z.B. in seiner
Abhandlung “Ueber das Geistersehen etc.”
Seite 23, Nr. 1. Die
Mathematik ist auch heute noch keine abgeschlossene Wissenschaft. Auffallend,
das Ostwald zu einer solchen Meinung kommen konnte. Die vielen der Mathematik gewidmeten Zeitschriften koennen kaum den bestaendig erzielten
Fortschritten folgen. Dringend notwendig und durchaus moeglich waeren Fortschritte
in den Lehrmethoden.
Nr. 2.
Buffon lehrt, dass wenn in wissenschaftlichen Betrachtungen, scheinbar ganz
logische unendliche Groessen auftreten, der Ausgangspunkt unrichtig gewaehlt ist.
Dass Buffon recht hat, ergibt sich schon daraus, dass viele unendliche Groessen
sich leicht in imaginaere Groessen transformieren lassen. Beispiel:
2 3
log ( 1-x ) = - ( x
+ x + x + etc.)
1 2
3
Setzt man fuer x eine Zahl, welche groesser ist als +1, so ergibt
sich auf der rechten Seite eine unendliche negative Groesse. Auf der linken Seite
aber ergibt sich eine imaginaere Groesse, denn
log( -1) = ( 2k+1 ) . 3,14159... mal 1.
Seite 26. Die Atomtheorie ist von
(Die “unteilbaren” Atome bestehen nach der jetzt
herrschenden Theorie aus einer betraechlichen Anzahl von angeblich
“unteilbaren” Elementarstuecken. Um wieviele werden die in den naechsten 100
Jahren noch “vermehrt” werden? – J.Z., 12.9.03.)
Seite 29. Das Gesetz
von der Erhaltung des Stoffes war schon den griechischen Philosophen bekannt.
Vgl. Kr.d.r.V., Ausg. B., S. 224 & 228.
S. 29. Auch das Gesetz von der "Erhalturg der
Kraft" war lange vor Robert Mayer bekannt, wie der sehr geschaetzte
Mayer selbstverstaendlich wusste. Aber, von dieser im Allgemeinen verbleibenden
Erkenntnis bis zum Nachweis einer konstanten, numerischen Beziehung zwischen
Waerme und kinetischer Energie und der daran anschliessenden Theoric Mayer’s, dass
jede Art von “Kraft" mit der andern durch eine konstante numerische
Relation verbunden sei, ist ein sehr weiter Schritt. ( Die erste, genaue
Formulierung des allgemeinen Gesetzes wird Daniel Bernoulli zugeschrieben.
(Dan. B., 1700 – 1782)
Kant eroerterte das Gesetz bereits in seinem
Erstlingswerk (1747) in par. 48 ff, par 150, wo Kant das Gesetz bzw. seine genaue
Formulierung allerdings dem Leibniz zuschreibt.
S. 29. Die beiden Gesetze von der Erhaltung der Materie und
der Erh. der “Kraft” beduerfen keines “Zusammenschweissens”. Kant verfuhr richtiger,
indem er das Gesetz von der Erh. der "Kraft” dem Gesetz von
2.).
der Erh. der Substanz subsumierte.
Kr.d.r.V., Ausg B., Seite 249.
S. 31. Die Formenenergie ist eine noch lange nicht
abgeschlossene Erweiterung des Energiebegriffes. Paul
Kammerer, "Das Gesetz der Serie”, 1919, hat den
vielleicht zuerst von Ostwald formulierten Begriff weiter entwickelt. Seine
Darlegungen stellen einen derartigen Fortschritt dar, dass es ihm ergehen musste,
wie es allen
ergeht, die furdametale neue Wahrheiten verkuenden, aber vermoegenslos
sind. Die “Fachwelt” machte Kammerer zunaechst arbeitslos. Dadurch zwang sie
ihn dann zum Selbstmord.
(Zwang? Es ist nicht nur eine Frage des Vermoegens oder der
Beschaeftigung sondern auch, und vielleicht hauptsaechlich, eine Frage des
Marktes fuer neue Ideen und Talente. Ein solcher weltweiter Markt fuer diese
groessten Werte fehlt immer noch und sein Fehlen wird immer noch nicht genuegend
bemerkt. Siehe darueber insbesondere PEACE PLANS 20 & 183. – Eine solche
Bemerkung von B. laesst
S. 32. Wenn man die Lebenskraft
als “Urkraft annimmt, so schafft man zunaechst mal die Grundlage zu einem neuen
Monismus, der aber insofern besser begruendet ist als der vom Materialismus ausgehende,
als er der Notwendigkeit ueberhoben ist, Empfindung und Bewusstsein aus andern
Naturkraefen zu erklaeren. Von der
Dissipation kann der neue Monismus behaupten, dass ihr noch
unerforschte Formen der Lebenskraft entgegenwirken. Eine Ahnung davon hat auch Jahnke.
( S. 33.)
S. 35. Auch F.A. Lange ( eine sehr gewichtige
Autoritaet ) sympathisiert mit der Theorie, dass das Leben ebensowenig entstanden
ist wie z.B. die Elektrizitaet. Fuer den neuen Monismus ist die Eternitaet der
Lebenskraft eine Selbstverstaendlichkeit. Lamarckismus und Darwinismus zuammen
mit der Mutationstheorie des Vries behalten innerhalb des neuen Monismus ihren
Wert. Nur wird man kuenftig nicht versuchen, durch einen der vorgenannten
Ismen, oder einen anderen, die Entstehung des Lebens zu erklaeren. Wird
ja auch heute nicht mehr die Entstehung der Elektrizitaet aus der Reibung “erklaert”.
S. 38. Das Gesetz war schon im 18-ten Jahrhundert bekannt,
wenn auch durchaus nicht allgemein anerkannt.
S. 49. Das ist eine zwar seltsame, auch nicht leicht zu erklaerende
Erscheinung, die aber nicht mehr zu bezweifeln ist. Die Patentaemter wissen hierueber
noch viel mehr. Dass "Gedanken" eine selbstaendige Existenz haben - -
oder gewinnen, nachdem sie in einem Kopf zur Klarheit gebracht sind - -
ist eine alte Theorie, die sogar in einem Volkslied zum Ausdruck kommt. ( “Gedanken
sind frei!” etc.) Vielleicht ist Hegel durch solche Vorkommnisse zu seiner
Theorie der sich selbst bewegenden Begriffe gefuehrt worden.
( J.Z.: Schrieb nicht schon Plato den Ideen eine Realitaet
zu? – Aber auch sie und besondere
Talente brauchen, zu ihrer fast vollstaendigen Verwertung, nicht nur die
allgemeine Geld- und Finanzfreiheit und Freiheit der Information und
Meinungsaeusserung, sowie volle Experimentierfreiheit fuer Freiwillige, sondern
auch ihre speziellen Maerkte, so wie wir sie z.B. fuer Waren, Dienstleistungen
und Wertpapiere haben. Einige “venture capital” Gesellschaften genuegen nicht
fuer sie, besonders wenn es sich um befreiende Ideen und Talente handelt. Die
Technik der CD-ROMs und der DVDs offeriert sich fuer solche Zwecke und koennte
bald alle positiven Ideen und Talente zusammenbringen, ebenso wie alle Buecher,
aber man muss erst einmal genuegend Einsicht und Interesse fuer solche
Freiheits- und Marktmoeglichkeiten zeigen. Die fehlen bisher noch sehr.
Stattdessen wird alles von den Massenmedien oder dem Internet erwartet, genau
so wie es die Frommen von einem Gott und die Etatisten von einem Staat
erwarten. – Fuer die meiste Zeit seines Lebens stand Beckerath nicht einmal der
beschraenkte Markt eines kleinen Magazins zur Verfuegung. Als ich in 1964 mit
meiner Serie anfing, da ging das nur ganz langsam und beschraenkt, dort
zusaetzliche Seiten unterzubringen, z.B. durch die Notwendigkeit erst einmal selbst
Wachs-Schablonen herzustellen. Eine Neuauflage mit ihnen war auch nicht
moeglich. Ueber das Ideen-Archiv und die Zentrale fuer Genies und Talente:
Siehe PEACE PLANS 20 & 183. Die Libertaeren haben sich noch nicht einmal
einen Markt in Form eines “Archivs” in Form einer libertaeren Encyclopaedia
geschaffen und wenigstens einer vollstaendigen Freiheitsbibliothek in der Welt!
- J.Z., 12. 9.03.)
S. 51. Tolstoy
ist vielleicht der erste, der behauptete, die Natur schafft im Individuum “Phagozyten”
und in der menschlichen Gesellschaft Reformer. Beiden Erscheinunger liegt
nur eine Naturkraft zum Grunde.
Ich halte Tolotoy’s Meinung fuer richtig. Der neue Monismus erfaehrt
durch Konzeptionen wie die Tolstoy’s bestaendig neue Unterstuetzungen.
( J.Z.: Aber die Masse von Ideen und Talenten wird, wie die
Schwerkraft, nur wirklich effektiv werden, wenn die wie Staub im Weltall
verteilten oder verstaubten “Geister” zu einem Planeten oder einer Sonne
zusammenkommen. Das koennte “organisiert” werden, wenn die Geister, angefangen
mit den libertaeren, nur dafuer genuegend Interesse zeigen wurden. Hier muss
endlich “Markt-Einheit” geschaffen werden, um diese Kraefte voll mobilisieren
zu koennen, bzw. ihnen zu erlauben, all die mit ihnen sympatisierenden auf
unserem Planeten zu erreichen mobilisieren zu koennen. Angebot und Nachfrage
auf diesem Gebiet endlich fast vollstaendig zusammenzubringen sollte als einer
unserer primaeren Aufgaben erkannt werden. – J.Z., 12. 9. 03.)
Er ist eine Philosophie a priori. - Waehrend unsere
Wahrnehmung zu der Meinung fuehrt, dass die Welt pluralistisch sei,
erklaert der neue Monismus, dass die pluralistische Welt der urspruenglichen
Wahrnehmung einfach eine Aufgabe fuer den Intellekt sei, moeglichst viele
Details der pluralistischen Welt “unter einen Hut"
zu bringen, und dadurch asymptotisch ein richtiges
Weltbild in der Menschheit zu erzeugen. (Konkreter Vorschlag? – J.Z., 12. 9.
03.)
S. 52. Jede Art
von Theismus oder Deismus (vgl. Kant, Kr. d. r. V., A 633, B 661) ist abzulehnen,
u.a. auch deshalb, weil diese ismen einer gruendlichen Sozialreform im Wege sind.
( J.Z.: Vergleiche jedoch mein Kapitel ueber die Schaffung
eines kuenstlichen “computer Gottes”, durch intelligente Libertaere, ein “Gott”, der viel hilfreicher fuer ihre
Arbeiten sein koennte als das Internet, in dem die Freiheitsinformation immer
noch allzu unvollstaendig und zersplittert angeboten wird – so wie auch in den
groessten Bibliotheken. – Ebenfalls
meine Vorschlaege ueber die Benutzung von CD-ROMs durch Libertaere. -J.Z.,
12.9.03.)
Auch der Agnostizismus ist abzulehnen. Der Monist bekennt
sich ausdruecklich zur Meinung der vom Psalmisten (Psalm 14,1, Psalm 53, 2 )
angegriffenen Schule.
3.)
S. 56. Die Kantische Philosophie ist eine Entwicklung des philosophischen
Idealismus, und wie im Kant nachzulesen ist, fuehrt sie zum Pazifismus, eigentlich
auch zum Sozialismus ( wenn auch nicht zum Staats-Sozialismus ) und zum Kampf um
eine auf Gerechtigkeit gegruendete Gesellschaftsordnung als Lebenszweck. (Kant, Kr.d.U.)
S. 72. Wohl kein Augenarzt und kein Ohrenarzt bezweifelt, dass
das Gesehene und das Gehoerte einen a priori vorhandenen subjektiven Bestandteil
enthaelt, und richtet seine Therapie darnach ein.
S. 72. Woher weiss der Janke, dass z.B. die Fallgesetze auch
auf entfernten Fixsternen gelten ??? Gewiss nicht aus der Erfahrung. Die
Erfahrung lehrt ihn nicht einmal, dass auf dem Mond 2 mal 2 = 4 ist.
S. 77. Janke haette den Kant sorgfaeltiger studieren sollen.
Der Satz, z. B., dass die gerade Linie die kuerzeste Verbindung zwischen 2
Punkten ist, wird gewiss nicht durch eine neue Wahrheit ersetzt werden.
S. 78. Hat Kant nie
behauptet.
S. 88, Nr. 2. Jawohl, aber was fuer einen Glauben?
Einen Vernunftglauben, u.a.
a.) dass das “Wissen” der Theologen angemasst
ist,
b.) dass ein Vorsatz, das Leben nur
zu geniessen, zu schweren Enttaeuschungen fuhren muss,
c.) dass in Erscheinungen wie dem Pazifismus die Natur selbst
wirkt und dass daher mal der Pazifismus
wird, (Aber auf diesem
Planeten, und noch zu unserer Zeit? – J.Z., 12.9.03.)
d.) dass wenn eine Religionsgemeinschaft entartet ist, man eine
neue gruenden sollte, und wenn auch die entartet,
abermals eine neue!
( “Religion”, Kehrbach-Reclam, S. 110. unten.)
Zu beweisen ist das alles nicht.
Janke hat anscheinend nicht die Einleitung zur Kr.d. r.V.,
Ausgabe B, gelesen, insbesondere nicht Seite XXX.
S. 90, 91. Janke glaubt
zwar an das Nebeneinanderbestehen von Freiheit und Kausalitaet aber verdaut hat
er den Gegensatz nicht.
S. 94. Janke hat offenbar nicht gelesen die ausfuehrlichen Eroerterungen
in der Kr.d.r.V. ueber das Nichts.
Ausg. B., Seiten 347,348, 545.
S. 97. Bereits Thomas
Morus lehrte, dass schon das “Gefuehl da zu sein” ein hoechst angenehmes ist. Nietzsche,
der den Morus schwerlich gelesen hat, bestreitet ebenfalls - - von ganz andern
Voraussetzungen aus als Morus - - dass der Mensch von Natur nach Glueck strebt
( und fuegt boshaft hinzu: das tut nur der Englaender ).
Auch Schoperhauer lehrt, dass man vernuenftigerweise sich damit
begnuegen sollte dem
Ein Bewusstsein, "dazusein" schreibt Schopenhauer
den Pflanzen zu, wahrscheinlich mit Recht.
S. 102. Janke weiss nicht, was Kant unter "Vernuft-Ideen"
versteht. Kant gibt als Beispiel die Idee des chemisch reinen Wassers. So was gibt’s
nicht, hat es nie gegeben und wird es nie geben. Trotzdem ist derjenige, der einen
Begriff davon hat, nicht verrueckt, hat keinen Sparren und muss
den Begriff im Kopfe haben, wenn er Chemiker werden will. ( Kr.d. r.V., B 674.)
S. 105. Aber auch von genuegender Aufklaerung. So lange z.B.
das Proletariat in Russland, in
4.)
so lange wird es in Not und Elend leben.
S. 106, 107. vgl. S.
97.
109. "Wie ist
die Welt umzugestalten?” Die von J. gegebene Antwort ist nur eine Scheinantwort.
Zu einer brauchbaren Antwort gelangt man
nur, wenn man mit eienem einzelnen Missstand beginnt und dann erwaegt,
ob die angewendeten Methoden vielleicht einer Verallgemeinerung faehig sind.
Beispiel:
Die Not des italienischen Landproletariats. Heute voellig vergessen
ist, was wenige Leute hier etwa um 1905 herum praktisch geleistet haben. Ein
Sekretaer des Konsumvereins zu Florenz, ein Professor ebenfalls aus Florenz und
eim katholischer Priester begaben sich in die Gegenden, die durch Aufstaende
der Landarbeiter so gut
wie ruiniert waren; sie forderten die Arbeiter auf, sich zu
Produktivgenossenschaften zu organisieren, den Latifundienbesitzern die Latifundien
abzupachten umd mit den Konsumvereinen langfristige Lieferungsvertraege
abzuschliessen. Das war ein Amfang. Mussolini erklaerte dann, es sei
eine Verletzung der Staatsautoritaet, wenn Arbeiter durch eignes Vorgehen
versuchten, ihre Lage zu verbessern. Er forderte die Latifundienbesitzer auf,
die Pachtvertraege zum naechsten zulaessigen Termin zu kuendigen. Heute ist das
alles voellig vergessen. Vielleicht sind Kortman, Zube und ich die einzigen, die davon wissen und
das Buch von Preyer ueber die italienischen Pachtgenossenschaften
gelesen haben. (Ich habe es in meiner Serie verfilmt. – Ebenfalls eine
Referenz, wonach Horden von Mussolini’s “Schwarzen Hemden” die Haeuser,
Scheunen, Maschinen und kultivierten Felder, Gaerten und Obstbaeume dieser Genossenschaften
zerstoerten, genau so, wie es im “totalen Krieg” zugeht, mit dem Praxis der
“verbrannten Erde”. - J.Z.)
S. 110, 111. Ich
behaupte: Wenn man micht abwartet, sondern gleich anfaengt, vor allem mit der
Gruendung von Produktigenossenschaften,
so kommt die Wissenschaft bald hinterher und schaltet sich ein. Uebrigens
verdienen manche “Wissenschafter" nur Misstrauen, wie z.B. die gegenwaertig
“wirkenden” Universitaets-Professoren, die den gegenwaertigen Zustand - - Trennung
der Gesellschaft in Arbeitnehmer und Arbeitgeber - - verewigen moechten. Haben insofern
recht, als Produktivgenossenschaften auf die Dienste solcher Wissenschafter
verzichten koennen.
S. 112 bis 115. Einer
der beachtlichsten Anfaenge zu einer Reform der kapitalistischen Gesellschaft
war die Gruendung des Kosumvereins von Rochdale ( 1844 ). Vor dem ersten
Weltkrieg hatte der auf die Aktion von 28 armen Rochdale Webern zurueckgehende Verband
der englischen Konsumvereine 6 eigne Dampfer, die andauernd zwischen Ostasien und
S. 118. Vgl. S. 112.
S. 130 - 133. Veraltete Ideen.
S. 139. Vor dem 2-ten Weltkrieg war die relative Anzahl der
Pazifisten unter den Juden wahrscheinlich groesser als unter irgend einem andern
Volk. Das war einer der Gruende (Motive! – J.Z.), weshalb Leute wie die Ludendorfianer
sie verfolgten.
S. 140, Nr. 1. Schopenhauer
wollte mit seinem “Uedeh” ( fuer Idee ) wahrscheinlich die Aussprache Hegels
persiflieren.
S. 172. Wichtiger ware, dass die Proletarier aufhoerten, Alkohol,
Kartenspielen, Sport u.dgl. als das Wichtigste anzusehen.
Bth. 10.6.61.
==================================================================================
U. v.
Beckerath
10. 8. 1961 Ihr Brief vom 9. d.
M.
Herrn Walter Mayer …
Sehr geehrter Herr Meyer,
Ihrem Wunsche enteprechend gebe ich Ihnen Ihrem Brief
zurueck. (Anlage.)
- - - - - -
Was die Diskussionsmethoden in einer Diskussionsgesellschaft
anlangt, so ist es vielleicht nicht moeglich, alle Faelle in einer
gedruckten Diskussionssordnung vorzusehen. Darin haben Sie recht: Aufrichtigkeit
und Wahrheitsliebe muss man bei jedem Teilnehmer voraussetzen.
Andererseits: Die Faehigkeit, Sinn von Unsinn zu
unterscheiden, muss man ebenfalls bei jedem Teilnehmer voraussetzen, wenigstens
fuer den Fall, dass er, wo er beides nicht unterschieden hat, darauf
hingewiesen wird.
Aber:
1.) Die feste Ueberzeugung, dass ein anderer Unsinn geredet
hat, beweist noch nicht, dass er wirklich Unsinn geredet hat. In der Beziehung
ist heute noch belehrend die Diskussion, die
finden.)
2.) Lichtenberg sagte - - ueber Cartesius noch hinausgehend
- - man sollte an allem mal
zweifeln, sogar daran, dass 2 mal 2
= 4.
Wenn man das gelten laesst, so wird man es nicht gleich als Unsinn bezeichnen,
wenn einer andere Meinungen vortraegt, die
nach eignem Dafuerhalten den aeltesten und plattesten Selbstverstaendlichkeiten
widersprechen. In jedem Falle aber hat in einer Diskussionsgesellschaft
jeder Teilnehmer, der sich ordnungsmaessig zum Worte gemeldet hat, die Befugnis
die groebsten Irrtuemer innerhalb der geschaeftsordnungsmaessigen Redezeit, ohne
unterbrochen zu werden, vorzutragen.
3.) Benjamin Franklin hatte in der von ihm entworfenen Geschaeftsordnung
fuer die Philosophische Gesellschaft zu
Ich kann meinem Vorredner nicht beipflichten und zwar aus
folgenden Gruenden. Naeheres in den Memoiren Franklins. Sie haben vielleicht schon
bemerkt, dass ich
(J.Z.: Leider hatte auch dieses Verfahren B. nicht geholfen
genuegend andere Leute von einigen seiner Wahrheiten zu ueberzeugen. Das ist einer der Gruende die
1.) ein Ideen
Archiv,
2.) ein Lexikon
der besten Widerlegungen populaerer Irrtuemer,
3.) ein Handbuch
ueber die besten Redensarten die anzuwenden sind um die besten Erfolgschancen
zu haben,
4.) eine
ausfuehrliche Sammlung wie die von mir angefangene unter dem Titel: “Slogans
for
Aber ich habe auch
davon bisher nur sehr wenige ueberzeugen koennen. Mit genuegender Hilfe von
anderen koennten solche Hilfsmittel jetzt schnell und billig zusammengestellt
werden. Fuer einen Einzelnen sind solche Aufgaben zu umfangreich. – J.Z.,
13.9.03.)
2.) (Seite)
4. ) Entwurf zu einem Katalog
der Rechte des Menschen und Buergers von Erika Zube.
A.) Die bisher angestellten Entwuerfe einschl. derjenigen aus
dem 18-ten Jahrhundert unterscheiden meiner Meinung nach nicht genuegend
zwischen Rechten, Anrechten, Rechtsanspruechen und Befugnissen.
Zube ist der gleichen Meinung. Wir durchforchten die uns zugaengige
juristische Literatur, fanden aber nicht, was wir suchten. Das beste war noch eine
Schrift von Felix Dahn, dem beruehmten Schriftsteller. Er war nebenbei ein
scharfsinniger Jurist.
Beispiele:
"Recht auf Arbeit”. Die Bezeichnung erschien uns nicht
als genau genu. Wenn man die u.a. auch von Kant aufgestellte Regel
gelten laesst: “Das Recht ist mit der Befugnis zu zwingen verbunden”, so muss man
auch zugeben, dass dieses Recht nicht zu verwirklichen ist, wenn im Volke
sowohl wie bei den Regierungen eine solche Unwissenheit ueber die Ursachen der
Arbeitslosigkeit ( als Massenerscheinung ) besteht, wie gegenwaertig. Wie
haetten z.B. vor 10 Jahren die vielen Tausende von Arbeitslosen in
Wir ersetzten daher das "Recht auf Arbeit” durch
“die Befugnis
der Arbeitslosen durch Zusammenschluss in geeigneten Organisationsformen
arbeitsteilig ihren eignen Lebensunerhalt und den ihrer Angehoerigen sowie den
Lebensunterhalt der Arbeitsunfaehigen zu produzieren. Die Arbeitslosen haben ebenso
wie alle anderen Menchen ein Anrecht darauf, dass die Produktion nicht ausgebeutet
wird; sie haben einen Rechtsanspruch darauf, dass sie nicht auf die Barmherzigkeit,
Mildtaetigkeit, etc. ihrer Mitmenschen verwiesen werden.”
Im Augenblick habe ich die s.Zt. geschaffenen Formulierungen
nicht vor mir; wahrscheinlich waren sie besser als die vorstehende, aber der
Rechtsinhalt war der gleiche.
(Erika Zube legte ihrem Entwurf eine Zusammenstellung aus
den Briefen, Entwuerfen und Diskussions-Protokollen von B. zugrunde. – J.Z.,
13.9.03.)
B.) Der Professor Arnold Lien, i.J. 1947 Professor an der Washington-Universiltaet
zu St. Louis, Staat Missouri, erklaerte,
dass der Katalog der Menschenrechte noch nie abgeschlossen war und sehr wahrscheinlich
nie abgeschlossen sein wuerde.
Von Zeit zu Zeit werdem vorher unbeachtet gewesene Rechte bekannt
und gefordert. Zube fiel es s. Zt. Auf, dass z.B. das Recht, sich seiner Muttersprache
bedienen zu duerfen, weder im Text der UNO noch in einem andern uns zugaengigem
Text enthalten war. Zube kam darauf, als in den Staaten Indiens jede machthabende
Gruppe forderte, dass die Sprache ihrer Mitglieder Staatsprache sein muesse,
d.h., dass die Gerichte nur in dieser Sprache verhandeln duerften, u. dgl. Die
Anerkennung dieser Forderungen wuerde dazu gefuehrt haben, dass etwa ein Drittel der Inder vom oeffentlichen Leben, ja
von den Guetern der Zivilisation ausgeschlossen waere. Die Kaempfe sind noch in
vollem Gange. Am heftigsten sind sie z.Zt. auf
In Afrika geht es nicht anders zu als in Asien. In Europa werden
die Deutschen Sued-Tirols im Gebrauch des Deutschen in menschenrechtswidriger
Weise beschraenkt. Das berechtigt sie allerdings noch nicht, nun ihrerseits die
Menschenrechte zu verletzen und z.B. italienische Eisenbahnzuege zum Entgleisen
zu bringen, intalienische Schulen zu zerstoeren und auch sonst das Prinzip der
kollektiven, politischen Verantwortung zu befolgen.
Zube war auch der Meinung, dass es ein bisher uebersehenes
Menschenrecht sei, von der Anwendung diese abscheulichsten aller Moral-Prinzipien
verschont zu bleiben. (Ich folgte auch darin nur der B. “Partei”- Linie! –
J.Z., 13.9.03.) Bisher ist es nur durch die Haager
3.)
Landkriegsordnung verboten.
B. ) Tierschutz. Sie verlangen, dass der in die
Menschenrechte eingebaut werde.
(Zwar sind die Menschen auch eine Art von Tieren – aber sind
auch alle Tiere eine Art von Menschen? – J.Z., 14.9.03.)
Dazu moechte ich folgendes bemerken und weiss aus mehreren
Gespraechen mit Zube and mit der Erika, dass beide mir hier Recht geben.
(J.Z.:Dass er uns hier als Authoritaeten zitierte gefaellt
mir garnicht. Aber so etwas zu tun war fuer ihn schon Gewohnheitssache und
diente ihm, in seinen Diskussionen, sozusagen als ein Blitzableiter gegen
persoenliche Angriffe oder um nicht, mit seiner Meinung als ganz alleinstehend
betrachtet zu werden. Er zog, sozusagen, andere, Abwesende, oft auch nur
historische Personen und ihre Schriften, auf seine Seite, in einer Diskussion
oder Korrespondenz zwischen nur zwei Personen hinein und kriegte mit der List die
Mehrheit, in dieser Auseinandersetzung mit nur einem Anderen, auf seine Seite.
– J.Z., 13.9.03.)
Die Menschenrechte sind Rechte, welche dem Menschen von keiner
Regierung, von keiner Majoritaet, von keiner Kirche und von keiner machthabenden Gruppe genommen
werden koennen. Jeder Versuch, die Menschenrechte u unterdruecken ( oder auch nur ein Menschenrecht
zu unterdruecken ) berechtigt zum Widerstand und verpflichtet in
ernstlichen Faellen zum Nachdenken ueber die Moeglichkeiten einer Revolution.
Beispiel: Nazismus.
Ein Katalog der Menschenrechte soll die Menschen darueber
belehren, in welchen Faellen sie Widerstand zu leisten berechtigt sind und an
die Hilfsbereitschaft aller Menschen appellieren koennen und sogar sollen.
Die von so vielen Regierungem proklamierte Thesis: Was wir
mit unsern Untertanen anstellen is innere Angelegenheit des Staates und geht
keinen Auslaender etwas an - - diese Thesis also erkannten die Zubes nicht an und
behielten sich vor, sie in einem noch zu formulierenden Katalog der herrschenden
Social-Unrechts-Theorien zu verweisen.
Verletzungen der Menschenpflichten gegenueber den Tieren ist
eine schlimme Sache; ich stimme mit Ihnen darin ueberein, dass die bestehende
Tierschutzgesetzgebung nicht weit genug geht. ( Ist auch Meinung der Zubes.) Aber, berechtigt Tierquaelerei oder “Tiermord"
die Tierfreunde zur Toetung der Tierquaeler oder zur Revolution gegen Regierungen
welche die Tiere nur ungenuegend schuetzen?
Waere diese Frage mit Nein zu beantworten, so waere
der Tierschutz kein Item fuer die Menschenrechte.
D.) Sie fordern Heranziehung der Moralgrundsaetze, der
Ergebnisse der Philosophie und der philosophisch fundierten Jurisprudenz bei
der Herstellung eines Kataloges der Menschenrechte. Sie forderm auch die Beruecksichtigung
dessen, was fruehere Denker auf dem Gebiet geleistet haben.
Es waere sehr wuenschenswert, wenn ein Autor oder gar
mehrere Autoren einen Kommentar zu den Menschenrechten schrieben; der das alles
leistet. Ein fuer das Volk bestimmte Deklaration sollte aber nicht
aufgeschoben werden, bis der Kommentar fertig ist. Auch darf die Verstaendlichkeit
der Deklaration nicht dadurch beeintraechtight werden, dass darin Saetze
vorkommen, die das Volk nicht versteht oder gar falsch versteht.
E.) Verhaeltnis der Menschenrechte zu den
Menschenpflichten.
Zubes behaupten, und ich gebe ihnen da recht, dass die
oberste Menschenpflicht ist:
Die Menschenrechte zu verteidigen, ihre Kenntnis zu
verbreiten und ueber Widerstands-Methoden nachzudenken, wenn sie verletzt
werden.
Wenn Sie sagen: "Das Verhaeltnis von Recht und Pflicht
muss also aufgehellt werden”, so kann ich dazu nur bemerken: Waere sehr verdienstlich.
Semper aude !
F.)) Sie sagen: “… dass eine ontologische Fundierung der Gerechtigkeit
( also eine "Erklaerung aus dem Sein heraus) moeglich ist und habe darueber
bestimmte Vorstellungem …”
(J.Z.: Die beste und ganz praktische Ableitung der
Menschenrechte aus dem “Sein”, aus unserer Menschennatur, die mir bekannt is,
hat Patrick Brooks in einem Vortrag vor AIR Mitgliedern (Alliance for
Individual Rights) in Sydney vor vielen Jahren gegeben, in dem er darstellte:
Wir haben Ohren. Davon duerfen wir schliessen, dass wir, unserer Natur nach,
das Recht haben, Informationen durch Hoeren einzuholen. Wir koennen sprechen:
Daraus duerfen wir schliessen, dass wir das Recht haben, Informationen
muendlich weiterzugeben. Wir haben die Faehigkeit zu schreiben, zu drucken und
Meinungen zu senden. Daraus ist zu schliessen, dass wir das Recht haben, diese
Faehigkeiten zu gebrauchen. Wir koennen uns vereinen und versammeln: Daraus ist
zu schliessen, dass wir das Recht haben, uns zu vereinen und zu versammeln. Wir
koennen uns bewegen, auch ueber nationale Grenzen hinweg. Daraus ist zu
schliessen, dass wir das Recht haben, aus- und einzuwandern. Wir koennen Handel
treiben, produzieren, auch Wertzeichen die nur uns verpflichten, anfertigen und
als unser Geld anbieten. Und so fort. Alle diese Rechte koennen ausgeuebt
werden – und muessen ausgeuebt werden ohne dadurch die gleichen Rechte anderer
Leute zu verletzen oder zu beeintraechtigen. Wer hat das Recht, wer hat wem die
Autoritaet gegeben, andere an der Ausuebung dieser Grundrechte zu hindern? –
J.Z., 13.9.03.)
Kant sagt in der Kr.d. r.V., Ausgabe B, S. 759, Anmerkung
(Kehrbach-Reclam’sche Ausgabe, S. 560, unten):
“Noch suchen die Juristen eine Definition zu ihrem Begriff
von Recht.”
Die Sache ist also sehr schwierig.
4.)
recht ergeben koennte.
( J.Z.: Beckerath, als Anhaenger von
Kant, kannte natuerlich auch Kant’s Definition des Rechts and fand an ihr
Nichts auszusetzen. Mir ist bis jetzt auch noch keine bessere bekannt geworden,
obwohl ich bei jeder Gelegenheit solche Definitionen gesammelt habe. Nimmt man
die Kantische Definition an, die auch gleiche Rechte, Pflichten und Freiheiten
einschliesst, dann ist die Ableitung von speziellen Grundrechten,
Menschenrechten oder Naturrechten daraus nicht sehr schwierig und es liegt mit
dieser Definition auch ein guter Massstab vor, um angebliche Menschenrechte auf
ihren wirklichen Rechtgehalt hin zu pruefen. Das wurde von B. und uns auch bei
unseren Entwuerfen getan. Aber wir wuerden gerne noch bessere Entwuerfe gesehen
haben, konnten sie aber, leider, nicht finden. – J.Z., 13. 9. 03.)
Z.B. hat das Bundesverfassungsgericht
hier wertvolle Vorarbeit geleistet. Die Richter geben sich grosse Muehe, das wahre
Recht aufzufinden und schrecken vor keiner Konsequenz zurueck, wenn sie es aufgefunden
haben.
(Meine Erfahrung oder mein Lesen
ueber Richter und Rechtsanwaelte war, leider, meistens, ganz anders: Sie
bekuemmern sich sehr wenig um Menschenrechte, Naturrechte und Grundrechte und
nehmen nur “positive” Gesetze ernst, sogar wenn diese ganz offensichtlich die
Menschenrechte usw. verletzen. Es gibt einige, aber all zu wenige Ausnahmen.
Die “Rechtmaessigkeit” der Gesetzesflut wird von ihnen meist ohne Zweifel
anerkannt und wenn sie ins Parlament kommen, dann tun sie gewoehnlich nur “ihr
Bestes” um diese noch schlimmer zu machen. Nur sehr selten haben sie ein Gesetz
als ganz ungerecht verurteilt und sich geweigert, es anzuwenden. – J.Z.,
13.9.03.)
Die deutsche Finanzverwaltung musste
vor einigen Jahren Millionen von Steuerbescheiden berichtigen, nachdem das
Bundesverfassungsgericht erklaert hatte: Bei der Veranlassung von Ehepaaren sind
falsche Rechtsgrundsaetze zum Nachteil der Ehepaare angewandt worden. Auf den Einwand
der Regierung: Aber, wer soll denn die Arbeit leisten??? erklaerte der Richter:
Das interessiert uns nicht. Warum habt Ihr nicht selbst festgestellt,
dass euere Veranlagungsmethoden unrechtmaessig waren?? Das haettet ihr sehr wohl gekonnt!
G.) Sie sagen: “Vor allem gehoert hierzu die Beantwortung
der Frage: “Warum muss ein Verstandeswesen gerecht
Sein?” Wenn ich
H.) Benachbarte Probleme. Da muss ich Ihnen recht geben. Es laesst
sich nicht vermeiden, die aufzuloesen, wenn z.B. ein Gottglaeubiger einem Atheisten die Frage
vorlegt: Wuerde das Recht unter den Menschen respektiert werden, wenn sie nicht
fuerchteten, vom lieben Gott fuer Unrecht bestraft zu werden? Schopenhauer eroertert
den Fall in gruendlicher und geistreicher Weise.
I. ) Wortlaut der Menschenrechte. Soviel mir bekannt sind sie im Wortlaut bei
der Liga fuer Menschenrechte zu haben.
J.) Sie sagen: “ … dass die Welt vor allem ein ethisches Problem
birgt oder ist …” Da koennten Sie recht haben. Da aber der Mensch, wenn Kant
recht hat, ein Naturprodukt ist, so scheint es nicht ganz abwegig, die
Ethik als einen Teil der Naturwissenschaft aufzufassen. Sie besitzen, so viel ich
weiss, Kant’s “Populaere Schriften”, Ausgabe der "Deutschen Bibliothek".
In der Abhandlung: “Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht fuer die
Praxis”, Seite 87 ( meiner Ausgabe), sagt Kant:
“Fragen wir
nun, durch welche Mittel dieser immerwaehrende Fortschritt zum Besseren duerfte
erhalten und auch wohl beschleunigt werden, so sieht man bald, dass dieser ins
unermesslich Weite gehende Erfolg nicht sowohl davon abhaengen werde, was wir
tun, ( z. B. von der Erziehung, die wir der juengeren Welt geben) und nach
welcher Methode wir verfahren sollen, um es zu bewirken; sondern von
dem, was die menschliche Natur in und mit uns tun wird, um uns in ein
Gleis zu noetigen, in welches wir uns von selbst nicht leicht fuegen
wuerden. Etc."
Das ist eine voellig neue Auffassung der Ethik. Volney in
seiner Schrift “Les Ruines etc.” (1791) und der Ergaenzung dazu “La loi naturelle etc."(1794)
hat fast die gleiche Ansichten geaeussert. Kant veroeffentlichte seine
vorgenannte Abhandlung im Sept. 1793. Die “Ruines” hat all schwerlich gekannt,
denn waehrend der Revolutionszeit gelangten franzoesische Buecher nur sehr
ausnahmsweise nach Preussen, und gar Buecher philosophischen und
staatswissenschaftlichen Inhalts nur auf Schleichwegen. Andererseits ist nicht
anzunehmen, dass Volney i.J. 1794 die Abhandlung Kant’s aus dem Jahre 1793 gekannt
hat. Es zeigt sich hier die in mancher Hinsicht troestliche Erscheinung, dass
wichtige Gedanken oefters in mehreren Koepfen zugleich oder fast zugleich
erstehen. Wenn also einer der hier in Frage
kommenden Reformer umgebracht oder eingesperrt wird, dann gelangt der
Gedanke - - wie ein Naturprodukt - - doch in die Welt.
Nebenbei: Volney fasste den Plan zu seinen beiden Schriften
auf den Ruinen von Palmyra. Umgeben
von den Truemmern eines mal sehr
5.)
maechtig und sehr kultiviert gewesenen Reiches fragt er
sich: Wie konnte das untergehen?
(Volny’s saemtliche Werke schenkte mir Zube vor einigen
Jahren. Ich lese auch jetzt noch oefters darin und immer mit einigem Nutzen
fuer
K. ) Sie sagen: “… dass die Menschenrechte in erster Linie
ein philosophisches Problem darstellen. …”. Wenn man den Begriff
“philosophisch” nicht zu eng fasst, dann haben sie recht. Immerhin: Der Teil
“Menschenrechte” in der Amerikanischen Verfassung ist von Jefferson, der von Franklin
und von Thomas Paine beeinflusst war. Die Franzoesischen Menschenrechte von
1789 sind von
L.) Sie sagen: “ Es liegt mir fern, Zubes mit diesen
Ausfuehrungen etwa den Mut nehmen zu wollen.”
Was das anlangt, so habe ich kein Bedenken. Zube ist mit
groesstem Mut an die schwierigsten und fuer ihn gefaehrlichsten Probleme
herangegangen, und erst als sein Leben unmittelbar bedroht war, ist er ins
Ausland gegangen. Ihre Ausfuehrungen werden Z. gewiss interessieren. (Aus
Zeitmangel wird er Ihnen wohl nicht gleich antworten.) Aber den Mut, seine von
allen anderen abweichenden Ideen an die Oeffentlichkeit zu bringen, sowie sich
eine Gelegenheit bietet, wird ihm niemand nehmen. Seine Frau ist aus dem
gleichen Holz geschnitzt. Dass sie nicht nur literarischen Mut besitzt ergibt
sich schon daraus, dass sie Judo gelernt hat um sich auch vor
Aggressoren anderer Art nicht fuerchten zu muessen. Z. ist ein Schuetze von
Qualitaet. Training im Schiessen erhoeht bekanntlich den angeborenen Mut.
M.) Mitarbeit mehrerer Personen an der Verbreitung der
Kenntnis der Menschenrechte und an der Erweckung des Interesses an ihnen.
Sie wissen, was Ihr Freund Ruckhaber ueber die Notwendigkeit
geschrieben hat, einen dem wirklichen Fortschritt gewidmeten Verlag schaffen.
(*)
Vielleicht koennen Sie
in der Beziehung etwas tun.
(Mit den aufgezwungenen
oder automatisch eingeschobenen Linien von Microsoft, siehe unten, kann man
meist ebensowenig argumentieren wie mit der Parteilinie einer Einheitspartei.
Ich gab es hier wieder auf. – J.Z., 14. 9.03.) - - - - - - - Mit bestem
(*) ( J.Z.: Jetzt
koennte das jeder tun, der sich einen computer leisten kann, und, z.B., bis zu
3000 Freiheitswerke auf einer einzigen CD-ROM reproduzieren, die als Rohstoff
nur etwa $ 1 kostet. Aber sie mit so vielen digitisierten Texten zu fuellen ist
fuer den Einzelnen zu viel. Das braucht Arbeitsteilung und auch Arbeit der
Liebe – fuer die am meisten geschaetze Freiheitsliteratur – unter
verhaeltnismaessig vielen Lesern. Die fehlen immer noch, weil sie immer noch
entweder am Papier oder den Webseiten steckengeblieben sind.
Selbst durch e-mail
liessen sich ein bis zwei Buecher in einer bis zu 1 Mb Akte als Anlage
uebersenden und auf einer billigen 1.44 Mbs
Ulrich von Beckerath
6. X. 1961
(1) Berlin-Friedenau
Ihr Brief vom 3. cr.
Herrn stud. Phil. Walter Meyer
Bremer Strasse 76.
Sehr geehrter Herr
Meyer,
zum Absatz 3, Nr. 1 Ihres Briefes: Wenn Kant die
Materie als “Ding an sich” aufgefasst haben wuerde, dann laege allerdings ein
Widerspruch mit seiner Theorie des “Ding an sich” vor. Aber Kant hat diese
Auffassung ausdruecklich abgelehnt. Sie finden die betr. Stellen in der
K.d.r.V. leicht in Ihrer Vorlaender’schen Ausgabe an Hand des von Vorlaender
beigefuegten, alphabetischen Inhaltsverzeichnisses.
Schopenhauer folgt hier Kant. Im Kap. 24 des 2-ten Bandes
der W.a.W.u.V. legt Sch. Seine Meinung ueber die Materie dar und verweist auf
einige Stellen, die nicht im 24-sten Kapitel enthalten sind.
Zu Nr. 2: “Materie”
und "Kraft” sind per analogiam ungefaehr in dem Sinne verschieden, wie Elektrizitaet
und Magnetismus verschieden sind.
Aber, wie Maxwell und andere gezeigt haben, haben beide
Naturkraefte doch so viel Gemeinsames, dass es nicht unlogish ist, beide als
Modifikationen einer Naturkraft zu betrachten. Eine weitere Analogie: Diamant
und Graphit sind in vielem sehr verschieden, und doch ist es richtig zu sagen:
Beide sind Kohlenstoff.
Die Vorstellung, dass die den Raum erfuellende Kraft eines
Koerpers dem Wesen nach Energie ist, findet man doch bei neueren Physikern
haeufig.Im wesentlichen ist das die Vorstellung Kant’s, wenn auch in anderer
und vollkommenerer Ausdrucksweise. Im Woerterbuch von Kirchner-Michaelis finde
ich, dass Arthur Young schon i.
J. 1807 Wort und Begriff “Energie”gepraegt hatte; es dauerte aber Jahrzehnte bis
seine Neuerung sich durchgesetzt hatte. Noch Robert Mayer verwendete den Ausdruck
“Kraft”, und Helmholtz verwendete noch i. J. 1847 diesen Ausdruck. (“Ueber die Erhaltung
der Kraft”)
- - - - - -
Ihrer Bemerkung, dass sogar grosse Geister wie Kant und
Schopenhauer sich irren koennen pflichte ich nicht nur bei, sondern ergaenze
sie durch die Feststellung, dass beide sich manchmal geirrt haben. Hat
doch Kant in den “Prolegomena” ganz offen zugegeben, dass er zu einer richtigen
Auffassung der Kausalitaet erst durch die Abhandlung des David Hume gekommen
sei. Ueber Hume ist er dann allerdings weit hinausgegangen.
- - - - - -
Was den formalen Pflichtbegriff Kant's anlangt, so
ist seine Ausdrucksweise allerdings nicht die beste.
Der Lehrsatz III im Par. 4 der “Kritik der praktischen Vernunft”,
lautet:
"Wenn ein vernuenftiges Wesen sich seine Maximem als
praktische, allgemeine Gesetze denken soll, so kann es sich dieselben nur als solche Prinzipien denken,
die nicht der Materie, sondern bloss der Form nach den Bestimmungsgrund
des Willens enthalten. Etc."
Bei dieser Ausdrucksweise kommt man nicht darauf, das Kant den
Widerstand des Thomas Morus gegen den auf ihn vom Koenig Heinrich VIII. ausgeuebten
Druck unter diese Form bringen wollte. Was Kant unter der Form verstand,
versteht man erst nach mehrmaligem Durchlesen des Par. 4 und anderer Stellen.
Aber, was er eigentlich meinte, versteht man sofort, wenn man im zweiten Teil
der Kr. d. pr. V., Seite 178 der Vorlaender’schen Ausgabe, Seite 277 der
Ausgabe von 1787, nachliesst, was Thomas Morus moralisch geleistet hat.
2.)
Man muss bedenken, dass
Friedrich II. von Preussen, unter dessen Regierung Kant unbeschraenkte Freiheit
der Meinungsaesserung
hatte, i. J. 1786 gestorben war. I. J. 1787, dem Druckjahr der ersten Auflage
der Kr.d.prakt. Ver. regierte schon der
Minister Woellner. Der hatte gleich nach seinem Amtsantritt verkuendet, dass er
Edikte vorbereite, nach denen jeder Autor mit schweren Unannehmlichkeiten
rechnen muesse, der die “reine Lutherische Lehre” angriffe. Am 9.7.1788 erschien
denn auch das Preussische Religionsedikt, und am 19.12. 1788 das Zensuredikt. Die
Zensoren waren Hermes, Woltersdorf und der Ober-Konsistorialrat Hillmer.
Vorlaender erklaert sie fuer “ebenso beschraenkt wie verfolgungssuechtig”.
(Imerhin hatte Hillmer das Manuskript des Kapitels: “Ueber
das radikale Boese in der menschlichen Natur” der “Religion …” mit seinem “Imprematur”
versehen und hatte dazu geschrieben: “ … dass er die Schrift, wie die uebrigen
Kantischen, nur nachdenkenden, untersuchungs- und unterscheidungsfaehigen
Gelehrten, nicht aber allen Lesern ueberhaupt bestimmt und geniessbar finde.”
Hermes war ein Biest und bereitete Kant vielen Kummer.
Obwohl ich darueber in den Biographien Kant’s nichts finde, bin
ich doch ueberzeugt, dass Kant sehr viele Stellen seiner Schriften absichtlich in
einer schwer verstaendlichen Ausdrucksweise abfasste, um die Zensur irrezufuehren.
Kant nahm dabei auch auf die auserpreussische Zensur Ruecksicht, z.B. auf die
ganz ueberaus strenge, oesterreichische, allerdings ohne Erfolg. Die Jesuiten
verboten die Schriften Kants.
Die wenigen Schriften, die Kant - - in hohem Alter - - nach
dem Tode des Koenigs Friedrich Willhelm II. Herausgab, sind alle
leichtverstaendlich geschrieben, vor allem die “Anthropologie” und der
"Streit der Fakultaeten”. (Vielleicht hatte er die auch schon viel frueher
geschrieben aber einfach nicht veroeffentlicht. – J.Z., 13.9.03.)
Dass die ethischen und die religioesen Schriften Kant’s,
abgesehen von der Darstellung, nicht ueberholt sind, davon bin ich ueberzeugt.
Die erkenntnistheoretischen Schriften, ausgenommen die aus der vor-kritischen Periode,
sind nach meiner Ueberzeugung gleichfalls nicht ueberholt, koennten aber wohl
ergaenzt werden.
Dass ich meine Meinung auf dem kurzen Raum, den ein Brief
mir laesst, nicht eingehend begruende, werden Sie verstehen.
Dass eine neue Philosophie
im Entstehen ist, scheint mir auch. Dass sie an wertvollen Gedanken mehr bietet
als Kant habe ich bis jetzt noch nicht finden koennen. Aber, Kant hat ja bei
weitem nich alles gesagt, was er sagen wollte, und um die hier vorhandene
Luecke koennten sich die Neueren sehr wohl mit Erfolg bemuehen.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
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- - - - - - - - -
Menschenrechte. Der Text der UNO ist wohl durch eine der
Berliner Organisationen erhaeltlich, z.B. durch die “Deutsche Liga fuer
Menschenrechte”, Berlin-Halensee, Kurfuerstendamm 71, Tel.: 97 56 35.
Ich ziehe die Bezeichnung “Rechte”
vor. Bei Verletzung eines Rechtes ist jeder rechtlich Gesinnte indirekt aufgefordert,
den Betroffenen irgendwie zu helfen. Bei Verletzung einer Freiheit ist das nur
dann der Fall, wenn der Betroffene auf die Freiheit einen rechtlichen Anspruch hatte.
Nicht jede Freiheitsbeschraenkung ist zu verwerfen. Die
Beschraenkung der Freiheit der Automobilisten, mit einer von ihnen selbst fuer
zulaessig befundenen Geschwindigkeit die Strassen unsicher zu machen, hat sich sehr
guenstig ausgewirkt und allein in Berlin Hunderten von Menschen Ihr Leben und ihre
Gesundheit erhalten.
(J.Z.: Fussgaenger sind ja auch Verkehrsteilnehmer und haben
ebenfalls Rechte, auf die andere Verkehrsteilnehmer Ruecksicht zu nehmen haben.
Kommt hinzu, dass sie unter nicht-staatlichen Verhaeltnissen in einer oder
anderer Form auch Miteigentuemer der Strassen sein wuerden und der
Versicherungsgesellschaften, die mit Verkehrsunfaellen zu tun haben und daran
interessiert sind die Versicherungsauszahlungen zu verringern. – J.Z.,
13.9.03.)
3.)
Das “Rechtsmoment” ist also nicht auszuschalten, wie mir scheint.
Wenn man, wie Hobbes meint, der Staat ( genauer: die Regierung
) koenne keine Rechte verletzen, weil der Staat selbst der Gesetzgeber
sei, so begeht man einen zweifachen Irrtum.
I.) Rechte und Pflichten
haben viele Jahrtausende hindurch bestanden, bevor der erste Staat gegruendet
wurde. Bensonders gut von Herder dargelegt in seinen Ideen zur
Philosophie der Geschichte der Menschheit, ferner gut auf Grund neuerer Forschungen
von Friedrich Engels in seinem Werk ueber die Familie, den Staat, etc.
II.) Gesetz und
Recht decken sich oefters nicht. Gerade aus dieser Erkenntnis heraus sind die Menschenrechte
formuliert
worden; sie sollen die Feststellung erleichtern, ob etwa ein Gesetz rechtswidrig
ist, jeder
rechtlich
Gesinnte also helfen sollte, es zu beseitigen.
Da die Kommunisten mehrere Freiheiten in rechtswidriger Weise
verletzen, so verletzen sie damit auch das Recht.
Eine Zeit lang war in der russischen Armee jeglicher Alkohol
verboten. Damit war offenbar eine alte Freiheit der russischen Soldaten
verletzt.
Beispiel: In der Schlacht bei Belle Alliance da machten die
damals beruehmten Milhaud’schen Kuerassiere in besoffenem Zustand und mit
gezogenem Saebel einen Angriff auf preussische Infanterie. Der Angriff war
durchaus erfolgreich, bis die Kuerassiere eiligst herangeholten preussischen
Verstaerkungen weichen mussten. Ferner:
Andererseits: Waehrend des letzten Krieges war ich oefters Luftschutzwart.
Ein Mitglied der Wache kam oefters besof f en zum Dienst. Bei einem Luftangriff
kann nun ein Besoffener leicht in die Lage kommen, dass er, anstatt zu helfen,
selbst hilfsbeduerftig wird. An dem Verhalten eines Mannes kann sehr viel
gelegen sein. Meine Pflicht waere es gewesen, den Kerl zu melden; ich habe es nicht
getan, aber ein gutes Gewissen dabei habe ich heute noch nicht. Jedenfalls: Ein
zum Wachdienst Kommandierter hat keinen Rechtsanspruch auf die Freiheit, sich zu
besaufen, nicht einmal, wenn er Antimilitarist ist. Mag er meutern, aber saufen
und dadurch die Kameraden gefaehrden darf er nicht.
Ergebnis: Der Soldat kann aus guten, militaerischon
Gruenden die Erlaubnis bekommen oder sogar den Befehl erhalten, sich einen Rausch
anzutrinken. Ein Recht darauf hat er nur in Ausnahmefaellen.
Sie sagen: "Gerechtigkeit setzt erst ein, wo ein
staatliches Gesetz verletzt wurde.”
Darauf erwidere ich:
A.)
Es gibt schlechte Gesetze, die gerade ein rechtlich
Gesinnter sich bemueht zu verletzen. Beispiel: Die Rassengesetze in
B.)
Strassenkreuzung; rotest Licht. Ein offenbar den
“hoeheren Staenden” angehoerige Dame will trotzdem mit Kinderwagen and Baby ueber
die Strasse. Ein Arbeiter reisst sie sehr unsanft zurueck und rettet dadurch
ein vorbeistuermendes Polizeiauto, die Frau, das Kind und den Wagen. Dame
schreit: Das ist eine taetliche Beleidigung! Sie sind kein Polizist und haben
mir gar nichts zu sagen! Hier bleiben Sie stehen! Ich lasse Ihren
Namen feststellen!
Das gerettete Polizeiauto hat hinter der Kreuzung gehalten
und zwei Polizisten kommen auf die Gruppe zu. Beide bedanken sich unter dem Beifall der
Umstehenden bei dem Arbeiter fuer ihre Rettung. Dame schreit immer noch: Ich verlange, dass Sie den Kerl
aufschreiben! Den zeige ich wegen taetlicher Beleidigung an! Den Aermel an meinem
Kleid
4.)
hat er mir zerrissen! Bitte - - sehen Sie!
Der Polizeileutnant (oder wie der Titel heute heisst) nimmt
Buch und Bleistift zur Hand und bittet, sehr hoeflich, den Arbeiter um seine Adresse.
Der Arbeiter teilt sie ohne weiteres mit. So - - sagt dann der Polizeier
- - und jetzt schreibe ich Sie auf, meine Dame!! Ich werde Sie
naemlich anzeigen!! Den Herrn habe ich nur als Zeugen notiert.
“Dame” schreit: Und auf Grund welches Gesetzes darf
der Kerl
Polizeier: Mir ist kein Gesetz bekannt, das man hier
anwenden koennte, aber das Recht war auf seiner Seite. Darueber wird Sie
das Gericht belehren.
1.
Beifall der Umstehenden. Dann noch ein bisschen Krach von
der in solchen Faellen ueblichen Art.
Es ist also nicht so, dass Gerechtigkeit erst einsetzt, wo ein
staatliches Gesetz verletzt wurde.
- - - - - - - - -
Informationsfreiheit.
Beispiel: Ein Lehrling holt den Boccaccio aus der Tasche und
beginnt zu lesen. Sein Nachbar, ebenfalls Lehrling, 16 Jahre alt, sehr fromm
erzogen und seiner Kirche aufrichtig ergeben, guckt neugierig, wie ja auch fromme
Jungens manchmal sind, in das Buch und
ist entsetzt. Er tut das, was er fuer seine Christenpflicht haelt, reisst seinem
Kollegen das Buch aus der Hand und erklaert, das er es per Post den Eltern des
andern zusenden werde. Das tat er. Aber, der Vater des Boccaccio Freundes war kein
Philister. Vor Gericht gab er zu, dass sein Sohn das Buch
seiner Bibliothek entnommen habe, ohne ihn zu fragen. Das waere aber noch kein Grund,
den Jungen anzuschnauzen oder gar zu pruegeln. ( Er hatte den frommen Christen
wegen Raub angezeigt. ) Ausserdem machte er vor Gericht geltend, dass der Christ
kein Recht hatte, ohne Erlaubnis in das Buch hineinzusehen. Die Entscheidung war
schwierig. Der Richter wies die Beschuldigung des Verteidigers des Christen zurueck,
wonach der B.-Leser “oeffentliches Aergernis” erregt habe. Der Richter gab dem
Vater recht: Niemand (anders – J.Z.) hatte das Recht, in das Buch hineinzusehen.
Den Christ aber sprach er frei, weil ihm ganz offenbar das Bewusstsein fehlte, eine rechtswidrige Handlung begangen
zu haben. Worauf allerdings der Vater fragte: So - - und wenn der Luemmel meinem
Sohn brennendes Pech ueber’n Kopf gegossen haette? Auch dann wuerde er gemeint
haben, als frommer Christ dazu berechtigt
zu sein. Der Richter antwortete - - weise - - die Verhandlung sei geschlossen, ausserdem haette ein Richter keine Rechtsgutachten
abzugeben.
Die Neue Zuercher Zeitung berrichtete vor 2 oder 3 Jahren einen
Fall, wonach ein Feldwebel einem Soldaten eine sozialistische Zeitung einfach weggenommen
hatte, weil die Zeitung sozialistisch war. Die NZZ berichtete leider
nicht, wie die Sache ausgegangen war, denn dass die Redaktion der Zeitung sich
so was nicht gefallen liess, ist klar. Der Feldwebel hatte die Informationsfreiheit
des Soldaten verletzt.
Geschehen einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg zu Koeln. Ein
Kollege von mir sitzt an einem Sonntag Nachmittag am Fenster und liest in
Haeckel’s "Weltraetseln". Nun sind in Koeln die meisten Haeuser unpraktischerweise
so gebaut, dass man von der Strasse aus bequem in die Parterre-Wohnungen hineinsehen
kann. Kommt also ein katholischer Geistlicher
daher, sieht sich von der Strasse aus dem ihm zugekehrten Einband des Buches an
und bruellt gleich los: Ich verbiete Ihnen dieses Buch zu lesen.
Oeffentliches Aergernis fuer alle vorbeigehenden Katholiken, etc. Mein Kollege
legte dem Herren nahe, sich schleunigst wegzubegeben, da sonst vielleicht ein
Anhaenger Haeckel’s sich ein vom Apostel Paulus bezeichnetes, gewisses Gefaess gerade
dahin
5.) ausgiessen koennte, wo Hochwuerden sich aufgepflanzt und
einen wirklich Aergernis erregenden Spektakel vollfuehrten.
( Nebenbei: Die Gefaesse sind erwaehnt: Roemer 9, 21 und Timotheus
2, 20.)
Der Pfaff schrie noch allerlei von “Schutzmann holen",
kam dann aber nicht wieder. Heute waere eine solche Szene sogar im klerikalen Koeln
unwahrscheinlich, in
Der Kampf fuer Informationsfreiheit galt bisher im Wesentlichen
den Bemuehungen der Regierungen ihren Untertanen die
Informationsfreiheit zu verkuemmern, oder den Bemuehungen mancher Vorgesetzter,
dasselbe mit ihren Untergebenen zu tun. Mir scheint, dass man die Mitglieder einer
Regierung, die z.B. verbietet, West-Berliner Sender zu hoeren, deswegen nur
sehr ausnahmsweise ins Gefaengnis stecken kann. Ein §, wie Sie ihn vorschlagen, waere daher wohl nur gegen
Privatpersonen anwendbar und auch gegen die nicht immer. -1
Manche Menschenrechte werden von Regierungen immer nur
unvollkommen oder gar nicht geschuetzt werden. Auch bin ich der Meinung, dass
die Anhaenger der Menschenrechte ueberhaupt nicht immer gleich an ihre “zustaendige"
Regierung denken sollten, wenn sie ihre Rechte wahrnehmen wollen. Ich halte es fuer
richtiger, hier altgermanische Traditionen fortzusetzen.
Die altgermanischen Traditionen enthielten Bestimmungen ueber
die "Aechtung”, und noch die Vehmgerichte aechteten diejenigen, die
sie nicht gleich belangen konnten. Goethe, im "Goetz von Berlichingen"
stellt die Sache ganz richtig dar.
Wenn etwa eine der vielen Liguen fuer Menschenrechte die Hilde
Benjamin aechteten, jedem, der sie unschaedlich macht, Schutz und Hilfe
versprechen wuerden, das Weib ueberhaupt als ausserhalb des
Gesellschaftsvertrages stehend erklaerten, dann wuerde das Eindruck
machen, und zwar in der ganzen Welt.
Manche Vereinigung wuerde sich anschliessen, und der Hilde
selbst wuerde zumute werden wie im Mittelalter einem Regenten, den die Kirche
in den Bann getan hatte.
In die Verfassung aber koennte sehr wohl eine Bestimmung eingefuehrt
werde, analog dem Artikel 27 de Franzoesischen Verfassung von 1793. Der Artikel
wurde dem alt-roemischen Recht entnommen, auf Grund dessen z.B. Caesar nicht
ermordet, sondern von 21 ihner Buergerpflicht bewwussten Buergern hingerichtet
wurde.
Naeheres bei Montesquieu, “Ueber die Groesse der Roemer etc."
Die Jahreszahl “1793” koennte zu dem Irrtum fuehren, dass die
Verfassung die Grundsaetze der Schreckenszeit enthielt. Die Verfassung
war aber entworfen von dem Girondisten Herault de Sechelles. Wenige Wochen nach
ihrem Inkrafttreten wurde sie von den Schreckensleuten ausser Kraft gesetzt, und
der Verfasser wurde am 5. 4. 1794 zusammen mit seinen Freunden Danton, Camille
Demoulins und anderen guillotiniert.
(Mit meinem alten computer und Windows 98 E und “veralteten”
“keyboard” konnte ich auch franzoesische Accente ohne viel Muehe anbringen. Mit
dem “fortgeschrittenen” neuen, leider, nicht! – J.Z., 14.9.03.)
Bei der Kodifizierung der technischen Einzelheiten der
Aechtung wird mancher Usus der alten Vehmgerichte verwertet werden koennen.
Ein bescheidener Anfang zur Verwirklichung der vorstehend angedeuteten
Gedanken ist uebrigens schon gemacht worden in der Konvention zum Schutz
der Menschenrechte und Grundfreiheiten. Hierzu ist in diesem Jahre ein wertvolles
Buch erschienen: Goldmans gelbe Taschenbuecher, Nr. 759/760, DM 4.-, "Europa-Gesetze”
von Dieter Kakies. Die Hauptarbeit aber ist - - ich wiederhole es - - von
Privatvereinigungen zu leisten. Die Moeglichkeiten von Regierungen; auch der
besten, sind beschraenkt. Ich befuerchte, dass die Ursachen, welche vor dem ersten
Weltkrieg die Haager Konventionen fast wirkungslos machten, dann nach der
Gruendung des Voelkerbundes ihn laehmten und jetzt die UNO in eine Lage versetzt
haben, dass sie kaum noch jemand ernst nimmt, dass diese Ursachen also auch die
neuen
6.)
Konventionen hindern werden zu sein, was sie sein sollten.
- - - - - - -
Alle Moeglichkeiten der Verletzung der Menschenrechte,
z.B. auch der Einschraenkung der Informationsfreiheit, in einem Kodex im voraus bestimmen zu wollen,
halte ich fuer ein aussichtsloses Unternehmen.
Der Mangel an Rechtssinn der Regierungen, der Parteien und
anderer Gruppen ( Geheimbuende innerhalb der bewaffneten Macht, wie nach 1918 in
Deutschland und z.Zt. in Frankreich ) offenbart in kurzen Zeitabstaenden neue Abscheulichkeiten, an die man frueher nicht
gedacht hatte.
In Suedtirol z.B. erkennen weder die italienischen Terroristen
noch die deutschen ( Nazi ) Terroristen das Recht der Buerger an, sich aus ihren
( der Terroristen ) Streitigkeiten herauszuhalten.
Mein i.J. 1947 verstorbener Freund H.-L. Follin wuerde in dem
Tiroler Falle die Grundsaetze der von ihm gegruendeten Republique Supranationale
angewendet haben. Er wuerde fuer die Deutschen sowohl als fuer die Italiener Sued-Tirols
das Recht gefordert haben, aus dem Staatsverband auszutreten ohne das Land verlassen
zu muessen, und ueber den Kopf der Regierungen, der Parteien und der Terroristen
hinweg miteinander Frieden zu schliessen.
Die Bedingungen eines solchen Friedens sollte mal ein Voelkerrechtsjurist,
etwa vom Range Jellineks, ausarbeiten. Vielleicht macht sich aber auch eines
Tages Zube daran, mit Assistenz der Erika.
Die Bedingungen, wenn sie mal erst da sind, liessen sich
auch auf Afrika, auf Indien und andere Territorien anwenden.
In China gab es vor 1912 mehrere Geheimbuende, zum Teil
ein paar Jahrhunderte alt. Der Geheimbund “Kuo Ming Tang"- brachte alle
diese Buende, darunter sogar kommunistische, unter einen Hut, so dass sie ihre
speziellen Ziele zurueckstellten und sich ausschliesslich der Vertreibung der
Mandschu widmeten. Hierueber erhielt ich Informationen von dem Leiter der New-Yorker
Gruppe der Kuo Ming Tang, einem ueberaus intelligenten Studenten namens Wang
(aus einer sehr reichen Familie ).
Der Text der damals abgeschlossenen Konvention waere heute
von Wert. Die Formosa-Regierung wird ihn wohl noch besitzen.
- - - - - - -
Freiheit der Tiere. “Kaefig-voegel"
halte ich mit Schopenhauer fuer eine Grausamkeit. Als ich vor etwa 60 Jahren
mal eien Kanarienvogel geschenkt kriegte, da war es mein erstes, das Tier im Zimmer
frei herumfliegen zu lassen.
(Als ob das Zimmer nicht auch nur ein groesserer Kaefig
gewesen waere! – J.Z., 14. 9. 03.) Zum Schlafen und zum
Die russische orthodoxe Kirche erklaert es fuer ein Gott wohlgefaelliges
Werk, Kaefigvoegeln die Freiheit zu geben. Wenn auf den grossen Maerkten ein
Budenbesitzer besonders gute Geschaefte gemacht hatte, so ging er zu den Vogelhaendlern,
kaufte ein paar Nachtigallen oder sogar alle Nachtigallen und liess sie
fliegen.
- - - - - - - -
Hat Epikur Menschenrechte proklamiert? Diogenes Laertius
sagt nichts davon, Lucretius Carus auch nicht. Letzterer raet sogar, nie an
Aufstaenden teilzunehmen, sondern lieber zu gehorchen. Das ist wohl auch die
Meinung Epikurs gewesen.
Materialist war Epikur insofern, als er auch die “Seele” aus
Atomen bestehen liess, aber diese Atome stattete er mit der Faehigkeit aus, zu empfinden.
7.)
Dass Kommunismus und Materialimus nicht immer beim selben
Individuo beisammen sind, weiss ich auch.
- - - - - -
Der erste militaerische
Schritt gegen den Kommunismus sollte sein, dass die Soldaten des Westens sich versammeln und oeffentlich geloben, weder im
Kriege noch im Frieden die Menschenrechte zu verletzen, auch nicht auf Befehl. Die
Soldaten geloben ausdruecklich, keine Wohnorte auszumorden, die Gefangenen nach
der Haager Landkriegsordnung zu behandeln, befohlene Grausamkeiten gegen
Gefangene einfach nicht auszufuehren, ferner nicht zu pluendern, und nicht zu gehorchen,
wenn sie etwa dazu missbraucht werden sollten Land zu erobern oder sonstige imperialistische
Zwecke zu verfolgen. Die Soldaten geloben ferner, das in der Haager Landkriegsordnung
verbotene Prinzip der kollektiven Verantwortung nie anzuwenden, auch nicht auf
Befehl.
Dan wuerde sich in der Welt herumsprechen, alle Soldaten
zur Nacheiferung ermuntern und zuletzt sogar Offiziere aller Grade, inkl. der
Marschaelle, dazu bringen, den Eid zur Wahrung der Menschenrechte ebenfalls abzulegen.
- - - - - -
Das Ehepaar Zube ist hier meiner
Meinung.
- - - - - - -
Mit bestem Gruss gez.: U. v. Beckerath.
===========================================================================================
U. von Beckerath
… 10.
3. 1963
Ihr Brief vom 7. 3. 63.
Herrn Walter
Meyer, …
Sehr geehrter Herr
Meyer,
der Rigorismus der Ethik Kant's ist dem Rigorismus derGeometrie
vergleichbar. Noch nie hat es im Kosmos ein Dreieck von drei genau gleichen
Seiten gegeben. Es wird auch nie eines geben. Aber, der Satz, dass solche Dreiecke
drei genau gleiche Winkel haben, ist beweisbar an Zeichnungen, die schuelerhaft
und ungenau sind.
Auch hat der Satz grosse, praktische Bedeutung.
Von seinen ethischen Saetzen sagt Kant, das sie ohne
Einschraenkung gelten in bezug auf Wesen, welche 100 %-ige Vernunftwesen sind.
Solche Wesen wenden auch die ethischen Saetze ganz rigoros
an.
Aber: derartige Wesen hat es nie gegeben, gibt es
nicht und wird es nie geben. Der Mensch besteht aus Fleisch, Blut, Nerven und
Knochen. Die Vernunft ist in ihm daher nie ganz wirksam und manchmal sogar
nur in geringem Ausmass.
Daher - - sagt Kant - - ist vielleicht noch nie eine Handlung
geschehen, die ganz ausschliesslich auf der Achtung vor den ethischen Grundsaetzen
gegruendet war.
Und noch mehr: Die Moralitaet unserer eignen Handlungen koennen
wir nicht mit voelliger Zuverlaessigkeit beurteilen, noch weniger die anderer
Menschen.
Ich verweise hier nur auf die Anmerkung, Seite 471 der Vorlaenderischen
Ausgabe der Kr.d.r.V. und im Uebrigen auf das ausfuehrliche Inhaltsverzeichnis
Vorlaender’s.
Kant ist also mit seiner Ethik nicht nur Theoretiker sondern
auch Realist, so dass kein "Praktiker" Bedenken zu haben braucht, die
Ethik Kant’s anzunehmen. Wenn aber jemand einwendet, dass Kant z.B. in bezug
auf das Luegen einen allzustrengen Standpunkt eingenommen hat, vgl. seine kleine
Abhandlung aus dem Jahre 1797: "Ueber ein vermeintliches Recht aus Menschenliebe
zu luegen”, so wuerde ich der gleichen Meinung sein.
- - - - - -
Dass jeder, wie Sie es auch tun, nach Freiheit streben
sollte, jedem unberechtigten physischen
und geistigen Zwang entgegenwirken sollte, ist im Sinne der Kantischen Ethik. Hierzu
waere aber noch viel zu sagen. Wie weit geht das Recht von Eltern, ihre Kinder schon
in den ersten Lebensjahren in der elterlichen Religion zu unterrichten
und dabei die bekannten Methoden anzuwenden, die bei sehr vielen
das Denkvermoegen laehmen? Ich bestreite den Eltern dieses Recht, weiss aber
selbstverstaendlich, dass es unter den gegenwaertigen Verhaeltnissen unmoeglich
ist, die Kinder davor zu schuetzen, dass die Eltern die Religionsfreiheit der
Kinder so schwer beeintraechtigen, wie gegenwaertig in der ganzen Welt ueblich
und fast allgemein als rechtmaessig angesehen wird.
Aus den geistig so verkrueppelten Kindern werden dann
Untertanen, die Szenen auffuehren, wie die Belgier i. J. . 1790 ( oder war’s
1789 ?? ) vor den Palaesten ihrer Bischoefe. Kaiser Josef II. hatte einige vernuenftige
Gesetze erlassen, welche die Befugnisse der Bischoefe gegenueber den Untertanen
einschraenkten. Die Untertanen demonstrierten dagegen under fortwaehrendem
Geschrei: “Nons ne voulons pas etre libres!” (Wir wollen nicht frei sein
! ) Der Kaiser hatte die Wahl, entweder-Belgien in einem Aufstand zu verlieren
oder die Gesetze zurueckzunehmen. Er gab nach.
- - - - - - -
Christliche Ethik. Ich teile die Meinung Rousseau’s, dass
die christliche Ethik und ueberhaupt das ganze Christentum, wenn es ernst genom
-
2.)
men wird, asozial wirkt.
- - - - - -
Zu der Pflichten-Theorie Kant’s hat Schiller im Tell einen guten Kommentar geliefert.
Jeder am Freiheitskampf Beteiligte erfuellt seine Pflicht,
aber bei jedem wirkt noch als Motiv - - manchmal als Hauptmotiv - - eine private
Angelegenheit mit, in welcher die Freiheitskaempfer unterdrueckt oder beleidigt
wurden. Das vermindert den moralischen Wert des Freiheitskampfes nicht.
- - - - - -
Dass man immer nur nach Geboten der Pflicht handeln soll,
hat Kant nicht gefordert. In der Abhandlung: “Mutmasslicher Anfang der Menschengeschichte”
(1786) sagt Kant:
“ … die Natur hat gewiss nicht Instinkte und Vermoegen in
lebende Geschoepfe gelegt, damit sie solche bekaempfen und unterdruecken
sollten.” ( "Populaere Schriften” in der Ausgabe der "Deutschen Bibliothek",
gesammelt von Aster, Seite 117.)
- - - - - -
Diktatur ein Friedenszustand
????? Diktatur ist Buergerkrieg in Permanenz. Kant nennt sogar eine noch nicht zur
Diktatur ausgeartete, aber “patriarchalische” Regierung den “denkbar groessten
Despotismus”. Aster, Seite 64.
Ameisenstaaten sind immer miteinander im Kriege.
Wenn die Behauptung Kant’s, die Mitarbeit am der
Herbeifuehrung des Weltfriedens sei die erste aller Pflichten, widerlegt werden
sollte, so muesste es mit anderen Gruenden geschehen. Ich glaube nicht, dass
solche Gruende aufgefunden werden koennen.
- - - - - - -
Kant's Ethik soll geeignet sein, die Untertanen zum ( sklavischen
)Gehorsam gegen die Befehle der Regierung zu erziehen ? Ein Schriftsteller,
dessen Namen ich im Augenblick nicht feststellen kann, ein Zeitgenosse Kant’s behauptete, dass die Franzoesische Revolution eine
Auswirkung der Schriften Kant's sei. Sieyes, einer der Vaeter der Franzoesischen
Revolution, bat Kant, mit ihm in eine Korrespondenz ueber die Menschenrechte einzutreten.
Kant lehnte ab, aber nur wegen hohen Alters und schlechter Gesundheit. Kant
forderte diejenigen Regenten, welche ohne Verfassung regierten, auf, ihre Untertanen
trotzdem republikanisch zu regieren, so dass z.B. das absolute Koenigtum
auch von ihnen nur als ein Uebergang betrachtet werde.
Auch sonst macht es die Kantische Ethik jedem zur Pflicht,
bestaendig am allgemeinen Fortschritt mitzuarbeiten und sich durch scheinbare oder
sogar wirkliche Rueckschlaege nicht irre machen zu lassen. Kant konstruiert in
bezug hierauf einan ganz neuen, philosophischen Begriff, der - - meines Wissens
- - von den "Fachleuten” noch nicht eroertert worden ist, den Begriff der “angeborenen
Pflicht". (Aster, Seitn 85, 86 und andern.)
- - - - - - -
“Altruismus". Der war Kant’s Sache nicht. Auch scheint mir,
dass gerade in den letzten Jahrzehnten sich die Menschheit so verhalten hat, dass
man unmoeglich ein aufrichtiger Altruist sein kann. Gerechtigkeit und Pflichtbewusstsein
ist hier das einzig Moegliche.
- - - - - - -
Die Mahnung Kant's an die Untertanen, ihr Recht nicht durch
einenAufstand ( herkoemmlicher Art ) zu verteidigen, halte ich fuer eine “clausula
salvatoria”. Dass z. B. die englische Miliz erheblich dazu beitrug, den Despotismus
der Militaerkaste zu brechen ( Revolution von 1660 ) war Kant gewiss in allen Einzelheiten
bekannt. Die Zensurverhaeltnisse seiner Zeit verhinderten ihne - - meiner Meinung
nach - - aus den Vorgaengen in
- - - - - - - -
Mit bestem Gruss
U. v. Beckerath. Gez. Bth.
___________________________________________________________________________________________
Ulrich von Beckerath …
19. 3. 1963.
Ihr Brief v. 18. cr.
Herrn Walter Meyer, ...
Sehr geehrter Herr Meyer,
unter welchen Umstaenden eine Revolution
gerechtfertigt ist, das ist ziemlich ausfuehrlich, wenn auch nicht erschoepfend
dargelegt in der Unabhaengigkeitserklaerung der 13 United States of America vom
4. Juli 1776. Ich nehme an, dass Ihnen diese Erklaerung zugaengig ist und sehe
daher davon ab, sie hier zu zitieren.
Eine Revolution braucht nicht immer mit einem bewaffneten
Aufstand verbunden zu sein. Die
Weltgeschichte bietet einige Beispiele defuer, dass Voelker
sich von einem ihnen von der Regierung auferlegten, aber untragbaren, schlechten
Geldsystem dadurch befreiten, dass sie einfach das ihnen aufgezwungene Geld
nicht mehr annahmen. Deutschland i. J. 1923, wenn auch nicht ueberall
Das weltgeschichtlich wichtigte Beispiel ist wohl das franzoesische
aus der grossen Revolution. Das Volk nahm die Assignaten nicht mehr an. Die
Regierung kriegte darueber einen solchen Schreck, dass sie die Assignatenpresse
oeffentlich verbrannte.
Benjamin R. Tucker, ein reicher Ingenieur aus
Tucker nannte sich einen "individualistischen Anarchisten".
Da sich aber die revolutionaeren Kommunisten der
- - - - - -
In der Ethik gehen Sie von allgemeinen Begriffen aus,
wie z.B. "Freiheit”,"Gleichheit”, “Bruederlichkeit".
Ich gehe von einzelnen Ereignissen und einzelnen Zustaenden
aus, mit Vorliebe von Aufstaenden und den Motiven der Aufstaendischen. In dieser
Weise sind kluegere Leute als ich lange vor mir verfahren, z.B. auch Kant. Dabei
ergibt sich, dass die herkoemmliche Begriffsbildung zur Konstruktion einer
praktisch brauchbaren Ethik nicht ausreicht. Ich stelle sogar fest, dass manche
Sprachen so unvollkommen sind, dass sie nicht einmal derartig blutlose
Begriffe wie "Freiheit", “Gleichheit”, "Bruederlichkeit"
geschaffen haben, z.B. manche Negersprachen. Die Sprache der herrschenden Klasse von
Die europaeischen Sprachen weisen ebenfalls grosse Maengel
auf und enthalten keine passenden Woerter, um z.B. Bemuehungen zur Gewinnung
der Unabhaengigkeit vom Vorhandensein geeigneter Zahllungsmittel und in
2.)
… genuegender Menge im Verkehr.
Meine Beispiele entnehme ich oefters dem Geldwesen und dem
Zahlungswesen. Warum? Weil uns alle die Erfahrung darueber belehrt hat, dass es
fuer jeden Einzelnen wichtiger ist, sich etwas zu angemessenem Preise kaufen
zu koennen, als das Missstaende beseitigt werden, wie sie z.B. vor 1848 in Europa
und anderswo bestanden.
Sie werden
Wie man jeder moeglichen Zahlungsmittelkrisis
zuvorkommen kann und zwar so, dass niemanden ausser den Wucherern, daraus ein Schaden
erwaechst, das hat sehr gut dargestellt John DeWitt Warner in seiner Arbeit:
"The Currency Famine of 1893.” Ich habe viel Geld aufgewendet, um die
Arbeit bekannt zu machen. Der einzige, der ihren Wert zu schaetzen wusste, war mein
Freund Zube.
Sie haben die Stelle in der "Kritik der reinen Vernunft"
gelesen, wo Kant die Notwendigkeit darlegt, sich die Begriffe klar und deutlich
zu machen, dadurch dass man sie auf einzelne Faelle anwendet.
Kant drueckt das so aus: auf die den Begriffen zum Grunde
liegenden Anschauungen zurueckgeht. (Kr.d. r.V., Ausgabe A, Seite19, Ausgabe
B, Seite 75, Ihre Vorlaender'sche Ausgabe, Seite 99.)
Freiheit ist ein Begriff, den man nicht auf Anschauungen
zuruckfuehren kann; daher bleibt der Begriff leer. Die vielen Gegensaetze
von Freiheit aber, wie Sklaverei, Patronat ( Arbeitgebertum ), Abhaengigkeit, Einheitspartei,
"exclusive currency" ( Ausdruck, gepraegt von William B. Greene
( 1797 – 1877 ) in seiner Schrift "Mutual Banking"), diese vielen Gegensaetze
von Freiheit also, lassen sich leicht veranschaulichen. Von diesen Anschauungen
aus lassen sich dann Begriffe formen, mit denen sich in der Praxis etwas anfangen
laesst. Es sind Begriffe von Zustaenden, die zu bekaempfen sind; fuer politische
“Freiheit” waren auch die Sklavenhalter in den Suedstaaten der USA, wer sich
aber z.B. in Alabama zum Abolitionismus bekannte, d.h, ein Gegner der Sklaverei
war, der kam ins Zuchthaus.
- - - - - -
In welchem meiner Briefe soll ich das "Prinzip der Naechstenliebe”
als asozial bezeichnet haben ???????
Ich habe es als Grundlage einer Ethik abgelehnt, weil wir
doch in der Praxis viele Menschen unmoeglich lieben koennen. (Hitler, Stalin,
Dschingis Chan, Nero und Millionen anderer.) Sogar von denen, die wir persoenlich
kennen, koennen wir manche unmoeglich lieben, gerade weil wir sie so gut
kennen. Die Abneigung gegen manche nicht Liebenswerte koennte viel eher ein
ethisches Grundprinzip sein, wie denn z.B. der Tyrannenmord (Tyrannen-Unschaedlichmachung
waere ein allgemeinerer und besserer Begriff *) in eine praktisch brauchbare Ethik
gut hineinpasst.
(*) ( Tyrannentoetung, wenn sie anders nicht unschaedlich
gemacht werden koennten. Wenn man sie ausreichend und weitgehend und bestaendig
genug laecherlich machen koennte, dann waere das noch besser. – J.Z., 14.9.03.)
Jesus hat einige seiner Gegner als "Otterngezuehte”
("Schlangenbrut" wuerden wir heute sagen) bezeichnet, hat sie also
schwerlich geliebt und hat sie gewiss nicht der Liebe seiner Anhaenger empfohlen.
Die Anhaenger des allgemeinen Altruismus koennen sich also nicht auf Jesus
berufen.
Ich behaupte, dass die Anhaenger des allgemeinen Altruismus sich
von diesem Prinzip abwenden, wenn sie es mal kritisch durchdenken. Das Prinzip
ist also nicht ernst zu nehmen; deswegen ist es nicht gleich
3.)
… “asozial”.
Mir faellt eben ein, dass der heilige Franziskus von Assisi
mal ein Weibsbild verfluchte, das ihm waehrend er predigte, fortwaehrend dazwischenquatschte.
Das Weib hat er bestimmt nicht geliebt.
- - - - - -
Pazifisten koennen unmoeglich die zahlreichen Bellizisten
in der Welt lieben, nicht einmal diejenigen Befuerworter des Krieges, welche
darin ein von der Vorsehung gebrauchtes Mittel zukennen glauben,
die sonst unvermeidliche Ueberbevoelkerung zu verhindern - - “sonst
unvermeidlich" nach der Meinung dieser Leute.
Ich waere uebrigens dafuer, dass man diesen Leuten an
jedem Ort ein Terrain einraeumte, auf dem sie einander
die Haelse abschneiden duerfen. Dann wuerde jeder erkennen,
dass es ihnen mit ihrer Meinung ernst ist. In Wirklichkeit glaubt ja jeder
dieser …., dass er zu schade ist, um sogar im Falle einer wirklichen Uebervoelkerung
(die es noch nie gegeben hat ) umgebracht zu werden. Nur um die andern
ist es nicht schade, meint er!
- - - - - -
Ich hoffe, dass Sie Ihre Meinung, der allgemeine Altruismus
fuehre zum Pazifismus, nicht aufrecht erhalten werden.
- - - - -
Vor einigen Jahren da begann ein scheinbar ganz vernuenftiger
Mensch auf einem grossen Platz ( wo - - habe ich vergessen ) die Leute in seiner
Naehe zu erschiessen. Es gelang, ihn zu verhaften, und was gab er als Grund an
? Er hielte sich fuer verpflichtet einenBeitrag zur Bekaempfung der Uebervoelkerung
zu liefern. Sehr wahrscheinlich sprach er die Wahrheit, und wenn das zutraefe,
so waere hier ein Fall festgestellt, wo der Altruismus nicht zum Pazifismus
gefuehrt hat, sondern zu einem Gegentell des P.
- - - - - -
Sie sagen, dass Sie dem "Pflichtprinzip"
fernstehen. Wenn Sie Arbeitgeber waeren und auf die Pflichtreue Ihrer Arbeitnehmer
angewiesen waeren, etwa als Schiffseigentuemer, so wuerden Sie ihre Meinung voellig
aendern.
- - - - - -
Ich bin nicht der Meinung, dass Ihre ethische Grundeinstellung
( im gegenwaertigen Stadium Ihrer Entwicklung ) und die Kantische nebeneinander
bestehen koennen, vorausgesetzt, das beide zu Ende gedacht werden.
- - - - - -
Die Natur hat die Vernunftwesen in die Welt gesetzt,
damit sie einen Beitrag liefern zur Verminderug des Leidens - - einer kosmischen
Tatsache - - auf ein tragbares Ausmass. Die "vis medicatrix”, die in den
vernunftlosen Wesen wirkt, reicht nicht aus. Kant ist wohl der erste Autor,
welcher z.B. den Pazifismus als unmittelbares Werk der Natur ansah und
daraus die richtigen Konsequenzen zog.
- - - - - -
Mit bestem Gruss
U.v. Beckerath. Gez.: Bth.
U. v. Beckerath ….
27. 3. l963.
Ihr Brief vom 25. cr., eingegangen heute.
Sehr geehrter Herr Meyer,
das Christentum mitsamt seiner Ethik lehne ich ab. Das haben
kluegere Leute als ich lange vor mir getan. Ich darf annehmen, dass Ihnen deren
Gruende bekannt sind. Viele dieser Gruende sind auch die Meinigen.
Es sind bis jetzt viele Ethiken aufgestellt worden, darunter
auch solche von nicht unbeachtlichen Leuten. Diese Ethiken stimmen mit der Ihrigen
nicht ueberein. Sollten Sie ein Buch ueber Ihre Ethik schreiben, so werden Sie
nicht umhin koennen, wenigstens einige der aelteren, ethischen Systeme mit Ihrer
Ethik zu vergleichen und dann darzulegen, weshalb Ihre Ethik den Vorzug
verdient.
Ich habe - - selbsverstaendlich - - nichts gegen Freiheit, Frieden,
Gleichheit in dem Sinne, wie z.B. die Berliner Verfassung den Begriff
definiert, ferner nicht gegen Freiheitswillen, Naechstenliebe, soweit nicht
Leute wie Hitler, Eichmann, Stalin und Dsershinski eigeschlossen sein sollen,
und Gerechtigkeit.
Ich finde aber, dass in unserer Zeit und in unserer Lage
konkretere ethische Begriffe erforderlich sind, wenigstens fuer Leute, welche die
bestehenden Misstaende aendern wollen.
Ueber die Moeglichkeit, Ihre Ethik und die Kantische unter einen
Hut zu bringen, waere sehr viel zu sagen; es waere leicht, ein Buch
darueber zu schreiben. Ein Brief, der alles enthielte, wuerde an die Geduld des
Empfaengers unberechtigte Ansprueche stellen.
“Von allen Menschen beherzigt …” Mao Tse Tung und seine Freunde werden sie nicht
beherzigen, haben auch z.Zt. soviel Macht ueber die mehr als 400 Millionen
Chinesen, dass die sich nach den Meinungen Mao's zu richten haben, gleichgueltig,
was sie selbst meinen.
“Gleichheit der Buerger in Beziehung auf Wohltand." Wenn
ein Schauspieler im Jahr mehr als eine Million DM einnimt - - wofuer es ja Beispiele
gegeben hat und vielleicht noch gibt - - und seine Bewunderer sind bereit an
den Kassen der Theater, der Kinos, durch Ankauf von Schallplatten, etc. ihm diese
Million zu verschaffen, so hat niemand das Recht, sich hier einzumischen, auch
keine Behoerde. Und wenn, wie in Indien, sehr viele Tausende mit einer kleinen Schuessel
von Reis und einigen Bananen zufrieden sind, und wenn sie Menschen finden,
die voellig freiwillig ihnen dieses Existenzminimum verschaffen, so geht das ebenfalls niemanden etwas an. Viele tibetanische
Kloester waren - - rein oekonomisch betrachtet
- - Produktivgenossenschaften, in denen die Genossen nicht mehr zu
arbeiten brauchten, als das vorstehend bezeichnete, bescheidene Existenzminimum
erforderte. Tsonkapha, der grosse Reformator
der tibetanischen Religion, hatte am Buddhismus auszusetzen, dass er die Moenche
auf das Betteln verwies. Mit Recht erkaerte Ts., dass diese Art von Religion oekonomisch
unmoeglich wird, wenn sehr viele sich dazu bekehren. Er forderte von den
Moenchen Arbeit, jedoch nicht mehr, als zu ihrem Unterhalt erforderlich
war.
Anzustreben ist die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen - - eine der aeltesten, sozialistischen Forderungen. Heute
muss man hinzufuegen: Beseitigung auch der Bevormundung in bezug auf
Arbeitsmethoden, Arbeitszeit, u. dgl.
2.),
Erzwungene Gleichheit des Wohlstandes waere soziale
Tyrannei.
In Russland versuchte man nach der Revolution die Gleichheit
des Wohlstandes zu verwirklichen. Die Folgen waren derartig, dass Lenin jegliche
Propaganda dafuer verbot.
Eine mit Hilfe der Paretoschen Formel durchgefuehrte Vergleichung
der Einkommensunterschiede in Russland und in der Schweiz ergab einem mir
bekannten Mathematiker fuer die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg eine groessere
Verschiedenheit in Russland als in der Schweiz.
Sie sagen: “Ihr Argument mit dem Bekaempfen der Ueervoekerung
ist unsachlich.”
Da es in der Vergangenheit keine Uebervoelkerung gegeben hat,
es gegenwaertig keine gibt, vielmehr der Absatz des Ueberflusses an Lebensmitteln
das Problem ist, und da Ich beweisen koennte, dass es auch in Zukunft keine
Uebervvoelkerung geben kann so habe ich in keinem
meiner Briefe einen Vorschlag zur Bekaempfung der Uebervoekerung gemacht, und
einen unsachlichen schon gar nicht.
Mein Beispiel eines durch die Uebervoelkerungsliteratur
wahnsinnig Gewordenen beweist oder widerlegt in bezug auf Ethik, Pflichtbegriff,
und was dazu gehoert, nichts.
- - - - - - -
Mit bestem Gruss
U. v. Beckerath.
Gez.: Bth.
Etwa hier lag ein
Umschlag bei, bei dem eine neuere Anschrift von W. Meyer angegeben war:
Wie die
Rechtsanwaelte, Buerokraten und Politiker, haben, anscheinend, die meisten von
ihnen, wenn ueberhaupt, dann nur ein Interesse daran, sie zu leugnen oder zu
zerreden. Fuer jeden praktischen privaten Menschenrechtsentwurf gibt es wahrscheinlich
Dutzende, wenn nicht sogar hunderte von Buechern, die sich damit zufrieden
geben, ueber undefinierte und nicht aufgezaehlte “Menschenrechte” nur im
allgemeinen zu reden.
Damit sind wir
noch nicht weiter gekommen. Im Gegenteil.
Andere haetten aus
diesem Briefwechsel wahrscheinlich andere Beispiele gewaehlt. Falls ich noch
dazu komme, werde ich den Rest dieser Korrespondenz auch noch digitisieren.
Aber ich fand den Briefwechsel von B. mit anderen, z.B., mit Dr. Mann, noch
interessanter and werde B.’s Briefen an andere Leute daher Prioritaet geben,
auch wenn diese Schriftwechsel betraechtlich laenger sind.
Ich bin ja auch
nicht verpflichtet, den ganzen mir vorliegenden Briefwechsel mit einem der
Briefpartner von B. gleich vollstaendig anzubieten sondern kann das in
“Teilzahlungen” tun, die eher fuer
Kann man hoffen,
dass die Philosophiestudenten von heute etwas aufgeklaerter sind?
Hilfe bei solchen
Arbeiten waeren mir sehr willkommen. Gegenwaertig habe ich zwei arbeitende
computer.
– J.Z., 14.9.03.
Bth 14 02 46 Human
Rights
EINIGE
NOTWENDIGE ERGAENZUNGEN
ZU DEN VOM
WELTBUND DER GEWERKSCHAFTEN VERKUENDETEN,
SIEBEN
GRUNDRECHTE DER ARBEITER
Die vom Weltbund der Gewerkschaften
verkuendeten 7 Grundrechte der Arbeiter:
1.)
Das
Recht des arbeitenden Volkes, sich frei in Gewerkschaften zu organisieren und
sich frei an der Loesung aller Gewerkschaftsausgaben einschliesslich der
Verhandlungen ueber Kollektivvertraege zu betaetigen;
2.)
das
Recht des arbeitenden Volkes Genossenschaften und andere Organisationen
gegenseitiger Hilfe zu bilden;
3.)
Rede-,
Press-, Versammlungs- und Religionsfreiheit und die Freiheit politischer
Organisationen;
4.)
die
Ausmerzung jeder politischen,
wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichkheit aus Gruenden der Rasse, des
Glaubens oder des Geschlechts; daher soll das Recht gleicher Bezahlung fuer
gleiche Arbeit festgelegt warden;
5.)
das
Recht gleicher Schulbildung und gleicher Berufswahl fuer alle;
6.)
das
Recht auf geeignete Arbeit gegen hinreichenden Lohn;
7.)
das
Recht auf hinreichenden Schutz gegen alle Wechselfaelle des Lebens, um die
soziale and wirtschaftliche Sicherheit aller zu verbuergen;
beduerfen noch einiger sehr wesentlicher Ergaenzungen.
Gerade die Erfahrungen der deutschen Arbeiter zeigen,
dass ohne die im folgenden dargestellten zusaetzlichen politischen und
wirtschaftlichen Rechte Situationen entstehen koennen, in denen die anderen
Rechte der Arbeiter wertlos warden.
I.
Zu
fordernde, zusaetzliche politische Rechte der Arbeiter.
A.)
In Nr.
4 ist hinter dem Wort “Rasse” offenbar noch einzusetzen: “der
Staatsangehoerigkeit”.
Dieser
Zusatz bedarf keiner Begruendung.
B.)
Die
oeffentliche Meinung aller Laender, besonders aber die Ueberzeugung der
Arbeiter, spricht den Buergern und vor allem den Arbeitern eines Landes nicht
nur gegenueber der eigenen Regierung unverlierbare, politische Rechte zu
sondern auch gegenueber den Buergern und Arbeitern des Auslandes. Ein von
Sozialisten von jeher vertretener Standpunkt wird jetzt sogar von den Regierungen
eingenommen, wonach die demokratisch gesinnten Menschen aller Laender eine
Gemeinschaft bilden, deren Mitglieder Anspruch auf Schutz und Hilfe seitens
ihrer Gesinnungsgenossen haben, wenn sie von der eigenen Regierung verfolgt und
unterdrueckt warden.
Der Weltbund rechnet mit Recht den politischen Boykott
der gegenwaertig an der Macht befindlichen spanischen und der argentinischen
Diktatur verlangt. Der Weltbund hat aber die von ihm dadurch ausgedrueckte
Anerkennung des Rechtes der spanischen und der argentinischen Arbeiter auf
Schutz und Hilfe durch die Arbeiter der ganzen Welt nicht in einem allgemeinen
Grundsatz niedergelegt und ihn nicht den von ihm verkuendeten, sieben
Grundsaetzen beigefuegt. Die deutschen Gewerkschaften werden den Weltbund darauf
hinweisen und ihm Vorschlaege darueber unterbreiten.
Der Weltbund rechnet mit Recht mit der Moeglichkeit
eines vom Ausland gegen Franco und Peron gefuehrten Krieges mit dem Ziel der
Befreiung des spanischen und des argentinischen Volkes. Es ist aber klar, dass
in einem solchen Falle die zu Befreienden waehrend des Krieges und nach dem
Kriege nicht als Angehoerige einer feindlichen Macht behandelt warden duerfen.
Insbesondere die spanischen und die argentinischen Arbeiter, ueber deren
Gesinnung ja weder bei den Diktatoren noch im Ausland Zweifel bestehen, haben
im Falle eines zu ihren Gunsten gefuehrten Krieges offenbar Rechte, die bei
einem Kriege von der gewoehnlichen Art die Untertanen einer feindlichen
Regierung allerdings nicht ohne weiteres haben. Diese Rechte muessen aber
verkuendet warden, und da sie ja nicht nur fuer den Fall eines Krieges gegen
Franco und Peron gelten, sondern in jedem Kriege, an dem die Arbeiter nur
gezwungenermassen teilnehmen, und die daher von ganz allgemeiner Art sind, so ist
es notwendig, auch sie als Grundrechte der Arbeiter festzustellen.
Es ergibt sich also als ein neues Grundrecht der
Arbeiter:
Im Falle der Unterdrueckung der Grundrechte der
Arbeiter oder der Allgemeinen Menschenrechte durch die Regierung irgend eines
Landes haben die Arbeiter dieses Landes Anspruch auf Schutz und Hilfe seitens
der Arbeiter der ganzen Welt und durch jede demokratische Regierung.
Fluechtlinge aus diktatorisch und tyrannisch regierten
Laendern, sind in keinem Lande als unerwuenschte Einwanderer anzusehen, und
etwa bestehende Einwanderungsbeschraenkungen finden auf sie keine Anwendung.
Wenn das Land, welches die Fluechtlinge zunaechst
aufgenommen hat, sie nicht behalten kann, so muessen die Fluechtlinge mit
ausreichenden Mitteln versehen warden, um ein anderes Land aufzusuchen, in
welchem sie sich bis zur Befreiung ihres Heimatlandes aufhalten koennen.
Im Sinne dieses Grundsatzes ist im Falle eines Krieges
zwischen den Diktaturen und dem zugunsten des unterdrueckten Volkes oder der
unterdrueckten Volksgruppen intervenierenden Auslande zu verfahren.
Angehoerige der bewaffneten Macht der Diktatur, denen
es gelingt to fluechten, den Machtbereich des intervenierenden Auslandes zu
gewinnen (zu erreichen waehre vielleicht besser. – J.Z.), und die dort
erklaeren, dass sie nur gezwungenermassen der bewaffneten Macht der Diktatur
angehoert haben, sind nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern als
befreite Bundesgenossen.
In keinem Falle duerfen Kriegsverbrechen der
Diktatoren und ihrer Helfer, begangen an Buergern des intervenierenden
Auslandes, an denen vergolten warden, die selbst von der Diktatur unterdrueckt
sind. Es darf auch nach dem Kriege von den unterdrueckt Gewesenen keine
Wiedergutmachung gefordert warden, sondern nur von den Diktatoren, ihrer Partei
und ihren Helfern.
Sanktionsmassnahmen gegen Diktaturen, sei es in
Kriegs-, sei es in Friedenszeiten, durch welche die unterdrueckten Arbeiter
mehr betroffen wuerden als die Diktatoren selbst, z.B. die Verhinderung von
fuer die Arbeiter bestimmten Lebensmittellieferungen, duerfen nicht vorgenommen
warden.
Ferner darf ein Befreiungskrieg gegen die Diktaturen
nicht in der Weise gefuehrt warden, dass die Hauptbetroffenen die zu
befreienden Arbeiter sind, waehrend die Diktatoren und ihre Helfer entweder gar
nicht oder nur in sehr geringem Umfang betroffen warden.
Dies gilt z.B. von der Zerstoerung von Arbeiterwohnvierteln
durch Luftangriffe. Es gilt dies um so mehr, als offenbar die auf solche
Angriffe verwendete, militaerische Kraft, unmittelbar auf Ruestungsbetriebe
oder auf Hochoefen des Landes gerichtet, eine baldige Beendigung des Krieges
auch ohne unmittelbare Schaedigung der Arbeiterinteressen ermoeglicht.
II.
Zu
fordernde, zusaetzliche wirtschaftliche Rechte der Arbeiter
A.) Einige wirtschaftliche Grundrechte der
Arbeiter, die in der Zeit vor dem ersten Weltkriege nur sehr ausnahmsweise
missachtet wurden, und deren Formulierung seitens der Arbeiter daher
unterblieb, sind seitdem in einer damals fuer unmoeglich gehaltenen Weise
verletzt worden. Ein solches Recht ist z.B. der ganz offenbar bestehende
Rechtsanspruch der Arbeiter auf eine Waehrung, welche es ausschliesst, dass
durch Inflationen den Arbeitern in kurzer Zeit alle Vorteile entzogen warden,
die ihnen die Gewerkschaften durch Erkaempfung hoeherer Loehne verschafft
haben.
(Hier ist zu bedenken, dass B. an Gewerkschaftsleute
appellierte. – J.Z.)
Die Benachteiligung der Arbeiter geschieht durch den
Missbrauch der Ausgabe von Papiergeld, insbesondere durch seine Ausstattung mit
Zwangskurs unter gleichzeitiger Beseitigung des Umlaufs an Goldmuenzen.
Immer wieder haben es die Arbeiter erleben muessen,
dass Regierungen, um sich die Mittel zum Regieren zu beschaffen, den fuer sie
einfachsten Weg gingen, ihre Ausgaben mit neu gedrucktem Zwangskurs-Papiergeld
bestritten, und wenn die natuerliche und nach den Erfahrungen von Jahrhunderten
auch stets zu erwartende Wirkung eintrat, naemlich ein starker Druck zur
Erhoehung des allgemeinen Preisniveaus entstand, entsprechend der Menge des neu
ausgegebenen Zwangskurs-Papiergeldes, die Regierung den Arbeitern auch noch
“Mangel and Preisdisziplin” vorwarf, Hoechstpreise festsetzte, die Inflation,
die sie selbst verusacht hatte, als etwas erst zu Befuerchtendes hinstellte,
das aber durch ihre Massnahmen noch abgewendet warden koennte und noch dazu
allem richtigen Sprachgebrauch entgegen die Begriffe Teuerung und Inflation
verwechselte.
Dadurch ging weiten Kreisen die wichtige Erkenntnis
verloren, dass Inflation eine durch Vermehrung des Zwangskursgeldes ohne
ausreichenden wirtschaftlichen Grund bewirkte Verschlechterung des Geldes ist,
die allerdings unvermeidlich eine Tendenz zu einer allgemeinen (nominellen! –
J.Z.) Teuerung schafft.
Bei jeder Inflation haben die Arbeiter die
Wiederholung der seit Jahrhunderten bei jeder Geldverschlechterung gemachten
Erfahrung erlebt, dass naemlich der Versuch, die natuerliche Auswirkung der
Geldverschlechterung durch die Festsetzung von Hoechstpreisen zu verhindern,
stets einen “schwarzen Markt” schafft. Die Preise dieses Marketes entsprechen
im wesentlichen den Preisen vor der Geldverschlechterung und zwar so, dass fuer
die Waren der Wert der gleichen Gewichtsmenge Edelmetall gegen werden muss wie
vorher, zusaetzlich einer Risikopraemie, die mit der Gefahr, den “schwarzen
Markt” zu benutzen, steigt.
Die Arbeiter haben es ferner bei jeder bisher
vorgenommenen Geldverschlechterung erlebt, dass zuletzt der “schwarze Markt” zu
einer Lebensnotwendigkeit wurde, weil erfahrungsgemaess die Waren, fuer welche
Hoechstpreise festgesetzt waren, nicht mehr in genuegender Menge verfuegbar
waren.
Die Rationierung mit all ihren Missstaenden wurde
eingefuehrt, und oft genug geschah es und geschieht es noch gegenwaertig, dass
auch die rationierten Warenmengen nicht geliefert warden konnten.
Dem Schaden der Arbeiter stand ein entsprechender
Vorteil der allermeisten Arbeitgeber gegenueber und aller derer, die entweder
Sachwerte oder Dienstleistungen im freien Verkehr oder am “schwarzen Markt”
anzubieten hatten. Das Realeinkommen dieser Kreise erhoehte sich in dem Masse, wie
das Realeinkommen der Arbeiter durch Teuerung und Mangel abnahm, und beides
geschah erfahrungsgemaess im Durchschnitt ungefaehr in dem Verhaeltnis der
Vermehrung des Zwangskursgeldes.
Alle diese Erscheinungen verschwanden sofort, sowie
die Papierwaehrung durch eine keiner willkuerlichen Vermehrung der Geldzeichen
faehige Sachwert-Waehrung, insbesondere der Goldwaehrung, wenn auch nur in der
Form einer Gold-Rechen-Waehrung, ersetzt wurde.
Die Arbeiter lehnen es nach den gemachten Erfahrungen
ab, irgend einer Regierung oder einer von einer Regierung bevollmaechtigten
Stell, wie einer Zentralnotenbank, das Recht zuzugestehen, ihr Papiergeld mit
Zwangskurs auszustatten, die Kaufkraft dieses Papiergeldes zu bestimmen,
insbesondere auch in bezug auf die Ware Arbeitskraft, oder den Wert des
Papiergeldes im Verhaeltnis zu auslaendischem Geld festzusetzen, die Menge des
umlaufenden Papiergeldes zu bestimmen oder den Arbeitern Vorschriften ueber den
Gebrauch oder den Nichtgebrauch von Papiergeld oder Metallgeld oder Bankgeld zu
machen, moegen auch diejenigen, die bisher Bestimmungen ueber das Geldwesen zu
treffen hatten, guten Glaubens und guten Willens gewesen sein.
Die Arbeiter erklaeren es nach den gemachten
Erfahrungen als eines ihrer Grundrechte, dass jede Arbeitergruppe das Wertmass
ihrer Arbeit und ihrer Arbeitsprodukte selbst festsetzen darf und befugt ist,
dieses Wertmass mit jedem zu vereinbaren, der bereit ist, diese Festsetzung
anzuerkennen, insbesondere auch mit andern, mit ihr im Austausch befindlichen
Arbeitergruppen.
Die Arbeiter betrachten es insbesondere auch als ihr
Recht, ihre Arbeit und ihre Arbeitsprodukte auf Grund einer Goldrechenwaehrung
zu bewerten, wie sie sich die deutsche Volkswirtschaft waehrend der ersten
deutschen Inflation u.a. durch die Ausgabe von wertbestaendigem,
zwangskursfreiem Notgeld, ferner durch die Festsetzung von Goldloehnen und
Goldpreisen, wenn auch entgegen den Anordnungen der damaligen deutschen
Regierung, selbst geschaffen hatte, so dass zuletzt die Regierung, gezwungen
war, auch ihrerseits zur Goldwaehrung ueberzugehen.
Die Arbeiter sind auch nicht geneigt, sich weiterhin
mit der Tatsache abzufinden, dass die Regierungen und die Zentralnotenbanken es
bis jetzt nicht verstanden haben, alle Teile der Volkswirtschaft bestaendig
(und – J.Z.) ausreichend mit Zahlungsmitteln, insbesondere fuer Lohnzahlungen
zu versorgen.
Dass die Regierungen und die Zentralnotenbanken diese
Tatsache bestreiten oder sie im konkreten Falle durch Einfluesse der
“Spekulation” zu erklaeren versuchen, kann nach so viel Erfahrungen die
Arbeiter nicht hindern die Ursachen da zu suchen, wo sie zu finden sind.
Nachdem die Arbeiter so viel Geldkrisen erlebt haben,
mit anschliessender Absatzstockung und Arbeitslosigkeit, muessen sie sich heute
das Recht vorbehalten, Organisationen zur Versorgung der Volkswirtschaft mit
Zahlungsmitteln, insbesondere mit Lohnzahlungsmitteln, zu schaffen und nehmen
das Recht dazu auf Grund der anerkannten Rechte des arbeitenden Volkes in
Anspruch, Genossenschaften und andere Organisationen zur gegenseitigen Hilfe zu
bilden.
B.) Die in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen
zwingen die Arbeiter noch weitere, wirtschaftlichen Rechte zu fordern.
Es hat sich gezeigt, dass ein grosser Teil des
Unternehmertums seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Insbesondere hat das
Unternehmertum die Natur der Wirtschaftskrisen nicht erkannt und hat daher
nichts getan um sie abzuwenden und damit den Absatz der Produkte und die
Weiterbeschaeftigung der Arbeiter zu sichern.
Anstatt seine eigentliche Aufgabe zu erfuellen hat ein
grosser Teil des Unternehmertums den Faschismus und ihm verwandte, soziale
Krankheitserscheinungen beguenstigt und ist dadurch selbst zu einer Gefahr fuer
den Weltfrieden geworden.
Die Arbeiter mussen nach diesen Erfahrungen verlangen,
dass ihnen die Moeglichkeit eroeffnet wird, die Betriebe selbst zu uebernehmen.
Eine solche Moeglichkeit bietet die sinngemaesse
Anwendung des schon vor Jahrzehnten erlassenen, vor dem ersten Weltkrieg auch
in grossem Umfange angewendeten italientischen Gesetzes ueber die
Bewirtschaftung von Latifundien durch Pachtgenossenschaften.
Nach diesem Gesetz koennen die Arbeiter einer
Latifundie unter gewissen Bedingungen sich als Produktionsgenossenschaft
organisieren und die Latifundien pachten.
Die Anwendung dieses, von den italienischen
Landarbeitern seiner Zeit erkaempften Gesetzes auf die Industrie ist
naheliegend.
Wenn auch durch ein solches Gesetz noch keine
Sozialisierung errreicht wird, so wuerde dadurch doch die Moeglichkeit gegeben,
die Macht einer grossen Anzahl von Personen, die sich als wirtschaftlich
unfaehig und als politisch gefaehrlich erwiesen haben, zu brechen.
Gezeichnet: U.
v. Beckerath.
U. v.
Beckerath 14. II.
1946
(1)
Berlin-Friedenau 1
Schmargendorfer
Strasse 21, III
An den Vorstand des FDGB,
(1)
Wallstrasse 61.
Zum Umlauf bei den Vorstandsmitgliedern
W. Ulbricht,
H. Jendretzky,
W. Albrecht,
G. Groh,
P. Gruner
F. Moericke,
R. Jaeger,
A. Voss,
H. Warnke,
E. Lemmer,
F. Rettmann,
G. Grothe,
R. Chwalek,
W. Gienger,
A. Kaufmann,
W. Ketscher,
F. Malter,
K. Fugger,
R. Meissel,
I. Claus,
K. Kuehn,
B. Mueller,
P. Tirpitz,
M. Kiefer,
A. Kunze,
H. Pollock,
W. Maschke,
R. Magdanz,
B. Pahl,
O. Eichler,
O. Linke,
M. Mueller,
Th. Brylla,
F. Hensel,
P. Nowack.
K. Berholz,
B. Goering,
K. Poling,
H. Schlimme,
R. Horn,
F. Buchwalt,
A. Wolfram,
M. Buehrig,
K. Mann,
K, Meisner,
(Mein “Original”
ist eine schlechter Durchschlag und deshalb koennte ich einige dieser Namen
falsch gelesen haben. – J.Z.)
Die Ausfuehrungen
des hier beigelegten Schriftstuecks bitte ich dem Weltgewerkschaftsbund
zuzuleiten.
Dass der Inhalt
des Schriftstuecks dem Standpunkt sehr vieler Arbeiter entspricht, insbesondere
solcher, welche die Inflation von 1914 – 1923 mit erlebt haben, warden die
Vorstandsmitglieder aus eigner Beobachtung wissen.
Mit sozialistischem Gruss
U. v. Beckerath.
________________________________________________________________________
(B. arbeitete
damals in von den Sowjets regierten Ostzone Deutschlands und hatte entsprechend
zu schreiben.
Vergleiche auch
seine anderen Menschenrechtsentwuerde. Einige davon sind in PEACE PLANS 589/590
mit anderen privaten Entwuerfen dieser Art zusammengestellt worden. Der Entwurf
in PEACE PLANS Nr. 4, 61-63 und 399-401 war eine Zusammenstellung und weitere Ausarbeitung
von Anregungen von U. v. Beckerath in seinen mir damals zugaengigen Briefen u.
Aufsaetzen.
Vermutlich hat er
keine oder nur eine Nichts-sagende Antwort erhalten. Mir ist keine bekannt oder
zugaengig. Schriften an viele Leute zugleich gesandt werden oft ganz unbeachtet
gelassen: “Geteilte Verantwortung ist keine!”
– J.Z., 9. 9. 03.)
From an e-mail to
Uwe Timm, 8. 3. 03:
Three small
segments from Ulrich von Beckerath’s writings
on Nietzsche,
statism, panarchism, generalities, revolutionaries, Kant
Erst jetzt bin ich dazu gekommen die schon im Jahre 1991 kopierten Beckerath Briefe endlich zum grossen Teil zu lesen und mir auch davon schon einiges zum Eintippen oder scanning beiseite zu legen, z.B. einige kurze Beitraege, die Du vielleicht auch in espero gebrauchen koenntest. Z.B. wie die beigefuegten.
PIOT, John
Die folgenden
kurzen Beitraege lagen bei B.'s Briefen an Georg Goldberg und an den
Buchhaendler Lankewitz. G.G. wanderte nach Australien,
Meine Sammlung zum
Panarchismus, "On Panarchy" genannt, umfasst jetzt schon ueber 24
Baende, alle nur auf 24 Mikrofiche. Diese werden durch einige
Mikrofiche Spezialausgaben ueber die Geschichte der Exterritorialitaet
ergaenzt und die entsprechenden Werke von Fichte und Spencer und Kurt Zube's
Manifest fuer Freiheit und Frieden (in Englisch und Deutsch).
Aber eine CD-ROM,
so weit wie moeglich nur mit solchem Material gefuellt, ist jetzt auch geplant.
Es gibt bereits
drei Webseiten fuer den Panarchismus:
Meine eigene: www.acenet.com.au/~jzube
Christian
Butterbachs: www.panarchy.net (Sie
enthaelt meine beiden panarchistisch-libertaeren Friedensbuecher, das erste in
Deutsch und in Englisch.)
Gian Piero de
Bellis: www.panarchy.org
Die Webseite von
"espero" enthaelt auch einige solche Beitrage und koennte als 4.
Webseite dieser Art erwaehnt werden.
Die sehr
panarchistischen ersten 20 PEACE PLANS ausgaben sind jetzt ebenfalls
digitisiert aber z.Zt. nur von mir in e-mails erhaeltlich. (Bis sie auf einer
Webseite oder CD-ROM erscheinen.) Das gleiche gilt fuer die sehr
panarchistischen "Slogans for
Die vielen
Schriften in der PEACE PLANS serie, die sich mit der Geldfreiheit
beschaeftigen, stellen eine praktische Anwendung des Panarchismus dar, der die
volle Toleranz fuer alle toleranten Handlungen oder volle Experimentierfreiheit
verlangt, die natuerlich nur auf der Grundlage der Freiwilligkeit und vollen
exterritorialen Autonomie fuer alle Gemeinschaften von Freiwilligen moeglich
ist. Die Auswirkung wird in meinen beiden Friedensbuechern beschrieben.
Dass die Panarchy
auch auf die Bodenfrage anwendbar ist hatte Kurt Zube nie eingesehen. Ich hatte
das etwas in PEACE PLANS No. 5 behandelt.
Fuer Freihandel
gegenueber dem Schutzzoellnern usw. ware das natuerlich noch viel leichter und
ist sogar z. Teil schon realisiert.
Das gleiche gilt
fuer die Organisationsformen von Betrieben.
NIETZSCHE UND DER STAAT
von Ulrich von Beckerath, 15. III. 1950
Buddha
rechnet Mangel and Deutlichkeit und Anschaulichkeit im Vortrag zu den Suenden.
Es wird berichtet, dass er einmal eine Ansprache seiner Juenger an das Volk mit
angehoert habe, die sehr allgemein gehalten war. Buddha
tadelte das scharf und hielt nun eine Muster-Predigt, die in Neumann's
Uebersetzung unter der Unterschrift: "Die Leidensverkettung"
erscheint, worin Buddha mit deutlichen Worten das am Leben hervorheb, was es
nicht lebenswert macht, und dessen negativer Wert durch die groessten
Annehmlichkeiten, Erfolge und allen moeglichen Ruhm nicht aufgewogen wird.
Dass
Undeutlichkeit wirklich eine Suende sein kann, zeigt sich,
wenn bedeutende Schriftsteller die Notwendigkeit zeigen, neue Wege zu gehen,
auch wirklich den ersten Schritt tun, dann aber im Allgemeinen bleiben, so dass
ihre Anhaenger ueber die naechsten Schritte im Unklaren bleiben.
Im
19. Jahrhundert wurde der Staatsbegriff von vielen kritisiert.
Es wurder eroertert, ob wirklich der Staat nicht eher ein Uebel ist als eine
Wohltat. Es wurde, z.B. von Kirchmann, darauf hingewiesen, dass der Staat, wie
alles in der Welt, entstanden sei und mal vergehen werde, und
dass man Plaene aufstellen sollte, wie eine Gesellschaft sich evtl. ohne Staat
behilft.
(Kirchmannschlug
den Ausbau des Associationswesens vor, angefangen mit der Aktiengesellschaft,
bis zu den Produktivegenossenschaften der Arbeiter.)
Die Kriege des 19.
Jahrhunderts gaben Anlass die Frage zu eroertern, wieviel Menschen auf den
Schlachtfeldern umgebracht und verkrueppelt werden muessten, und wieviele
Staedte zerstoert werden muessten, damit auch Durchschnittsgeister erkennen:
Der Staat schafft
mehr Uebles als Gutes. Proudhon, Marx, Engels und viele andere erklaerten, dass
ihr Endziel die Ueberwindung des Staates sei.
Besonderes Aufsehen erregte das Kapitel: "Entwicklung des Sozialismus von
der Utopie zur Wissenschaft" im Anti-Duehring des Engels. Es hatte zur
Wirkung, dass die Staats-Sozialisten und besonders die Marxisten sich dem
Standpunkt des Engels ganz anschlossen und erklaerten:
Der Staat, auch
der sozialistische, den wir nach der Revolution aufrichten, der ist nur ein
Uebergang, ein Provisorium, die staatlose Gesellschaft ist unser Endziel.
Das sagt
ausdruecklich auch Lenin und, was mehr ins Gewicht faellt, auch Stalin in
seiner Schrift: "Fragen des Leninismus".
Der
Anti-Etatismus wurde mehr als durch jeden andern durch Nietzsche
gefoerdert.
(Dass Nietzsche in
den letzten Jahren seines Lebens wieder zum Etatismus zurueckkehrte soll hier
ausser Betracht bleiben.)
Was er
schrieb wurde mehr beachtet als alles, was andere gegen den
Staatsbegriff geschrieben hatten. Die besten Schriftsteller, z.B. Bahr,
bekannten sich unter N.'s Einfluss zum Anti-Etatismus. Noch zur Nazi-Zeit war
N.'s Einfluss in bezug auf den Anti-Etatismus stark. Gar nicht wenige
Nazis gaben den Staatsbegriff ganz auf und ersetzten ihn durch den Begriff Volk.
Hier liegt
uebrigens ein grosser, zu wenig beachteter Unterschied gegenueber dem
italienischen Faschismus. Die Faschisten erneuerten einfach das roemische
Staatsideal. Das war kein Fortschritt.
Die
russische Revolution von 1917 stellte ploetzlich Lening und sehr zahlreiche
Anti-Etatisten for die praktische Frage:
Wie soll eine
staatenlose Gesellschaft aussehen? Kein Programm war bekannt,
an das man sich haette anlehen koennen.
Was Fichte
i. J. 1794 in seinen "Betrachtungen zur Franzoesischen Revolution"
vorgeschlagen hatte, waere wohl der Anfang einer Loesung
gewesen. Fichte schlug vor, dass man aus dem Staate sollte austreten duerfen, wie
man aus einem Verein und - - in unserer Zeit - - aus Kirchen austritt. Aber,
Fichte hat schon i. J. 1800 alles das (indirekt) widerrufen, indem er seinen
"Geschlossenen Handelsstaat" schrieb, und darin all oekonomischen
Greuel des Etatismus glorifizierte.
Auf
ein paar andere zwar publizierte, aber unbekannt gebliebene Programme will ich
nicht eingehen. Gustav Landauer in seinem
"Sozialist" liess in dieser Zeitschrift eine Moeglichkeit der
Diskussion dieses Programmes zu. Im Jahrgang 1909 findet sich ein wertvoller
Beitrag von Max Nettlau. (B. schrieb hier versehentlich Nacht statt Nettlau. -
J.Z.) Er blieb ganz unbeachtet.
Was
sollten die Revolutionaere von 1917 tun??? Sie taten, was
under den gegebenen Umstaenden unvermeidlich war. Die Revolutionaere liessen
den Staat bestehen, meinten aber, sie hatten den Staat selbst
"abgeschafft", nachdem die Bourgeoisie enteignet war, und nachdem die
frueher im Amt gewesenen Staatsbeamten (mit ein paar Ausnahmen) durch
Parteimitglieder oder jedenfalls neue Maenner ersetzt waren. Das spricht Stalin
mit klaren Worten aus in seinern "Fragen des Leninismus" und bemerkt
dazu: Russland habe nunmehr die Forderung des Engels erfuellt,
eine nicht nur klassenlose sondern auch staatenlose Gesellschaft zu errrichten.
Waere
das alles so gekommen, wenn ein von ganz Europa beachteter Schriftsteller wie Nietzsche,
einer der besten Koepfe seiner Zeit, etwas Positives,
Klares, Deutliches und Anschauliches, mit Beispielen Belegtes dargelegt haette
ueber die Moeglichkeit die Funktionen des Staates durch etwas Besseres zu
ersetzen? Haette N. etwas Ausfuehrbares, einen wirklichen
Fortschritt Darstellendes gezeichnet, es waere beachtet worden, vielleicht
waere es sogar realisiert worden.
So
traegt die Unbestimmtheit des Anti-Etatismus N.'r Praegung einen Teil der
Schuld an der Sklaverei, in die so viele Dutzend Millionen Menschen innerhalb
weniger Jahrzehnte versunken sind.
(Uebrigens: Auch
Stirner ist der Vorwurf zu machen, dass er nichts Positives
ueber non-etatistische Organisationen geaeussert hat.)
Die
naechste Aufgabe der Kritik muss daher sein:
1.) Zu
untersuchen, ob die staatlichen Greuel der letzten 35 Jahre mit zum Wesen
des Staates gehoeren, oder ob man den Staat beibehalten kann, ohne dass diese
Greuel geschehen,
2.) falls Frage
1.) mit nein zu beantworten ist, d.h., wenn sich ergibt, dass
jene Greuel mit zum Wesen des Staates gehoeren, und dass, wenn
sie eine Zeitland unterbleiben, sie eben nur aufgeschoben sind, zu untersuchen:
was tun?
--------------------------
gez.: Bth.
15.
III. 50.
NIETZSCHE, "Von neuen Goetzen"
von Ulrich von Beckerath, 16. III. 1950
"Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und hasst ihn als
boesen Blick und Suende an Sitten und Rechten."
Es
gab Menschen, die den Zarathustra ganz ernst nahmen und sich nicht scheuten,
alle Konsequenzen daraus zu ziehen. Die konsequentesten waren die russischen
Revolutionaere zur Zeit der ersten, russischen Revolution. Ihr Standpunkt war:
Gesetze und Verordnungen des Staates sind fuer uns nur
verbindlich, wenn sie mit unserer Rechtsordnung
uebereinstimmen, und auch dann ist es unsere Rechtsordnung,
der wir uns unterwerfen, nicht diejenige des Staates.
Zwischen uns und dem Staat von heute besteht sogar bis auf weiteres ein
Kriegszustand.
Ebenso wie der Staat von heute jede Gewalt gegen uns anwendet, so werden
wir nunmehr unsere Gewalt gegen ihn anwenden. Wir werden Beute machen, wie der
Staat sie bisher gemacht hat, moege er seine Beute auch "Steuern" und
"Abgaben" genannt haben. Wir sind offener und erklaeren, dass wir
weder vor Raub an Staatsglaeubigen noch vor irgend einer Kriegslist
zurueckschrecken werden, moegen die Bourgeois auch von Betrug sprechen. So weit
es an uns liegt, zahlt die Bourgeoisie die Kosten des Krieges, den sie gegen
uns begonnen hat. Prominente Mitglieder der herrschenden Klassen sind
vogelfrei, ihre Gueter gehoeren uns.
----------------------------
Das
war nicht zum Spass proklamiert. Die Revolutionaere organisierten
Schmugglerbanden und verdienten tatsaechlich Geld mit Schmuggel. Die
Geheimdruckereien wurden zum Teil damit finanziert. Die Revolutionaere
organisierten Ueberfaelle auf Banken. Am beruehmtesten ist der Ueberfall auf
die Bank von Tiflis, vorbereitet von Drugaschwili, heute Stalin genannt. Er
erbrachte mehrere 100 000 Rubel und war die erste Ursache, dass die Revolution
nunmehr sogar eine Geldmacht wurde. Bei allen Revolutionaeren der Welt, von
China bis nach
(Hier ist in
Betracht zu ziehen, dass B. im Jahre 1950 mit der Besetzung von West
Berlin durch die Kommunisten rechnen musste. - J.Z.)
--------------------------
Das
damals so hell lodernde Feuer ist erloschen. Gerade auch die Nietzscheaner
sehen ein, das der Staat nicht nur ein Ausbeutungsinstrument
ist. Was er eigentlich ist, das scheint ueberhaupt noch
festzustellen zu sein.
Aber,
dass Staatsbefehle nicht heilig sind, das glauben heute denn
doch viele, und es sind nicht die schlechtesten. Dass diese Mentalitaet zum
Teil auf Nietzsche zurueckgeht, das wissen sie nicht, ist ihnen
uebrigens auch gleichgueltig woher sie stammt.
So ist denn die a
priorische Einstellung vieler: Wenn der Staat uns Beschraenkungen
auferlegt, so fragen wir zunaechst einmal, ob die auch berechtigt sind.
Warum
wirtschaftliche Beschraenkungen? Zollgrenzen, Arbeitsbeschraenkungen,
Preisvorschriften, Rationierungen? Ist das nicht alles Unsinn? Lehrt nicht die
oekonomische Theorie, soweit sie als Wissenschaft ernst zu nehmen ist,
dass die Beschraenkungen gerade das Uebel vergrossern, dass sie verhindern
sollen? Hatten wir nicht schon i. J. 1945 mehr zu
Und was soll das:
Zuerst proklamieren: Nur Arbeit kann uns retten! und dann einen Teil der Arbeit
zur "Schwarzarbeit" erklaeren und bestrafen?
Werden wir von
Dummkoepfen oder von Gaunern regiert?
Wir wissen es
nicht aber jeder Vorteil soll gelten, den wir durch Taeuschung dieser
Kerle gewinnen!
------------------------
Ex
geht zu weit - - gewiss, aber ist es nicht konsequent aus Nietzsche
gefolgert?
gez.: Bth. 12. 3. 50.
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Ulrich von
Beckerath an Georg Goldberg, 16.III.1950:
Die beste Art, mit dem Studium K a n t s zu
beginnen
Scheinbar ist es ein
Zeitverlust, wenn man zur Vorbereitung auf die "Kritik der reinen
Vernunft" mal zunaechst die "Populaeren Schriften" Kants liest
(sind gar nicht populaer), am bequemsten in der Ausgabe der Deuschen Bibliothek.
Man erfaehrt dadurch, worauf es Kant eigentlich ankam, and ganz trockene und
scheinbar sogar ueberfluessige Kapitel in der Kr. d. r. V. erscheinen auf
einmal in fast magisch anmutender Beleuchtung.
(Beispiel: Die
Paralogismen der reinen Vernunft. So wie sie dastehen, koennen sie langweilig
scheinen. Als eine Anweisung, das was man frueher Seele nannte, nicht nur in
dem kleinen Raum innerhalb der Epidermis zu suchen, und sich beim Suchen ein
bisschen Muehe zu geben, sind die 5 Kapitel aber interessant, und nicht nur
das.)
Da
liest etwa einer in der Kritik der reinen Vernunft die ersten Seiten, wo ueber
Raum, Zeit und Kausalitaet gesprochen wird. Wer vorher nichts von Kant gelesen
hat, der kann meinen: Nun - - das kann man wohl auch
ueberschlagen! Liest er da, dass Raum, Zeit und Kausalitaet nicht Bestimmungen
der Dinge an sich selbst sind, sondern subjectiver Art. "Na - - so'n
Quatsch!" hat schon mancher dazu gesagt.
(Auch Nietzsche
war den Kantischen Darlegungen nicht gewachsen. Mal gab er zu, dass das alles
subjektiv sei, dann wieder meinte er, nur der Raum sei subjectiv, die Zeit aber
nicht.)
Hat man aber die
Altersproduktionen Kant's gelesen, wo er endlich mit dem, was er eigentlich
wollte, herausrueckte, dann findet man:
1.) Wenn der Raum
keine Bestimmung der Dinge an sich selbst ist, dann kann ja
wohl gar eine unmittelbare Einwirkung von Mensch zu Mensch ueber Kontinente
hinweg stattfinden!!!???!!!
2.) Ja
- - und die Kausalitaet??? Dazu waere zu bemerken, dass wenn
mal geistige Explosionen in der Menschenwelt stattfinden, dann erscheinen
sie dem Intellekt allerdings als etwas kausal Bedingtes und
als etwas dem (im Grunde langweiligen) Naturgeschehen Entsprechendes. Aber,
sagt Kant (durch die Blume) verkennt die Sache nicht. Es koennte da etwas
vorliegen, was die Religion in ihrer Sprache eine Theophanie nennt.
----------------------------------
Wie
weit die Grundgedanken Kants zurueckreichen, das ergibt sich aus seinen
"Traeumen eines Geistersehers", einer vorkritischen Schrift, wo er noch
an dem Begriff einer individuellen Seele festhaelt. Aber, auf S. 23 der
Kehrbach-Reclam'schen Ausgabe fuehrt K. schon den Begriff des "Allgemeinen
Willens" in seine Betrachtungen ein, und diesen Begriff hat er dann seit
1766 mehr herausgearbeitet.
(Die Kr. d. r. V.
erschien in erster Auflage 1781, in verbesserter zweiter 1787.)
Eigentlich
solle man auch die "Traeume etc." vorher lesen. Anstatt in zwei
Jahren ist man dann mit dem Studium der Kr. d. r. V. vielleicht schon in 1 3/4
Jahren fertig.
(Die Tr. enthalten
nur 75 Reclamseiten, und es stehen ganz sensationelle Sachen darin.)
gez.: Bth.
16. III.
50.
=============================================================
Diese scheinen nun
auch nur allgemeine Betrachtungen zu sein. Aber ihre praktische Bedeutung
koennte gross sein.
- J.Z.,
8.3.03.