AKTUELL

Bestellter Journalismus?

Weg mit den Alten!

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Leserbriefe an Zeitungen oder Zeitschriften werden nicht alle veröffentlicht und können es auch nicht. Das ist durchaus legitim. Aber es ist immer wieder interessant und aufschlußreich festzustellen, welche Leserbriefe unter den Teppich gekehrt werden. Ich habe jahrzehntelange Erfahrung mit der Beobachtung solcher Fälle und besitze natürlich auch einige interessante Unterlagen in dieser Beziehung. Ein sehr aktuelles Beispiel will ich heute liefern. Es betrifft unser aller "STERN", der den nachfolgenden Leserbrief nicht abgedruckt hat. Name und Adresse des Autors sind mir bekannt, ich will sie aber erst zu einem späteren Zeitpunkt verraten.
 

Weg mit den Alten ?

Im STERN 48/ 2002 erschien unter dem Titel „Die Last mit den Alten" ein polemischer Artikel von Walter Wüllenweber, der in seinen Thesen dahin gelangt, pauschal die „Alten" für die finanzielle Situation der BRD sowie den leeren Kassen der staatlichen Zwangsversicherungen schuldig zu sprechen und zu unterstellen, dass die Jungen für die Alten leiden und bluten müssen. Wüllenweber, Jahrgang 62, gehört einer Generation an, die weder Kälte noch Not, weder Armut noch Krieg kennen lernte, also einer Wohlstandsgeneration, die nur den geraden und bequemen Weg kannte, Lehre, Berufsausbildung, Besuch einer Hochschule, um überwiegend mit den erworbenen Qualifikationen erheblich mehr Geld als es ihren Eltern möglich war zu verdienen. Mussten die Eltern noch für zwei oder auch mehr Kinder sorgen, ist das bei dieser Generation seltener Fall, weil Nachwuchs Stress bedeutet und junge Leute andere Genüsse vorziehen, Auto, Wohnung, Reisen, vieles was sich ihre Eltern erst im Alter leisten konnten. Es gehört zum Stimmungsjournalismus, sich nicht mit den Fakten zu befassen, sondern Symptome zu beschreiben, um damit Emotionen anzusprechen, Hass - oder auch Neidgefühle zu wecken oder auch, was bei Wüllenweber zutrifft, sich in der Kunst der oberflächlichen Polemik zu üben und in seinem Frust einen Hass auf die Alten zu predigen, der bewirken könnte, dass sich gewalttätige Anschläge auf die ältere Generation nicht ausschließen lassen. Seinen Verstand hatte der Autor Wüllenweber beim Schreiben so gut wie ausgeschaltet, was sich mit einigen seiner Äußerungen belegen lässt: „Noch nie hat sich eine Generation so schamlos aus dem Geld ihrer Nachkommen bedient wie ihr bei uns. Ihr hinterlasst uns nicht mal nichts... Arbeitet länger! Zahlt noch ein paar Jahre in das System!" „Ihr habt zwar gebaut, aber das Geld habt ihr euch bei uns gepumpt!" Nun haben sich Eltern, die etwas bauten, wohl bei einer Hypothekenbank verschuldet, nicht aber beim Staat und wenn sie sich verschuldet hätten, wäre bei ihnen der Gerichtsvollzieher erschienen, um die Schulden einzutreiben. Schlicht, weder Arbeitnehmer noch Unternehmer konnten oder können über ihre Verhältnisse leben! Differenzierungen sind Wüllenweber fremd und ich habe mich gefragt, wie kann ein Journalist einen solchen Artikel schreiben, ohne jede Hinterfragung und völlig staatlich fixiert und gänzlich frei von den geringsten ökonomischen Kenntnissen. Mündigkeit wird an keiner Schule, keiner Universität gelehrt. Und so schreibt Wüllenweber wie ein plärrendes Kind, das ausschließlich gelernt hat, seine Forderungen an die Eltern, die Gesellschaft und eben an den Staat zu stellen. (Er selbst gehört zur „Erbengeneration") Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Jede Generation ist für sich verantwortlich und einen Generationsvertrag hat es nie gegeben. Juristisch gibt es Verträge zwischen lebenden Personen, auch zu Gunsten Dritter, aber es gibt keinen Vertrag mit Menschen, die nicht existieren oder existieren werden. Der Generationsvertrag ist eine Fiktion der Politiker und bei der Rentenversicherung handelt es sich um eine staatliche Zwangsversicherung, ebenso bei den Krankenkassen. Für diese Zwangsversicherung mussten die „Versicherten" Beiträge leisten, nur diese Beitragsleistungen wurden von der Politik auch zur Finanzierung von „versicherungsfremden Leistungen" missbraucht und genutzt. Versicherte, die ihre Beiträge leisteten, also in diese Kasse einzahlten, gehörten selbst schon zu den Betroffenen, die mehr einzahlten als an rein versicherungsspezifischen Leistungen auf ihre Konten zurückfließt. Das ist auch der Grund dafür, warum jeder zweite Versicherte über seinen Rentenbescheid enttäuscht ist, weil die erwartete Rente niedriger ausfällt als erhofft oder erwartet. Ein Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre Beiträge leistete, kommt auf eine Rente von 1099 €uro und viele Arbeitnehmer erreichen diesen Betrag nicht, wegen der Berechnung von einem Durchschnittsverdienst der gesamten Lebensarbeitszeit. Gegen die Fremdverwendung der Rentenbeiträge gab es Klagen beim Bundessozialgericht Kassel (1996), aber dieses entschied in einem Grundsatzurteil, dass es nicht gegen das Grundgesetz verstößt, wenn die Rentenbeiträge „fremd" verwendet werden und man müsse dem Gesetzgeber einen „Spielraum" bei der Verwendung der Versicherungsbeiträge einräumen. Norbert Blüm begrüßte diese Entscheidung, wurde doch damit anerkannt, es ist Sache des Gesetzgebers wie mit den Leistungen in der Sozialversicherung und deren Finanzierung verfahren wird. Es war also eine Schuld des Staates, nicht der Versicherten, dass die Beitragszahler in den staatlichen Zwangsversicherungen etwa die Kosten der „Deutschen Einheit" oder andere versicherungsfremde Leistungen finanzierten. Wenn es den Politikern schon frei steht, wie sie mit den Beitragszahlungen in den Sozialkassen verfahren, so nutzten sie die Möglichkeit der „Zwangsbesteuerung" auch für eine eigene Wohlstandsmaximierung und die Beamten können mit 75 Prozent ihrer letzten Bezüge in den verdienten Ruhestand gehen. Zahlungen erfolgen dreizehnmal jährlich und ohne jede eigene Beitragsleistung haben sie 1300 €uro monatlich mehr auf dem Konto als die braven Beitragszahler. Dass politische Beamte, Staatssekretäre, Minister und Abgeordnete für sich „Bezüge" realisieren, wovon etwa ein selbständiger Handwerksmeister nur träumen kann, dürfte sich in der BRD herumgesprochen haben. Sie sind heute die Reichen in der Republik! Dass die BRD mit mehr als 1 Billion €uro verschuldet ist, was der Journalist Wüllenweber so sehr beklagt, auch das ist keine Schuld der älteren Generation, sondern eine Schuld von Politikern - die zur Verantwortung zu ziehen sind - , die das Geld anderer Leute verwirtschaften, dieses als ihr Spielgeld betrachten. (Informationen beim Bund der Steuerzahler) Der Staat ist eine unproduktive Institution. Aber die staatlichen Vormünder nehmen den Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen für sich wahrzunehmen, selbst zu bestimmen, ob sie viel, wenig oder auch gar nicht arbeiten. Konsequente Marktwirtschaft ist der einzige Weg zur Emanzipation von der staatlichen Willkür und Ausbeutung. Zu unterstellen, dass die ältere Generation, die noch die Kapitulation, Demontage, Hunger und Kälte der Nachkriegszeit erlebte, Deutschland mit langen Arbeitszeiten, kurzen Urlaubszeiten, wieder aufbaute, heute als eine Schmarotzerbande bezeichnet wird, ist der Gipfelpunkt der Ignoranz. Zudem, wenn Senioren Reisen unternehmen, sich dieses und jenes leisten können, beleben sie die Wirtschaft und sichern Arbeitsplätze. Aber die Einsicht, dass der Zwangskommunismus ins Elend führt, nicht der freie Markt, fehlt noch in Deutschland und Journalisten wie Wüllenweber erwarten in ihrer Unkenntnis vom Staat sogenannte Reformen, die sich an den Symptomen und nicht an den Ursachen orientieren.

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Vergessen zu erwähnen hat der Autor noch, daß die hohen Schulden des Bundes ganz besonders auf die Zinsbelastungen zurückzuführen sind. Er fand den Artikel im STERN äußerst schlimm, wie er seinem Begleitschreiben an mich hinzufügte, und meinte: "Danach müssen die Alten die Rolle der Juden übernehmen und es gibt auch schon die ersten gehässigen Witze. Wer über siebzig ist, darf bei Rot die Kreuzung überqueren."

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Wie lange werden wir uns diese Mär vom Generationenvertrag noch anhören müssen?

C.B.

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