von Kaspar Rosenbaum
Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Für voraussichtlich
vier lange Jahre. Die
BRDler haben sich eine neue Regierung gewählt:
die alte. Es ist jene
Regierung, welche im besonderen Maße für
das wohlfahrtsstaatliche "Weiter so"
steht, welche die dringendsten marktwirtschaftlichen
Reformen in den
staatswirtschaftlichen Pleitebereichen Gesundheit,
Renten, Sozialsysteme,
Landwirtschaft und Kohle weitere vier Jahre auf
die lange Bank schieben
wird. Vier Jahre Durchwurschteln, bis sich dieses
Land noch mehr jenen
Verhältnissen genähert haben wird, bei
welchen das System dann kurz vor dem
totalen Zusammenbruch stehen wird - wie einst
das Großbritannien kurz vor
der Wende durch Margaret Thatcher. Und dann wird
sich auch hierzulande eine
eiserne Lady oder ein eiserner Lord um Wählerstimmen
bemühen (um das System
als solches noch einmal zu retten), hieße
er oder sie dann auch Angela
Merkel oder Friedrich Merz oder Guido Westerwelle
oder Jürgen W. Möllemann
(oder z.B. Andreas Ullrich von "den Freien").
Das Hochwasser, die Irakpolitik und die Möllemann-Affäre
ließen die meisten
Kommentatoren über die Krux der Wahl hinwegschielen:
Es ist nämlich nicht
so, dass die nötigen marktwirtschaftlichen
Reformen in den Augen der Wähler
durch oben genannte Nebenthemen keine Rolle mehr
spielten. Vielmehr lehnte
auch der zweite Kanzlerkandidat Edmund Stoiber
wirkliche Reformen dezidiert
ab und die FDP versprach, den einen oder anderen
reformfeindlichen
Sozialdemokraten zum Kanzler zu wählen. Beides
hielt die wenigen
Reformbefürworter eher von der Wahl ab (weshalb
wohl auch die
Wahlbeteiligung trotz medialer Aufpeitschung zum
"Herzschlagfinale" um mehr
als drei Prozentpunkte sank). Und die anderen
Wähler, die meisten Wähler -
vor allem die im Osten - wollten "mehr Markt"
und "weniger Staat" gerade
nicht!
Im alten Bundesgebiet landeten Union und FDP immerhin
noch vor Rot-Grün,
doch der Osten wählte einmal mehr anders:
Großzügiges Steuergeldverschenken
im Überschwemmungsgebiet, garniert mit einem
verlogenen "Keinem wird es
schlechter gehen" hier, ein bisschen Antiamerikanismus
dort und wie gesagt
vor allem das Versprechen, "neoliberale Reformen"
zu vermeiden, dies ist das
Gemisch, welches SPD, Grünen und PDS im Osten
satte 61,3 Prozent brachte.
(Und im übrigen der NPD mit ähnlichen
Parolen zusätzlich 1,2 Prozent, im
Gegensatz zu westdeutsch-kümmerlichen 0,3
Prozent). Der Osten wählte "weiter
so"!
Und insgesamt? Die rot-grüne Regierung erreichte
BRD-weit 47,1 Prozent der
Stimmen. Das sind bei einer Wahlbeteiligung von
nur noch 79,1 Prozent gerade
37,3 Prozent der Wahlberechtigten. Aus demokratischer
Sicht müsste dieses
Ergebnis erschütternd sein. Wie tief wäre
erst die Wahlbeteiligung gesunken,
wenn es eine "gewöhnliche Wahl" ohne "Herzschlagfinale"
gewesen wäre?
Es wird sich zeigen, ob die Bundesbürger in
vier Jahren unter noch
verschlechterten Bedingungen bereit sein werden,
wirkliche Reformen zu
wählen. Wenn ja, dann war diese Wahl aus
liberaler Sicht einfach nur ein
nötiger Zwischenschritt und am Ende hätte
besser noch der Regierungseintritt
der PDS gestanden. Eher ist aber zu befürchten,
dass gerade die Ostdeutschen
mehr Eigenverantwortung niemals wollen werden
und lieber dahin weiter
zurückgehen, wo sie einst herkamen: in eine
marode sozialistische
Planwirtschaft, die sich in vielerlei Hinsicht
dem Niveau der Dritten Welt
noch weiter nähern wird. In diesem kuschelig-armseligen
Land wird dann mehr
denn je hoch politisiert ein jeder auf Kosten
des anderen leben (die
Bürokraten auf Kosten der Bergarbeiter auf
Kosten der Arbeitslosen auf
Kosten der Bauern auf Kosten der Ärzte auf
Kosten der Krankenkassen auf
Kosten der Rentner auf Kosten der Steuerzahler)
und über "die da oben, die
Korrupten, die Bürokraten" kräftig schimpfen,
ohne sich zum Preis von mehr
Eigenverantwortung wirklich dagegen aufzulehnen.
Denn zeigen nicht gerade
die Wahlergebnisse in Wuppertal und Köln,
wo die Korruptions- und
Klüngelpartei SPD erneut die Direktmandate
gewann, dass selbst im tiefsten
Westen die meisten Menschen lieber grummelnder
Untertan bleiben wollen, als
auch nur Courage zu beweisen?
Vor diesem Hintergrund muss neu überlegt werden,
ob der Liberalismus und die
(immer zweifelhafter werdende) Demokratie wirklich
Partner sind oder ob -
wie der libertäre Hans-Hermann Hoppe in seinem
amerikanischen Bestseller
"Democracy - the God that failed" vermutet - die
demokratische Herrschaft
des Pöbels letztlich und endlich der Totengräber
der individuellen Freiheit
sein wird. Ist es schon an der Zeit, die Systemfrage
zu stellen?
[Quelle: Medienmeldung der Zeitschrift eigentümlich
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