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07/08/2005 Entry: "Bei Einbruch der Dunkelheit..."
INSTALLATION KAISPEICHER A
Overheadprojektion - Katrin Bethge
Klanginstallation - John Eckhardt
in kooperation mit überNormalNull
08.07.2005 - 17.09.2005 täglich bei Einbruch der Dunkelheit
eintritt frei / dalmannkai / u-bahn baumwall / metrobus 6 / hafencity hamburg

Liebe Freunde, Kollegen und Interessierte,
heute (Fr.) Abend ist es so weit, und unsere Licht- und Klanginstallation startet in den Sommer! Übrigens mit einem Eröffnungs-Event um 22.00h mit den Pontones:
Katrin Bethge - Overheadprojektion
John Eckhardt - Kontrabass
Cordula Grolle - Cello
Matthias Kaul - Schlagzeug & so
Astrid Schmeling - Flöten
Der Eintritt ist frei. Ich würde mich sehr freuen, Sie und Euch an einem Abend im Laufe des Sommers, vielleicht aber auch schon heute Abend dort zu treffen! Für die, die es interessiert, unten ein Programmtext.
Herzliche Grüße & einen schönen Sommer,
john eckhardt
PS: Weitere Konzerte dort, ebenfalls mit Katrin Bethge: 06.08. "Im Ohr brennt noch Licht" - Gregory Büttner & Stephan Funck (elektroakustische Klangschichtungen) / 17.09 "Sirenenklänge" - Hannes Wienert (Quattroflex-Schlauch), Sandra Wolff (Gesang), Astrid Griebenow (Text)
Mit dem Klang als Zeichen, Ausdruck oder Metapher dieser variationsreichen, ineinandergreifenden Prozesse werden durch das Ohr neue, extreme Innenansichten und Momentaufnahmen vom Innenleben dieses Organismus ermöglicht, seine Oberfläche wird abgetastet und seine Umwelt erkundet.
Darüber hinaus kommt es zu Wechselwirkungen mit den Geräuschen der Umgebung, der Atmosphäre des Ortes, insbesondere aber mit den weithin sichtbaren abendlichen Licht-Projektionen: beim Näherkommen und beim schließlichen Eintreten in das Klangfeld des Speichers eröffnet sich dem Betrachter eine neue Tiefenschicht. Klang und Licht verbinden sich auf unterschiedliche Weise, sowohl auf der Ebene des konkreten Materials als auch im gemeinsamen Schwerpunkt auf dem Analogen, Prozesshaften und Durchlässigen. Sie durchdringen einander, fügen dem jeweils anderen eine neue Dimension hinzu und beeinflussen die Wahrnehmung des Hörer-Betrachters.
Für die klangliche Darstellung eines solchen lebendigen, durchlässigen Feldes von Kräften erhalten Form und Vorstellung des Mobile eine besondere Bedeutung: in ihm sind einerseits spezifische, klar abgegrenzte Objekte aufgehängt, und ihre Flugbahnen können vorgegeben werden. Andererseits sind aber der jeweilige genaue Aufenthaltsort, die Bewegung und die Konstellation dieser Elemente untereinander einer genauen Berechnung bewußt entzogen, stets einzigartig und unwiederholbar, und die Gesamtgestalt schließt Standort und Perspektive des Betrachters mit ein.
Diese Grundmaterialien bestehen hier im Wesentlichen aus eigens im Hafen angefertigten, weitestgehend unbearbeiteten Aufnahmen. Z.B. den nie gleichen Ponton- (Schwimmdock)-Klängen, deren Abhängigkeit von Bauweise, Befestigungsart und verwendeten Materialien sowie ihre große Empfindlichkeit gegenüber den Gezeiten, der Witterung und dem Schiffsverkehr sie zu einer natürlichen Entsprechung jener Gedanken von Ort, Feld und Mobile auf klanglicher Ebene machen. Gleichsam als Grundton des Hafens findet sich der bassige, warme und pulsierende Klang von Schiffsmotoren.
Auch am Kaispeicher selbst vorgefundene Klänge sind zu hören, wie z.B. Stimmen von in seiner Fassade brütenden Vögeln, an seiner Kaimauer wachsenden Pflanzen, der ihn unmittelbar umgebenden Baustellen oder solche, imaginäre, wie sie wohl eines Tages aus der auf seinem Fundament geplanten Philharmonie ertönen werden.
Eine wichtige Rolle spielen außerdem Sprachklänge (sowie punktuell auch Klänge traditioneller Musikinstrumente) der Wachstumsregionen und wichtigen Handelspartner des Hamburger Hafens, China und dem Baltikum (hier: Lettland), aber auch Äthiopiens und des Irans als Ursprungsländer von Kaffee und Perserteppichen: quasi verwandte Organismen in einem den Hafen umgebenden Netzwerk, mit denen er kommuniziert, die für sein Überleben wichtig sind und die seine Gestalt mitbestimmen.
Ferner Ausschnitte des Mittel- und Langwellenrundfunks von Seewetterberichten und Fragmente von Musiken des Hafens (Schifferklavier, Clubsounds)...
An manchen Tagen erscheinen konkrete Bilder, die die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Hafens spiegeln und in ihrer vergrösserten Verzerrung eine athmosphärische Abstraktion erfahren. Der Kaispeicher bekommt eine organische Oberfläche, eine Haut, die sich während des gesamten Zeitraums der Licht- und Klanginstallation im ständigen Wandel befindet.
dieses projekt wird gefördert durch die hamburgische kulturstiftung und die hafen city gmbh.
Diese Pressemitteilung und Einladung erhielt ich heute abend per E-Mail von John Eckhardt, nachdem ich heute morgen von ihm auf mein Rundschreiben »revival of my blog "CB's notewok"« hin ein »Please unsubscribe, thanks.« erhalten hatte. So verstehen Hamburger Künstler aus Kreisen, die ich als der Linken zugehörig betrachte, Gleichheit, Freiheit, Gegenseitigkeit. Ach, man ist ja so unpolitisch, hängt aber den Politikern so gerne an den von uns allen gefüllten Taschen. Wie eine Künstlerin aus diesen Kreisen (übrigens alle wirklich sehr großartige Künstler) mir mal gesagt hatte: Wir wollen nur Kunst machen, keine Politik. Man muß ja nicht gleich aktive Parteipolitik betreiben, aber keine Stellungsnahme zu politischen Fragen ist auch eine Stellungsnahme, und zwar eine zugunsten des jeweiligen politischen Establishments und der eigenen Karriere. Es gibt äußerst wenige Beispiele in der gesamten Geschichte der Menschheit, in der sich Künstler nicht der Politik und dem Geld prostituiert haben. Gerade Ost- und Westdeutschland liefern dafür genügend prominente Beispiele. Ich selbst kann davon sogar in diesen Tagen ein Lied singen. Ich habe vor Jahrzehnten zwei damals total unbekannte junge Künstler im Rahmen meiner Möglichkeiten gefördert (übrigens noch viele weitere, aber diese zwei Fälle sind in diesen Tagen für mich aktuell), die heutzutage weltbekannt sind, der eine mit Retrospektiven zu Lebzeiten in den angesehensten Museen, dem anderen werden genauso die Professorentitel nur so nachgeschmissen. Beide kennen mich nicht mehr. Der eine hat sogar den Namen meiner kleinen Galerie, in der er seine erste Einzelausstellung hatte, aus seinem Lebenslauf in den über ihn erscheinenden dicken Schinken gestrichen, im Gegensatz zu den früheren Bänden, der andere antwortet nicht mal auf eine E-Mail mit der ich ihn vor Wochen um eine Fachauskunft gebeten hatte im Interesse einer guten Sache. Nun, ich habe jetzt kein Geld mehr wie damals. Das riechen die über Ozeane hinweg.
Zwei der drei erwähnten Fälle stehen übrigens in Zusammenhang mit der Philosophie der Freiheit. Die Kunst ist ja bekanntlich so frei und hat diesbezüglich sogar in der Verfassung verbriefte Privilegien. Aber gemeint ist immer die eigene Freiheit, nie die der anderen. Ite, missa est.
PS: Am 12. Juli erhielt ich auf mein Rundschreiben »revival of my blog "CB's notewok"« hin von John Eckhardt folgende zweite E-Mail: "I just discovered that in my current summer e-mail program cleaning frenzy (unsubscribing dozens of unwanted newsletters from people I don't know) I accidently unsubscrtibed your newsletter - please put me back on the list, thanks.", wodurch sich nun etwas doch in Wohlgefallen aufgelöst zu haben scheint.