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AKTUELL
So schön kann Politik sein. |
Diesmal geht es nicht um die üblicherweise viel größere Qual nach der Wahl, sondern ganz einfach um die Qual der Wahl eines Titels für diesen Eintrag vor seiner Veröffentlichung. Der Lauftext "Die Qual der Wahl..." oben bezieht sich zwar darauf, aber viel angebrachter wäre er, bezogen auf die Vielzahl der interessanten Veranstaltungen die Einheimischen und Besuchern dieser Tage — eigentlich immer und zunehmend (hier stinkt Oles Politik nicht! Aber die Pissoirs noch immer...) — in Hamburg geboten werden. Ich habe mich für "So schön kann Politik sein." entschieden, bedaure nur, daß der auf den vorigen Eintrag auch nicht schlecht gepaßt hätte. Aber ich hätte einen viel besseren: Seit gestern nämlich und bis morgen wütet hier, auch im Rahmen der European Heritage Days 2008, der sehr lobenswerte bundesweite Tag des offenen Denkmals, der in Hamburg nun aber drei Tage dauert, sonst wäre der Tag erst morgen. Ich sage "wütet", das paßt so schön zum etwas wilden Durcheinander an Sprachen, Mundarten, Gesichtern, Hinterteilen, oberen Vorderteilen, Kluften und Trachten der Menschenmassen, die, fett oder mager, die Stadtfläche mit ihren Quadrillen karriert langsam durchmessen oder rasch durchfliegen, von einem Ort und einer Veranstaltung zielbewußt chaotisch zu den nächsten O. und V. steuern (sozusagen schweigsam ins Gespräch vertieft, blitzesschnelle langsam um die Ecke... Sie kennen das). Nun, neben diesen Tagen des offenen Denkmals und, siehe Foto oben, dem angekündigten Tag der offenen Tür im Rathaus, gab es für mich noch heute, mitten drin in den drei Tagen der offenen Denkmäler und noch vor dem kommenden offenen Politiker-Palast, den Tag des geschlossenen Denkmals. Und Denkmal darf man schon sagen von diesen Pissoirs. Die Spuren des Drecks sind ja fast so alt wie diejenigen der Dinosaurier in Obernkirchen. Nun also zu meinenHamburger Tagen der offenen und geschlossenen Denkmäler     Immerhin, es tut sich was. Scheint's zumindest. Die Dinger sind geschlossen, teils bereits abgebaut, der Rest steht noch ungereinigt da, man merkt's ab sechs Meter etwa oder schon eher, aber was soll's, die neue Politik, die Oletik, wird uns, hoffen wir's, irgendwann einen Ersatz bescheren, der dem Rathaus in Pracht in nichts nachsteht, weil ja Politik so schön ist... Und wenn man bedenkt, daß ich vielleicht sogar dazu beigetragen habe. Aber dazu mehr beim nächsten Mal. Nicht jeder kann seinen Namen bei der Elbphilharmonie verewigen, es muß auch bescheidenere Wahrzeichen geben, für den kleinen Mann und seinen... Wenn dann eines Tages diese so heilsamen und wichtigen kleinen Wallfahrtsorte wieder rege besucht werden dürfen, werden wir an die Zahlen von Lourdes vielleicht nicht ganz herankommen können, aber Quantität ist ja nicht unbedingt Qualität. Träumen wir ganz einfach davon, daß der heutige prominente Besucher dort unten uns hier oben am Hauptbahnhof einmal inkognito beehren wird. Dann ganz sicher ohne die Bétancourt und die Carla. Amen.PS: Zitieren wir noch zum Tag des offenen Denkmals den NDR: Tiefer Einblick/Unter dem zusätzlichen Motto "Verborgenes Hamburg - Untergrund und Bauforschung" lädt die Stadt an der Elbe in ihre Unterwelt ein. Sagt' ich's doch...
Christian Butterbach, 13.09.2008, 23:21 GMT+1 [Link]
         Auf Wiedersehen, Pissoir Nr. 1 (Hauptbahnhof Süd), sei gegrüßt, Du edler Pissoir Nr. 2 (Hauptbahnhof Nord)!         Auf Wiedersehen, Pissoirs alle beide! ????????(?) Ich habe diese Fotos hastig (ich mußte warten und die kurzen Momente ausnutzen, in denen kein Pissant [sic] in den Tempelchen war, sonst hätte es [womöglich schwarz-braun SCHILLernde] rechtliche Schwierigkeiten geben können...) an der Prunkseite (Kirchenallee) des Hamburger Hauptbahnhofs vor genau einer Woche, am 18.08.2008, gemacht. Seit Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, leider ist immer etwas dazwischengekommen; außerdem war meine vorige Kamera nicht geeignet. Die neue habe ich hiermit eingeweiht. Der dokumentierte Zustand bestand an dem auf den Fotos eingedruckten Datum bereits seit mindestens anderthalb Wochen, denn solange hatte ich täglich überprüft. Und nun kommt es: Ich schwöre auf das Haupt meiner seligen Mutter, daß der gezeigte Zustand noch absolut harmlos ist gegenüber dem was ich und viele Tausende von Zeugen seit Jahren äußerst häufig und auch manchmal noch länger andauernd dort vorgefunden haben. Seien es Imitate aus Urin und in Miniatur der Niagarafälle, die aus den gezeigten Becken plätscherten wie weiland der Bach in der Dichtung, seien es Imitate der Harburger Schwarzen Berge aus geologisch weniger interessanten Fäkalien, die in diese Becken oder daneben gepflanzt wurden, museal lange dort verharrend, oder ganz und gar nicht imitiertes Erbrochenes, das also nicht von FahnenFleck stammte, ziemlich dauernd waren die Örtchen für so manche Überraschung gut. Auch brauchte man im Hochsommer die Außentemperaturanzeige am Südsteg nicht mehr zu bemühen, die Temperatur ließ sich am Geruch viel bequemer und ganz und gar unelektronisch ablesen. Die langen, von den theoretisch vorgesehenen und praktisch für ihre Arbeit wohl auch bezahlten, gelegentlich sogar gesichteten Reinigungskräften eingelegten Pausen, konnte man wissenschaftlich exakt nachvollziehen, ohne Stechuhr, indem man sich ein oder mehrere in den in erster Linie für Zigarettenstummel1 vorgesehenen Behältnissen über den Becken (siehe Fotos) abgelegten in Art und Anordnung unverwechselbaren Stück Abfall merkte, um es/sie dann nach vielen Tagen (einmal habe ich drei Wochen gezählt) wiederzuerkennen...
Es stinkt zum Himmel! Die Mundpropaganda der Touristen verbreitet den Duft ins letzte Provinznest, wenn dort bei Kaffee und Kuchen vom besuchten Hamburger Musical oder gar von der Herbertstraße den Daheimgebliebenen berichtet wird.
Hereinspaziert, meine Damen und Herren, oh pardon, Herren: Ole Freiherr von Beust bittet zum Besuch. Eintritt frei!
Welch eine Verachtung haben doch Politiker für uns Menschen...
~~~ Kommentare erbeten an

1 In britischem Englisch heißt so ein Stummel fag-end, in amerikanischem Englisch cigarette butt, beide irgendwie sehr lustig in diesem Zusammenhang (Insider-Joke).
PS: Wer bei dieser Hamburger Reportage noch etwas mehr schmunzeln will, der schaue sich in Wikipedia die Seite zu Olé bzw. OLE an. Und die entsprechende deutschsprachige Seite. Object Linking and Embedding finde ich bei diesen Fotos besonders angebracht... Hamburger Reportage, olé!
Christian Butterbach, 25.08.2008, 09:05 GMT+1 [Link]
Ein paar Gedanken zur ToleranzWenn ich Verbündete oder Freunde in der eigenen Gesellschaft oder der Welt suche, dann darf ich die Menschen, die ich gewinnen will nicht kränken oder verletzen. Diese Rücksicht darf aber nicht so weit gehen, daß die eigene Sprache verlogen, unwahrhaftig wird. Weil der Mensch sich mit seinem Verstand die Welt nur in einem – individuell unterschiedlichem Grad – erklären kann, ist er auf den Glauben angewiesen. Die Glaubensbilder, die die Wissenslücken füllen produziert er aber selber oder übernimmt sie in seiner Sozialisation oder eignet sich in der Revolte gegenüber der Tradition neue an. Diese Glaubensbilder sind natürlich nicht einheitlich, sondern differenzieren sich nach Religionen, Konfessionen und auch nach Philosophien ohne Gott. Die Differenzen können so stark sein, daß schon die Existenz von Glaubensbildern anderer Gemeinschaften als Bedrohung oder Kränkung der eigenen Glaubensvorstellungen gedeutet werden. Das Kruzifix an der Wand kann von einem Atheisten schon als Angriff auf seinen Nicht-Gott-Glauben empfunden werden. Die Bedrohung des eigenen Glaubens wird um so stärker empfunden, je ausschließlicher ein Allgemeingültigkeitsanspruch für den eigenen Glauben vertreten wird. Wenn unterschiedliche religiöse und nichtreligiöse Glaubensvorstellungen nicht zu kalten und heißen Konflikten führen sollen, dann muß mit der Einübung von Religion und Weltanschauung gleichzeitig die Toleranz geübt werden. Toleranz setzt aber ein Mindestmaß an Zweifel an der eigenen Überzeugung voraus. Nun ist es aber ein schwieriges "Geschäft" einen Glauben und den Zweifel an diesen Glauben gleichzeitig zu vermitteln. Ich habe vorhin Marc Rothemunds Film "Sophie Scholl – Die letzten Tage"/Der Widerstand der "Weißen Rose" im ARD-Fernsehen gesehen. Wenn die Geschichte wahrheitsgemäß gezeigt wurde, dann wurde hier mal wieder deutlich gemacht, wie ein Mensch in einer schwierigen Lage mit dem Tod vor Augen vom Glauben getragen wird. Der Glaube in diesem Fall ist der christliche, protestantischer Prägung. Die Tragkraft des Glaubens, wie sie sich bei Sophie Scholl gezeigt hat, ist kein Einzelfall, es ist aber auch kein Massenphänomen, zumindest nicht bei uns in unserer Zeit, wo eine Glaubenssehnsucht mit einer Glaubensverunsicherung herrscht. Außerdem ist zu beobachten, daß in allen Kirchen es Christen gibt, die sich an der Institution ihrer Kirche reiben, weil sie fühlen daß diese Haltung oder jene Tat nicht mit der eigenen Auffassung vom Christentum zur Deckung zu bringen ist. Es ist auch zu beobachten, daß es immer wieder Menschen gibt, die für ihre Kirche Opfer bringen. Von meinem Großvater mütterlicherseits wurde mir berichtet, daß er seinen Hof als Sicherheit anbot, als für den Kirchenbau in seiner Gemeinde ein Kredit benötigt wurde. Seine Begründung war sinngemäß: "Auf ein Gotteshaus trägt man keine Hypothek ein." Aber trotzdem können Fehlentwicklungen von Kirchen nicht ausgeschlossen werden, denn sobald eine Organisation gebildet wird, um eine Idee zu pflegen oder ihr Geltung zu verschaffen, bildet die Organisation – egal ob Fußballverein oder Kirche – ein Eigeninteresse, das sich schon nach kurzer Zeit nicht mehr mit den Inhalten zu decken braucht, die zur Gründung der Organisation geführt haben. Wenn über eine Organisation ihren Mitgliedern bestimmte Werte und Verhaltensmuster vermittelt werden sollen, so ist dagegen nichts zu sagen, solange die Mitgliedschaft freiwillig ist und ein Austritt ohne vernichtende Sanktionen möglich ist und vor allem, solange diese Normen keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. In Bezug auf die Sexualität war die Kirche eine Katastrophe und die Weltgemeinschaft zeigt, daß die Monogamie für die Ehe nicht die einzigste Form ist. Der Zölibat ist im Einzelfall wohl eine ernsthafte und ehrliche Sache, aber die Berichte die ich darüber gehört und gelesen habe, lassen eher vermuten, daß wir es hier mit einer gelebten Lüge zu tun haben. Wir sind hier bei dem Herrschaftsanspruch, den Großorganisationen wie die Kirche häufig genug in der Geschichte geltend gemacht haben. An dem bösen Wort von der Religion als Opium für das Volk war häufig genug mehr als ein Funken Wahrheit dran. Aber Opiumhändler lassen sich immer bezahlen. Die Kirchen haben sich ihre Dienste vom Staat durch Privilegien abgelten lassen: Konkordate, Kirchensteuer, Zuschüsse zum Personal, Institutionen, Kirchenbauten. Das "Gott mit uns" auf dem Koppelschloß der Soldaten haben die Kirchen nicht verhindert, obwohl ihre Diener wußten, daß die deutschen Soldaten Gegner hatten, die zu dem gleichen Gott beteten. Bei genauer Prüfung könnte herauskommen, daß es sich hier um eine "Duftmarke" der Kirchenführer handelt oder um ein Mittel psychologischer Kriegsführung des Staates. Jedenfalls da wo die Kirchen eindeutig und glaubenswürdig ethische Werte vertreten könnten zum Nutzen auch der Nicht- oder Andersgläubigen, nämlich beim Boden und beim Geld, hat sie diese Werte verraten. Die Motive können Machterhalt sein, Fehlinformation durch die Wirtschaftswissenschaft, Geschichtslosigkeit oder Schludrigkeit in der Theologenausbildung. Dieses muß bei allem Respekt vor den Trägern des christlichen Glaubens gesagt werden können. Natürlich dürfen auch Berichtigungen erfolgen, wenn dabei falsche Aussagen gemacht werden. Es ist schon nach Mitternacht. Alles Gute allen, die diese Zeilen lesen. Tristan Abromeit
Christian Butterbach, 05.03.2008, 14:09 GMT+1 [Link]
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